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27.6.2014   |   Kindersicherheit

Achtung Autofahrer: Kind auf Fahrrad!


Die Stiftung Kindergesundheit informiert über Unfälle im Verkehr und ihre Vermeidung

Nach den Impfungen ist die Verhütung von Unfällen die erfolgreichste Vorsorgemaßnahme für die Gesundheit unserer Kinder, sagt die in München beheimatete Stiftung Kindergesundheit. Wie wirksam die Prävention ist, zeigt der Rückgang der tödlichen Verkehrsunfälle von Kindern: Im letzten Jahr 2013 sind auf Deutschlands Straßen 58 Kinder im Alter unter 15 Jahren getötet worden. 20 Jahre zuvor, 1993, starben noch mehr als siebenmal so viele Kinder im Verkehr und auch vor zehn Jahren, 2003 hat er mehr als dreimal so viele Kinder unter 15 Jahren das Leben gekostet. Insgesamt waren 28.078 Kinder im Jahr 2013 auf Deutschlands Straßen verunglückt. Das ist die geringste Zahl seit Einführung der Statistik im Jahr 1953.

fahrradEin Grund zum Jubeln sind aber auch die neuen Zahlen nur bedingt, unterstreicht Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der die Stiftung Kindergesundheit: „Zum einen, weil jedes tote Kind eines zu viel ist. Zum anderen, weil der Rückgang nur zum Teil den verbesserten Verhältnissen im Verkehr und im Rettungswesen zu verdanken ist. Schließlich ist auch die Zahl der Kinder in den letzten 20 Jahren gewaltig geschrumpft. Auf die Anzahl der Kinder umgerechnet werden in vergleichbaren Industrieländern Europas wie England, Spanien, Holland oder Italien nach wie vor weniger Kinder als in Deutschland im Straßenverkehr getötet. Im Schnitt kommt in Deutschland alle sechs Tage ein Kind bei Verkehrsunfällen ums Leben“.

Sind unsere Kinder waghalsiger, sorgloser oder dümmer als die kleinen Briten, Spanier oder Niederländer? Vermutlich nicht, meint die Stiftung Kindergesundheit. Wohl aber die Erwachsenen: Unser Verkehr wird immer dichter, die Autofahrer immer unberechenbarer. Tempobeschränkungen in Wohngebieten werden ignoriert, rote Ampeln missachtet. „Das geht dann viel zu oft auf Kosten der Kinder, die sich zum ersten Mal selbst mit einem Verkehrsmittel auf die Straße wagen – auf Kosten der kleinen Radfahrer“, so Professor Koletzko.

Dass Radfahren für Kinder weiterhin gefährlich bleibt, belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Nach seinen Angaben verunglückten im letzten statistisch ausgewerteten Jahr 2012 insgesamt 9.892 Kinder bis 15 Jahren auf dem Fahrrad, 6.518 Jungen und 3.374 Mädchen. Von ihnen wurden 16 getötet und 1.272 schwer verletzt. Die meisten Unfälle mit Fahrrädern ereigneten sich in den Monaten Mai und Juni.
Laut Straßenverkehrsordnung müssen Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auf dem Gehweg fahren (bis zu zehn Jahren dürfen sie ihn weiter benutzen). Doch sie fahren leider nicht immer dort, wo sie radeln sollten: Die häufigste Unfallursache bei den 6- bis 15-jährigen Radfahrern war laut Polizei eine „falsche Straßenbenutzung“, insbesondere die Nutzung der falschen Fahrbahn. An zweiter Stelle wurden Fehler beim Abbiegen und Wenden registriert.

Heute bekommen die Kinder in immer früherem Alter ihr erstes Fahrrad und werden damit von ihren Eltern auch viel zu früh auf die Straße gelassen. In Deutschland besitzen heute bereits mehr als 90 Prozent der Vierjährigen ein Fahrrad. Das Problem dabei: Manche Eltern neigen dazu, die Auffassungsgabe und die Fähigkeiten ihrer Kinder als Radfahrer zu überschätzen. Viele übersehen indes, dass Kinder unter acht Jahren zwar schon ganz geschickt mit ihrem Fahrrad umgehen, den Anforderungen im Straßenverkehr jedoch noch nicht gewachsen sind.

