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10.5.2016   |   Haus & Garten - Umwelt

Nervengift im Verkaufsregal: Die verharmloste Gefahr

GLOBAL 2000 hat Schädlingsbekämpfungsmittel getestet

Ein von GLOBAL 2000 durchgeführter Einkaufstest zeigt: In den Regalen von Lebensmittelgeschäften, Drogeriemärkten, Bauhäusern und Gartencentern kann man sich mit einer ganzen Palette an hoch riskanten Giften eindecken: Über 300 verschiedene Biozid-Produkte gegen Schädlinge im Haushalt wurden von der Umweltschutzorganisation dokumentiert.

Nervengift im Verkaufsregal: Die verharmloste Gefahr

„Biozide“ sind per Definition Stoffe, die Leben töten, sie gehören wie Pflanzenschutzmittel zu den Pestiziden. Pflanzenschutzmittel dürfen allerdings seit 2013 nur noch hinter Glas angeboten und nach fachlicher Beratung verkauft werden – im Lebensmittelhandel gar nicht mehr. Schädlingsbekämpfungsmittel wie Insektensprays, Ameisenpulver, Mottensäckchen oder Mäuseköder sind jedoch völlig frei erhältlich, obwohl sie oft dieselben Wirkstoffe wie Pflanzenschutzmittel enthalten – und manchmal sogar solche, die in Pflanzenschutzmitteln für die Landwirtschaft gar nicht mehr zugelassen sind.

Gifte im Regal: fortpflanzungsschädigend – krebserregend – erbgutverändernd

Dr. Waltraud Novak, Pestizidexpertin von GLOBAL 2000 zu den Testergebnissen: „Wir haben in den getesteten Produkten Substanzen gefunden, die als Nervengifte wirken oder fortpflanzungsschädigend sind, bei anderen gibt es Hinweise, dass sie krebserregend oder erbgutverändernd sind. Für diese hochgiftigen Stoffe gibt es keine unbedenkliche, kleinste Dosis. Daher hat die EU in der neuen Biozid-Verordnung diese Gesundheitsgefahren als Ausschlusskriterien für eine Zulassung definiert, das heißt Wirkstoffe, die in diese Kategorien fallen, dürfen nicht zugelassen werden. Trotzdem haben wir im Handel fünfzehn Produkte gefunden, die erwiesenermaßen fortpflanzungsschädigende Wirkstoffe enthalten“.

Maus tot – Katze tot

Mittel gegen Mäuse und Ratten (Rodentizide) wirken durch sogenannte Antikoagulantien, die die Blutgerinnung hemmen, sodass die Tiere innerlich verbluten. Diese Wirkstoffe können Kinder im Mutterleib schädigen und sind von der EU als „lebensgefährlich bei Verschlucken, Einatmen und Hautkontakt“ klassifiziert. Aufgrund verschiedenster Übergangsregelungen sind diese Produkte aber immer noch legal erhältlich. Wegen ihrer hohen Giftigkeit bringen diese Nagetiergifte auch sogenannte „Nicht-Zielorganismen“ in Lebensgefahr. Katzen, Hunde, Greifvögel oder Wildtiere, die vergiftete Mäuse fressen, können ebenfalls sterben, denn diese Stoffe sind so giftig, dass auch bei einer Sekundäraufnahme noch ein massives Vergiftungsrisiko besteht.

Obwohl die EU bei der Zulassung dieser Mittel vorgeschlagen hat, diese nur für berufsmäßige Verwendung zu bewilligen, sind diese Produkte in Österreich problemlos für private Verbraucher verfügbar. „Wir haben Mäuse- und Rattengifte bei DM, Müller, Adeg, Merkur, Interspar, Bauhaus, Obi, Hornbach, Dehner, Starkl-Vösendorf und im Lagerhaus gefunden“, so Novak.

Die sichere Handhabung dieser sowohl für KonsumentInnen als auch für die Umwelt hochgefährlichen Produkte durch Laien kann nicht garantiert werden. Besonders die Verwendung von Nagerbekämpfungsmittel kann eine erhebliche Gefahr für AnwenderInnen und Umwelt darstellen.

GLOBAL 2000 fordert Verkaufsstopp

GLOBAL 2000 fordert daher Minister Rupprechter auf, den Verkauf von Schädlingsbekämpfungsmitteln einzuschränken: Angelehnt an die Richtlinien zum Verkauf von Pflanzenschutzmitteln sollen auch Schädlingsbekämpfungsmittel nicht in Form der Selbstbedienung – und in Lebensmittelgeschäften gar nicht – verkauft werden. Novak weiter: „Nagetierbekämpfungsmittel mit Antikoagulantien gehören nicht in die Hände von privaten AnwenderInnen. In Anbetracht der Gefahren, die von diesen Mitteln ausgehen, sollen diese Substanzen nur von fachlich ausgebildetem Personal angewendet werden, um eine sichere und fachlich richtige Anwendung sicherzustellen“. Den Handel hat GLOBAL 2000 aufgerufen, im Sinne der KonsumentInnen-Sicherheit und zum Schutz der Umwelt, alle Rodentizide auf Basis von Antikoagulantien aus dem Verkauf zu nehmen.

„Eine erfreuliche Rückmeldung haben wir von Merkur erhalten, die das Mäusegift bereits freiwillig aus ihren Regalen genommen haben“, so Novak. „Andere Unternehmen, wie die Drogeriemärkte dm und Müller oder die Gärtnerei Dehner sehen leider keinen Handlungsbedarf.“

Für alle problematischen Biozid-Produkte gibt es eine Fülle von ungefährlichen Alternativen. Auf www.global2000.at/biozide-im-haus gibt es einen Einkaufsführer mit einem anschaulichen Ampelsystem zur Bewertung aller Schädlingsbekämpfungsmittel.

Ausführlichere Informationen zum Einkaufstest und zu Schädlingsbekämpfungsmitteln finden Sie in unserem Report „Schädlingsbekämpfungsmittel“

Report „Schädlingsbekämpfungsmittel“

Quelle: Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000/Friends of the Earth Austria
Internet: https://www.global2000.at

Bild: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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