Autistische Kinder können besondere Fähigkeiten in Mathematik entwickeln

kind1Die Wissenschaftler um Professor Vonod Menon vermuten, dass autistische Kinder eine Gehirnstruktur haben, die ihnen das Lösen von mathematischen Problemen erleichtert. In ihrer Studie konnten die Spezialisten unter der Leitung des Psychiatrieprofessors erkennen, dass bestimmte Gehirnregionen bei der Bearbeitung von mathematischen Aufgaben nur bei autistischen Kindern besondere Aktivität zeigten. Diese Regionen sind bei anderen Kindern normalerweise besonders aktiv, wenn es um das erkennen von Gesichtern und Bildern geht.

Diese Fertigkeiten sind bei autistischen Kindern meist mangelhaft ausgeprägt. Autistische Kinder haben Schwierigkeiten bei sozialen Kontakten, sie können Gesichtsausdrücke beim Gespräch und deren kommunikative Bedeutung nicht richtig interpretieren. Sie bevorzugen Tätigkeiten, die nach einem bestimmten Muster verlaufen bzw. sich immer wieder wiederholen und ihr Interesse beschränkt sich auf wenige spezielle Bereiche. Trotz dieser mangelnden Fähigkeiten entwickeln machen autistische Kinder in bestimmten Bereichen außergewöhnliches Talent. Zu diesen Bereichen gehört die Mathematik.

Analytisches Denken liegt Autisten

Die Experten beobachteten 36 Kinder im Alter zwischen 7 und 12 Jahren. Eine Hälfte von ihnen hatte die Diagnose Autismus erhalten. Die andere Hälfte diente als Kontrollgruppe. Jede Gruppe hatte 14 Jungen und vier Mädchen. (Jungen häufiger von Autismus betroffen sind). Alle Teilnehmer hatten einen durchschnittlichen IQ und normale verbale und Lesefähigkeiten auf. Aber bei den Mathematikaufgaben übertrafen die Autismuskinder die „normalen“ Kinder.

Nach der Mathematikprüfung interviewten Forscher die Kinder, um zu erfahren, welche Problemlösungsstrategien jedes von ihnen verwandt hatte:

  • Erinnerten sie sich einfach an eine Aufgabe, die sie schon kannten?
  • Bewältigten sie Zahlenaufgaben mithilfe ihrer Finger oder im Kopf?
  • Zerlegten sie das mathematische Problem in seine Bestandteile (eine verhältnismäßig fortgeschrittene Methode)?

Die Kinder mit Autismus benutzten häufiger die „Einzelschrittmethode“, d.h. sie zerlegten eine komplexe Aufgabe in Teilkomponenten. Autistische Kinder gingen also mehr analytisch vor und verließen sich weniger auf auswendig gelernte Routinen.

Im zweiten Teil der Untersuchung lösten die Kinder (liegend) mathematische Aufgaben, während ihre Gehirnaktivität in einem Magnetresonanztomografen (MRI) gemessen wurde. Die Gehirnaufnahmen der autistischen Kinder enthüllten ein außergewöhnliches Aktivitätsmuster in Gehirnregionen, die normalerweise auf das Verarbeiten von visuellen Reizen, insbesondere Gesichtern spezialisiert sind. Die besonderen Fähigkeiten der autistischen Kinder beruhen laut den Forschern folglich auf einer speziellen Organisation der Hirnstruktur.

Bisherige Forschungsarbeiten hätten sich fast ausschließlich auf die Schwächen von Kindern mit Autismus konzentriert, so Menon. Ihre Studie zeige nun, dass die untypische Gehirnentwicklung bei Autismus nicht nur zu Defiziten, sondern auch zu einigen bemerkenswerten kognitiven Stärken führen kann. Der Psychiater räumt jedoch ein, dass nicht alle autistischen Kinder eine besondere Begabung in Mathematik besitzen.

Die Idee, dass Menschen mit Autismus ihre besonderen Fähigkeiten in einem Beruf einsetzen könnten, hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. So will der Software-Konzern SAP Hunderte Autisten zu Software-Testern und Programmierern ausbilden. Bis 2020 soll ein Prozent der Beschäftigten Menschen mit Autismus sein. Der Anstoß kam von dem dänischen IT-Unternehmen Specialisterne, das bevorzugt Autisten einstellt und mit dem SAP zusammenarbeitet.

Quelle. ScienceDaily, Biological Psychiatry

Quelle:
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.
http://www.kinderaerzte-im-netz.de

mzt

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