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30.5.2011   |   Familie & Erziehung

Therapie statt Spielplatz: Trend zu Kindertherapien hält an – Besonders Sprachförderung nimmt zu


Mehr als jedes vierte Kind zwischen sechs und 18 Jahren erhielt Sprachtherapie. Fast jedes Fünfte bekam Ergotherapie und ebenso viele Kinder waren bei der Krankengymnastik.

Der Trend zu Kindertherapien hält an. Die niedergelassenen Ärzte haben im Jahr 2010 sogenannte ‚funktionelle Therapien‘ wie Ergo-, Physio- und Sprachtherapien für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren im Wert von über 663 Millionen Euro verschrieben. Nach einem leichten Rückgang des Umsatzes seit 2007 entspricht das gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg von acht Prozent. Dies teilte die Techniker Krankenkasse (TK) unter Berufung auf die aktuelle Heilmittelstatistik des GKV-Spitzenverbandes mit. Statistisch gesehen hat jedes gesetzlich versicherte Kind bis zum Alter von 15 Jahren vergangenes Jahr funktionelle Therapien im Wert von rund 72 Euro erhalten.

„Die Kinder wachsen heute unter ganz anderen Bedingungen auf als früher: Playstation statt Spielplatz, Computer statt Fußball und Fernsehen statt Vorlesen. Das wirkt sich natürlich auch auf die Beweglichkeit und das Sozialverhalten der Kinder aus“, weiß Kinderärztin Claudia Pries aus dem TK-Ärztezentrum. „Es gibt heute auffällig mehr Kinder, die Schwierigkeiten im Bewegungsablauf, mit Sprache und Koordination haben als früher. In vielen Fällen wird dann eine Therapie nötig.“ Ziel von Sprachtherapie und Ergotherapie ist, die Kommunikationsfähigkeit, Bewegung, Koordination und Aufmerksamkeit der Kinder zu schulen.

Besonders die Zahl der Sprachtherapien hat bei den jungen Patienten deutlich zugenommen: Über 922.000 Rezepte haben die niedergelassenen Ärzte im Jahr 2010 für Sprachtherapien in der entsprechenden Altersgruppe ausgestellt. 2009 waren es noch knapp über 800.000. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent. Es folgen Krankengymnastik (861.000 Rezepte) und Ergotherapie (794.000 Rezepte) mit jeweils drei Prozent Steigerung. „Besonders vor der Einschulung steigt die Nachfrage nach spezieller Förderung“, weiß Kinderärztin Pries. „Gerade Eltern mit höherem Bildungsniveau möchten ihren Nachwuchs in jeder Hinsicht unterstützen und fragen häufig nach zusätzlichen Behandlungsmethoden.“

Auch TK-Zahlen bestätigen den Trend zum ‚therapierten‘ Kind. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der TK gab fast die Hälfte der befragten Eltern an, dass ihr Nachwuchs schon einmal therapeutische Unterstützung bekommen hat. Mehr als jedes vierte Kind zwischen sechs und 18 Jahren erhielt Sprachtherapie. Fast jedes Fünfte bekam Ergotherapie und ebenso viele Kinder waren bei der Krankengymnastik. „Einige dieser, auch für Eltern und Kinder belastenden und zeitaufwändigen, Therapien könnten sicherlich vermieden werden“, so Pries. Sie empfiehlt den Eltern für einen geregelten Tagesablauf mit viel Bewegung,  gemeinsamen Mahlzeiten und festen Ritualen zu sorgen. „Jede Art von Bewegung in freier Natur ist gut: eine Radtour, ein Ausflug in den Tierpark oder ins Schwimmbad, abends vielleicht noch eine Gute-Nacht-Geschichte. Damit ist ein guter Grundstein für eine gesunde kindliche Entwicklung gelegt.“

Die Statistiken sind im Internet unter http://www.gkv-his.de/ zu finden

Techniker Krankenkasse
http://www.tk-online.de/




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