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28.5.2014   |   Gesundheit

Nicht jedes Zipperlein ist harmlos: Wann Eltern hellhörig sein sollen


ams-Serie: Von klein auf gesund (5)

(ams) Wenn Kinder mal Bauchschmerzen haben oder schlecht schlafen, ist das noch kein Grund zur Sorge. Wenn Jungen und Mädchen aber häufig oder sogar regelmäßig über gesundheitliche Beschwerden klagen, nervös und gereizt sind oder ständig schlecht schlafen, sollten Eltern das ernst nehmen und den Ursachen nachgehen. „Denn bereits im Kindes- und Jugendalter können Stressfaktoren wie fehlende Akzeptanz, Familienkonflikte sowie mangelnde Unterstützung durch Lehrerinnen und Lehrer Auslöser von subjektiven Beschwerden sein“, sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Nicht jedes Zipperlein ist harmlos: Wann Eltern hellhörig sein sollen

Zum Glück geht es den allermeisten Kindern in Deutschland gesundheitlich gut. Die AOK-Familienstudie 2014 zeigt, dass acht von zehn Kindern laut der Aussage ihrer Eltern gesund sind und keine Beschwerden haben. Doch jedes fünfte Kind klagt demnach häufig oder regelmäßig über Beschwerden wie diese:

  • Gereiztheit oder schlechte Laune
  • schlechtes Einschlafen
  • Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen
  • Nervosität
  • Benommenheit oder Schwindel

Zeit zum Handeln ist es aus Sicht von Fachleuten, wenn Kinder – regelmäßig über einen längeren Zeitraum – mindestens einmal pro Woche über zwei solcher Beschwerden klagen. „Daran können Eltern sehr gut ablesen, dass etwas im Busch ist und das Kind sich nicht wohlfühlt“, so Eymers. Wenn es einem Kind nicht gut geht, kann das Auswirkungen auf die Teilnahme am Kindergarten oder die Schulsituation haben: Kinder, denen es gut geht, kommen besser zurecht und sind aufmerksamer. Für Eltern gibt es also gute Gründe, bei wiederkehrenden Beschwerden der Kinder dies nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Gratwanderung zwischen Beobachten und Betüddeln

Andererseits werden Eltern heutzutage dazu aufgerufen, ihre Kinder nicht übermäßig zu behüten und dauernd zu betüddeln. „Es ist tatsächlich eine Gratwanderung, bei der es vor allem ums genaue Beobachten des Kindes geht. Eltern kennen ihre Kinder am besten und haben in der Regel ein gutes Gespür dafür“, sagt die AOK-Ärztin. Wann immer Eltern sich Sorgen machen, ist der Kinderarzt ihr erster Ansprechpartner. Er wird zunächst klären, ob es körperliche Ursachen für die gesundheitlichen Beschwerden gibt. Doch häufig findet der Arzt keine organische Ursache. Eymers: „Die Kinder drücken über Schmerzen und Unwohlsein aus, dass für sie etwas im Alltag nicht in Ordnung ist.“ Sprechen Eltern sie gezielt darauf an und versuchen, durch Fragen herauszufinden, was dahinter steckt, bekommen sie oft keine Antwort. Schließlich können Kinder nicht selbst den Schluss ziehen, dass Schmerzen oder Unkonzentriertheit die Folge eines Zwischenfalls mit anderen Kindern oder Erwachsenen oder einer schlechten Atmosphäre sind. „Verschließt der Junge oder das Mädchen sich in solchen Situationen, sollten die Eltern nicht bohren und drängeln. Oft erzählen sie umso bereitwilliger von möglichem Kummer, wenn Ruhe einkehrt, etwa abends vorm Schlafengehen“, sagt Eymers.

Geht es Eltern gut, geht es auch Kindern gut

Damit Kinder erzählen können, bedarf es einer entsprechenden Atmosphäre in der Familie: Verbringen Eltern viel Zeit mit ihren Kindern, hören ihnen aufmerksam zu, dann öffnen Kinder sich eher. Aber nicht nur im Hinblick auf das Erzählen ist die Familienatmosphäre wichtig. Die aktuelle AOK-Familienstudie zeigt, dass Kinder insgesamt weniger gesundheitliche Beschwerden haben, wenn es den Eltern gut geht, sie mit ihrer eigenen Situation zufrieden sind. Das hängt wiederum mit dem Faktor Zeit zusammen, den viele derzeit als größte Belastung im Familienleben überhaupt empfinden. „Die Kinder müssen und wollen gar nicht unbedingt immer etwas Tolles mit den Eltern machen. Ungeteilte Aufmerksamkeit bei einem banalen Spiel, Vorlesen oder das gemeinsame Zubereiten einer Mahlzeit sind für sie und ihre Entwicklung ganz wichtig“, sagt Eymers. Dazu gehören auch die immer wieder genannten wichtigen Rituale wie mindestens einmal am Tag gemeinsam zu essen, möglichst viel gemeinsam zu unternehmen und aktiv zu sein.

Erwachsene sollten auch auf sich selbst achtgeben

Die Erwachsenen sollten auch auf sich selbst gut achtgeben. So ist es etwa wichtig, dass die Eltern als Paar zu sich finden. Alleinerziehende brauchen beispielsweise Zeiten, in denen sie Entlastung haben. Viele Eltern oder Alleinerziehende haben zwar keine Familie vor Ort, so dass Oma und Opa nicht zwischendurch mal für die Kinder parat stehen, und oft reicht das Geld nicht, um sich einen Babysitter-Abend zu erlauben. Aber Freunde und Eltern in einer ähnlichen Situation gibt es zum Glück oft. So kann beispielsweise ein abwechselnder Babysitter-Dienst mit einer befreundeten Familie eine Möglichkeit sein, regelmäßig das Haus zu verlassen.

Quelle: ams-Ratgeber 01/14

 

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