Atmotube – kleines Gadget misst die Luftqualität

Nicht erst seit dem Dieselskandal ist die Diskussion um die Schadstoffbelastung der Luft in Deutschland in aller Munde. Obwohl die Belastung in den letzten Jahren zurückgegangen ist, bewegen sich etwa die Feinstaubwerte weiterhin über dem Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und damit über dem Richtwert der World Health Organisation (WHO) von zehn Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft.

Dazu sollte erwähnt werden, dass die WHO für Feinstaub und Ozon sogenannte Luftgüteleitwerte festgelegt hat, welche strenger als die Grenzwerte der Luftqualitätsrichtlinie der EU sind. Übersteigt die Schadstoffbelastung diese Werte, steigen auch die Gesundheitsrisiken deutlich.

So wurde auch Professor Dr. med. Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) anlässlich des Symposiums „Was tun für bessere Luft“ Mitte September deutlich: „Studien zeigen, dass Feinstaub, Stickoxide und andere Schmutzpartikel nicht nur der Lunge schaden, sondern auch für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes, Demenz und weitere Erkrankungen verantwortlich sein können“.

Im Besonderen sind hier natürlich die Kleinsten betroffen. Vor allem in Ballungsräumen sind Kinder bereits von klein auf den Luftverschmutzungen ausgesetzt. Aber oftmals sind auch Innenräume von Luftverschmutzungen betroffen. Bereits 2005 ergab eine Studie des Berliner Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheit und technische Sicherheit, dass die Feinstaubbelastung (durch die PM10-Fraktion von Schwebstaub) innerhalb von Berliner Klassenräumen zum Teil um das Dreifache erhöht ist.

Atmotube Pro in der Praxis – Wir haben es ausprobiert

Uns wurde ein kleines neuartiges Gerät zur Verfügung gestellt, mit welchem sich nach Herstellerangaben nicht nur die Feinstaubbelastung messen lässt, sondern auch über 50 flüchtige, organische Verbindungen (VOCs), die in Innenräumen zum Beispiel in Fußboden-, Wand- und Deckenmaterialien, Farben, Lacken, Klebstoffen und Möbeln enthalten sein können und nach und nach ausgasen. Entwickelt vom kalifornischen Design-Studio „NotAnotherOne”. Mit der zugehörigen App lassen sich die Daten langfristig und übersichtlich abrufen.

Vorab der Hinweis, dass wir die Messwerte nicht verbindlich haben überprüfen lassen. Ein Vergleich mit öffentlichen Werten einer Messstation in Ulm lieferte jedoch vergleichbare Daten.

Gleich am Anfang ein richtiger Schock für uns. Der Atmotube hat nach Befeuerung des Kaminofens innerhalb kürzester Zeit dramatisch gestiegene Feinstaubwerte im Wohnzimmer gemeldet, weit über der Belastung am Stuttgarter Neckartor. Das gibt sehr zu denken, zumal die Heizperiode ansteht, animiert aber auch zum sofortigen Lüften. Durch die schnelle Reaktion der Sensoren lässt sich fast in Echtzeit der Erfolg oder Misserfolg eingeleiteter Maßnahmen zur Luftverbesserung feststellen. Unser Lüftungsverhalten hat sich seither auch verändert.

Sehr interessant waren auch die von uns gemessenen Werte im Auto bei leicht geöffnetem Fenster. Bei Überlandfahrt alles im grünen Bereich, aber schon vor der Stadtgrenze ist die Luftqualität deutlich schlechter geworden.

Die verwendeten Sensoren arbeiten sehr schnell und so gut wie geräuschlos. Man muss schon ganz genau hinhören, um den im Atmotube verbauten Lüfter zu hören.

Die Funktionalität der App ist gut. Übersichtlich aufbereitet sind die gemessenen Werte, die per Bluetooth an das Smartphone übertragenwerden, abrufbar. Auch die Bedienung der App ist denkbar einfach. Nutzer werden auf Wunsch via Pushmeldung in Echtzeit über Veränderungen der Luftschadstoffwerte informiert. Zusätzlich werden Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Luftdruck angezeigt. Desweiteren sind Informationen zum Lüftungsverhalten und zur Verringerung der Schadstoffbelastung abrufbar

Eltern können den Sensor etwa mit einem Karabiner oder Schlüsselring am Schulranzen befestigen. Die gemessenen Werte werden auf das Smartphone übertragen, sobald wieder eine Bluetooth Verbindung aufgebaut wird. Kinder können unterwegs auf den kleinen Knopf am Gerät drücken und erhalten auf diese Weise eine – durch farbige LED dargestellte – Einschätzung (blau – gut und rot – schlecht) der Umgebungsluftqualität. Der Atmotube speichert diese Daten fünf Tage lang im internen Speicher.

Denkbar ist, dass der Sensor Eltern von Kindern mit Asthma oder chronischen Atemwegserkrankungen dabei unterstützen kann, eine Verbindung zwischen bestimmten Aufenthaltsräumen oder Gegenden und gesundheitlichen Beschwerden herzustellen.

Wie funktioniert der Atmotube Pro?

Ein winziger Lüfter befördert Luft in mehrere Sensorkammern, damit das Gerät die Luftqualität analysieren kann. Das Gerät ist mit drei Sensoren ausgestattet: einem laserbasierten PM-Sensor zur Feinstaubmessung, einem MEMS-tVOC-Sensor und einem digitalen Kombisensor für Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Luftdruck.

Technische Daten des Atmotube Pro

Breite 5cm 
Höhe 8,5cm (zuzüglich Befestigungsöse 1cm)
Tiefe 2cm
Gewicht 107g
Datenübertragung: Bluetooth
Aufgeladen wird der Atmotube über ein handelsübliches USB-Kabel mit C-Stecker

Fazit: Richtig genutzt kann der Atmotube ein sinnvoller kleiner Begleiter sein!

 

Kleiner Sensor mit vielfältigen Fähigkeiten

Atmotube PRO verfügt über eine umfangreiche Sensorik, die Feinstaub, Pollen, Rußpartikel und Schimmelpilzsporen zuverlässig erkennt. Das Messgerät verfügt zusätzlich über eine integrierte Wetterstation (dank verbauter barometrischer Druck- und Höhensensoren) sowie über eine Antennenleistung bis zu 10 Meter, die das Übertragen der Messdaten auf das Smartphone (der Erwachsenen) erleichtert. Die App ist kostenlos und verfügbar für iOS 9+ und Android 4.3+ Smartphones mit Bluetooth LE. Die Batterielaufzeit des Atmotube Pro beträgt eine Woche und wird per USB Typ-C Kabel, das im Lieferumfang enthalten ist, geladen. Das Gerät kann unkompliziert an der Tasche – beispielsweise am Schulranzen – oder am Gürtel angebracht werden. Atmotube Pro ist über die Atmotube Website für 179 USD (umgerechnet ca. 162 Euro) erhältlich.

 

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.
Umweltbundesamt 2019
Berliner Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheit und technische Sicherheit, 2005
UNICEF Studie, 2016
WHO Studie, 2018, Englisch, “Luftverschmutzung und Gesundheit von Kindern”
EU-weiter HEAL Report, 2019, (HEAL – Healthy air, healthy children)

Abbildungen: cleankids.de

Das könnte Dich auch interessieren...