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12.1.2015   |   Computer & Internet

Soziale Medien beeinflussen, was Jugendliche von einer Freundschaft erwarten

Soziale Medien beeinflussen das Bild, das Heranwachsende von Freundschaft und Intimität haben. Diese Ansicht vertreten zumindest amerikanische und kanadische Forscher.

socialmedia

Junge Menschen fühlen sich sozial unterstützt, wenn sie eine große Anzahl von Freunden im Internet haben, auch wenn sie diese vielleicht nie persönlich sehen. So das Fazit von amerikanischen Forschern. Wie das Pew Internet and American Life Project ermittelte, hat der typische amerikanische Teenager etwa 300 Facebook-Freunde und 79 Twitter-Follower – veröffentlicht in dem Bericht „Teens, Social Media and Privacy“. Demnach ändern sich auch die Normen, was die Privatsphäre betrifft. Die Mehrheit der Jugendlichen veröffentlichen Fotos und persönliche Informationen über sich, um sie für ihre Online-Kontakte sichtbar zu machen.

Neuere Umfrageergebnisse der kanadischen gemeinnützige Gruppe MediaSmarts zeigen, dass kanadische Jugendliche zwar zum Teil ihre Privatsphäre zu schützen – zum Beispiel indem sie ihre Kontaktadresse nicht in sozialen Medien preisgeben. Aber die Untersuchung weist auch darauf hin, dass die meisten Kinder nicht genug über Datenschutzrichtlinien, Geo-Location-Services und die Auswirkungen der Weitergabe von Passwörtern wissen. Die kanadischen Experten befragten 5436 Schüler von der vierten bis zur elften Klasse.

Professor Patricia Greenfield, eine amerikanische Entwicklungspsychologin an der UCLA (University of California) und Direktorin des Children’s Digital Media Center in Los Angeles begrüßt diese Studien, da sie ein Bild darüber vermitteln können, wie die Vorstellungen von Freundschaft und Intimität bei Jugendlichen durch das Internet beeinflusst wird. In ihrer eigenen Forschung hat Greenfield festgestellt, dass junge Menschen sich durch ein großes Netzwerk von Online-Freunden unterstützt fühlen, und das seien nicht unbedingt Freunde, die sie je von Angesicht zu Angesicht sehen.

„Wir fanden in unserer Studie, dass die Schüler und Studenten sich nicht mehr Rückhalt durch Telefonate holen, sondern nur durch größere Netzwerke, die ihnen das Gefühl vermitteln, dass ihr Publikum groß ist.“
Patricia Greenfield befürchtet, dass die Nutzung von Sozialen Medien den Rückgang von engen Freundschaften zwischen jungen Menschen zur Folge hat. Stattdessen „brauchen“ jetzt bei viele Jugendlichen möglichst vielen „likes“ und Feedbacks zu ihren Seiten. „Enge und intime Freundschaften sind dem Anvertrauen von persönlichen Dingen verbunden. Jetzt offenbaren sich Teenager einem Publikum von Hunderten.“

Laut der UCLA-Doktorantin Lauren Sherman stehen sich Menschen näher, wenn sie sich von Angesicht zu Angesicht unterhalten können. Deshalb wird ein auch Video-Chat höher bewertet als ein Anruf. Aber das Telefon wiederum kann eine engere Verbindung herstellen als das SMS. „Ich glaube nicht, dass die digitale Kommunikation an sich ist etwas Schlechtes ist“, erklärte Sherman, „aber wenn wir die Fähigkeit verlieren, uns mit Menschen verbunden zu fühlen und uns nahe zu stehen, dann ist das ein Problem.“

Schätzungsweise mehr als 3.000 Texte versenden amerikanische Jugendliche im Monat. Greenfield nimmt an, dass für Heranwachsende die Effizienz der Verbindung mehr zählt als die Intimität.

Quelle: CBC News; Teens, Social Media and Privacy; Online Privacy, Online Publicity

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.
Internet: http://www.kinderaerzte-im-netz.de

Bild: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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