Gift in Kinderschuhen – Verbände fordern branchenweite Konsequenzen nach Rückrufaktion

SÜDWIND und INKOTA fordern branchenweite Konsequenzen nach Rückrufaktion „Etwa 85 % des weltweit hergestellten Leders wird mit Chrom gegerbt.“

Gerberei in Marokko - pixabay

Gerberei in Marokko – pixabay

Unabhängige Prüfstellen haben Mitte Februar das gesundheitsgefährdende und in Europa verbotene Chrom VI in Kinderschuhen des Herstellers Ricosta nachgewiesen. SÜDWIND und INKOTA fordern deshalb erneut und mit Nachdruck eine branchenweite Umstellung der Schuh- und Lederproduktion hin zu einer Herstellung, die ArbeiterInnen, VerbraucherInnen und die Umwelt konsequent schützt. Der Fall belegt, dass die Gerbung mit Chrom v.a. bei Kinderschuhen weiter hohe Risiken beinhaltet. Das Unternehmen hat vergangene Woche eine Rückrufaktion gestartet – die Schuhe waren aber bereits zwei Jahre im Handel.

Chrom VI Warnungen >

„Für VerbraucherInnen ist es ein Skandal, dass wiederholt der EU-weit geltende Grenzwert von maximal drei Milligramm Chrom VI pro Kilogramm Leder überschritten wurde“, sagt SÜDWIND-Mitarbeiter Anton Pieper. „Es ist gut, dass Ricosta den Rückruf gestartet hat, und dass das Prüfsystem offenbar funktioniert. Der Fall macht aber deutlich, dass Unternehmen in der Schuh- und Lederbranche hinsichtlich höherer sozialer und ökologischer Standards in ihren Wertschöpfungsketten dringend nachbessern müssen. Etwa 85 % des weltweit hergestellten Leders wird mit Chrom gegerbt.“

„Für die Menschen, die das Leder gerben und Schuhe herstellen ist die Situation noch dramatischer als für die VerbraucherInnen in Deutschland und Europa“, sagt Berndt Hinzmann von der Entwicklungsorganisation INKOTA. „Die Beschäftigten kommen mit den giftigen Substanzen regelmäßig in Kontakt und atmen die giftigen Dämpfe ein. Die Abwässer und Böden sind hochgradig verseucht.“ Bereits mit der Studie ‚Zeigt her Eure Schuhe‘ hatte die Kampagne Change Your Shoes 2017 die dramatischen Folgen der Chrom-Gerbung in Indien aufgedeckt und die Branche mit den Problemen konfrontiert.

„Es müssen weitreichendere Maßnahmen in der gesamten Branche folgen“, so Pieper weiter. „Der Verband HDS/L und die Unternehmens-Initiative CADS haben vergangenes Jahr versprochen, die Herausforderungen anzugehen. Es bedarf jedoch endlich konkreter Maßnahmen, damit die Menschen und die Umwelt nicht weiter geschädigt werden.“

Chrom VI kann bei der Chromgerbung entstehen, beispielsweise unter Einfluss von Feuchtigkeit oder hohen Temperaturen. Unter diesen Bedingungen können aus Chrom III hochallergene und krebserregende Chrom-VI-Verbindungen entstehen. Die Bildung von Chrom VI lässt sich lediglich einschränken, jedoch kaum verhindern. Auch bei der Lagerung von chromgegerbtem Leder kann sich Chrom III zu Chrom VI wandeln.

Quelle: SÜDWIND
Internet: https://www.suedwind-institut.de

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