Rechnen und Lesen: Neugier ist der Schlüssel zum Erfolg

Amerikanische Forscher der Universität von Michigan beobachteten einen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß von Neugier, das kleine Kinder zeigen, und deren späteren akademischen Erfolgen. Sie kommen deshalb zu dem Schluss, dass frühe Interventionen wichtig wären, um die Neugier zu wecken.

Rechnen und Lesen: Neugier ist der Schlüssel zum Erfolg

Neugierige Kinder sind besser in der Lage, Grundrechenarten und Lesen zu lernen und zu verstehen. So lautet das Fazit einer Gruppe von Forschern der Universität von Michigan unter der Leitung von Dr. Prachi Edlagan Shah in einer Veröffentlichung in der Zeitschrift „Pediatric Research“. Die Wissenschaftler untersuchten erstmals eine mögliche Verbindung zwischen Neugier und frühem schulischen Erfolg bei Kleinkindern. Darüber hinaus fanden die Forscher heraus, dass Neugier für Kinder aus sozial benachteiligten Familien für gute akademische Leistungen noch wichtiger ist als für Kinder aus wohlhabenderen Verhältnissen. Die Experten glauben deshalb, dass dort auch Interventionen einsetzen könnten, um die mit sozialer Benachteiligung verbundene Bildungslücke zu schließen.

Kinder, die eine breite Palette von sozio-emotionalen Fähigkeiten entwickelt haben, sind in der Regel erfolgreicher, wenn sie in die Schule kommen. Diese Fähigkeiten umfassen Erfindungsreichtum, Vorstellungskraft, Ausdauer, Aufmerksamkeit sowie die Fähigkeit, Beziehungen zu bilden und mit Gefühlen umgehen zu können. Laut Shah konzentrieren sich die meisten aktuellen Frühfördermaßnahmen darauf, die Selbstkontrolle der Kinder zu verbessern, wie z.B. die Fähigkeit, sich zu konzentrieren und Impulse zu kontrollieren. Sehr wenige Interventionen zielen darauf ab, Neugier bei kleinen Kindern zu wecken – eine Eigenschaft, die Shah als Entdeckerfreude und als das Bestreben beschreibt, Erklärungen für Unbekanntes zu finden.

Die Daten für die aktuelle Studie wurden aus der „Early Childhood Longitudinal Study, Birth Cohort“ entnommen. Diese landesweite, repräsentative Studie, die vom US-Bildungsministerium gesponsert wird, verfolgt tausende Kinder des Jahrgangs 2001 seit ihrer Geburt. Ihre Eltern wurden während Hausbesuchen befragt, und die Kinder wurden untersucht, als sie neun Monate, zwei Jahre waren und als sie in den Kindergarten kamen. 2006 und 2007 wurden die Lesefähigkeiten und die mathematischen Kompetenzen sowie das Verhalten von 6.200 Kinder der Kohorte dann im Kindergarten gemessen.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Neugier – nach Ausschluss anderer Faktoren – mit höherer Leistung in Verbindung gebracht werden kann. Sie steuert einen kleinen, aber bedeutsamen Beitrag zur akademischen Leistung bei“, erklärte Shah.

Diese Eigenschaft erwies sich als ebenso wichtig wie die mühsame Förderung des Rechnens und Lesens im Kindergartenalter. Dies galt insbesondere für Kinder, die begierig waren, neue Dinge zu lernen. Die Beziehung zwischen der Neugier und der schulischen Leistung eines Kindes stand nicht im Zusammenhang mit dem Geschlecht eines Kindes oder dem Anteil an Frühförderung.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass selbst wenn ein Kind eine geringe Selbstbeherrschung zeigt, seine Neugier ihm zu besserer schulischer Leistung verhelfen kann“, fügte Shah hinzu. „Gegenwärtig konzentrieren sich die meisten Interventionen im Klassenzimmer auf die Förderung einer frühen, mühsamen Selbstbeherrschung und auf die Förderung der Selbstregulierungskapazitäten eines Kindes, aber unsere Ergebnisse legen nahe, dass […] die Bedeutung der Neugier […] ebenfalls in Betracht gezogen werden sollte.“

Die Forscher betonten, dass die Förderung der Neugier für Kinder aus niedrigeren sozioökonomischen Verhältnissen besonders wichtig sein kann.
„Unsere Resultate deuten darauf hin, dass zwar mehr Neugier bei allen Kindern mit höheren schulischen Leistungen verbunden ist, die Assoziation von Neugier mit schulischen Leistungen bei Kindern mit niedrigem sozioökonomischen Status jedoch größer ist“, so Shah. Sie fügt hinzu, dass Kinder, die unter finanziell abgesicherten Bedingungen aufwachsen, tendenziell besseren Zugang zu Ressourcen haben, um Lesen und Rechnen zu lernen, während diejenigen aus ärmeren Gesellschaftsschichten in einem weniger stimulierenden Umfeld aufwachsen.

In einer solchen Umgebung sei die Motivation, in der Schule erfolgreich zu sein, von der Neugier des Kindes abhängig, verdeutlichte Shah. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Förderung der Neugier ein wertvolles Interventionsziel sein kann, um frühe schulische Leistungen zu fördern, mit besonderem Vorteil für Kinder aus sozial benachteiligten Familien.“

Quelle: EurekAlert! Pediatric Research

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.
Internet: http://www.kinderaerzte-im-netz.de

Bild/er: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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