Links abbiegen – ein Problem

Ein Beispiel der Stiftung Kindergesundheit: Die Aufgabe, beim Fahren den linken Arm auszustrecken und sich auch noch nach dem folgenden Verkehr umzudrehen, kann von vielen Kindern erst mit 10 Jahren gelöst werden. Diese Aufgabe stellt sich aber jedes Mal, wenn man mit dem Fahrrad nach links abbiegen muss.
Sicherheitsexperten wie der Mechernicher Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Jörg Schriever, Unfallbeauftragter des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte BVKJ, empfehlen deshalb allen Eltern, ihre Kinder möglichst lange daran zu hindern, mit dem Rad auf die Straße zu gehen. Kleinere Kinder sollten ausschließlich auf verkehrsfreien Flächen Rad fahren. Empfehlenswerte Übungsräume sind Höfe, Gärten, Garagenplätze und Parks.
Um das Risiko von Fahrradunfällen möglichst gering zu halten, empfiehlt Dr. Schriever die Beachtung folgender Regeln:

Erst auf den Roller, erst dann aufs Rad!

Das Fahren mit Roller oder Laufrad ist das ideale Gleichgewichtstraining für das spätere Radfahren. Eine lange Roller- oder Laufradphase ist auf jeden Fall einem Kinderrad mit Stützrädern vorzuziehen: Stützräder geben eine trügerische Sicherheit und verleiten Kinder zu einem Fahrverhalten, welches das „richtige“ Radfahren eher erschwert. Durch zu schnelles Fahren kommt es öfter zu schlimmen Stürzen. Deshalb auf Stützräder lieber verzichten.

Nie ohne Helm auf die Straße!

Der Helm verhindert 85 bis 90 Prozent der tödlichen Fahrradunfälle durch Kopfverletzungen. Das gilt übrigens nicht nur beim Radeln, sondern auch wenn die Kinder auf Inlineskates, Schlittschuhen, Tretrollern oder Skateboards unterwegs sind. Der Helm sollte gut passen, versehen sein mit Kinnriemen, seitlichem Schloss, einer zwei Zentimeter dicken Schale, in auffälliger, eventuell reflektierender Farbe, und nicht mehr als 300 Gramm wiegen.
Kleine Kinder lernen vieles durch die Nachahmung der Eltern. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Eltern stets vorbildlich verhalten und zum Radfahren ebenfalls einen Helm aufsetzen. „Und auch wenn Omas Frisur vielleicht ein wenig darunter leidet: Auch die mitradelnden Großeltern sollten ebenfalls stets einen Helm tragen“, ergänzt Professor Koletzko.

Radfahren nur auf sicheren Straßen!

Kinder sollten vor Schuleintritt nicht bei Dunkelheit und nicht alleine auf öffentlichen Straßen Fahrrad fahren, Spielstraße ausgenommen. Sie sind besser aufgehoben auf Höfen, Spielplätzen, Parks etc., also da, wo wenig oder kaum Verkehr ist.

Die meisten Unfälle mit Rad fahrenden Kindern passieren zwischen 15.00 und 18.00 Uhr, wenn sich die Kinder nach den Hausaufgaben mit Rädern auf den Straßen tummeln. Sie treffen dann unglücklicherweise mit dem Berufsverkehr zusammen, mit vielen Müttern und Vätern, die in ihren Autos eilig nach Hause, zu ihren eigenen Kindern, wollen.

Mit Appellen an die Eltern allein ist es allerdings nicht getan, betont die Stiftung Kindergesundheit. Jeder Autofahrer sollte in Wohngebieten zu jeder Zeit darauf gefasst sein, unsicher reagierenden und impulsiv handelnden Kindern auf dem Fahrrad zu begegnen. Er muss seine Geschwindigkeit so einrichten, dass er jederzeit in der Lage ist, auch Kinder, die sich mit ihrem Fahrrad vielleicht im Sinne der Straßenverkehrsordnung falsch verhalten, vor einem Unfall zu bewahren.

Ein Hinweis, der sich eigentlich von selbst versteht: Tempo 30-Zonen in Wohngebieten helfen, die Gefahren für Rad fahrende Kinder gering zu halten. Tempo 30 hat sich als effektivere Präventionsmaßnahme erwiesen als alle Verkehrserziehungsmaßnahmen zusammen. Die Stiftung Kindergesundheit appelliert deshalb an alle motorisierten Verkehrsteilnehmer, sich strikt an diese Geschwindigkeitsbegrenzung halten, den Kindern zuliebe.

Kinder sind und bleiben die schwächsten Verkehrsteilnehmer: Ihr Blickwinkel ist begrenzt, sie können links und rechts noch nicht sicher unterscheiden, sie haben Schwierigkeiten, die Geschwindigkeit von Autos einzuschätzen, sie sind leicht abzulenken und sie können sich nicht über längere Zeit konzentrieren. „Der Straßenverkehr gefährdet sie deshalb mehr als jede Krankheit“, sagt Kinder- und Jugendarzt Professor Koletzko. „Und weil es dagegen keine Impfung gibt, müssen wir uns alle, ob Eltern oder Autofahrer, selbst um die Sicherheit der Kinder auf unseren Straßen bemühen“.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit 
Internet: http://www.kindergesundheit.de/

Bild: cleankids

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