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27.3.2012   |   Allgemein

Ethiktest: Lederschuhherstellung – Sklavenarbeit und Tierquälerei an der Tagesordnung


Wer ein Paar Lederschuhe kauft, muss damit rechnen, dass sie unter skandalösen Bedingungen produziert wurden

Symbolbild – In den Vorstufen der Schuherzeugung herrschen unbeschreibliche Zustände

Sklavenähnliche Arbeitsbeziehungen in Brasilien, grausame Misshandlung von Rindern in Indien: In den Vorstufen der Schuherzeugung herrschen unbeschreibliche Zustände.

Keiner der 16 getesteten Markenschuhhersteller kann – mangels Kontrolle – nachweisen, dass seine Produkte frei von Sklaverei und Tierquälerei sind. Dies ist das Ergebnis eines Ethiktests, der von europäischen Verbraucherorganisationen, darunter der Verein für Konsumenteninformation (VKI), durchgeführt wurde. International tätige Unternehmen wie Birkenstock, Clarks, Gabor, Geox, Scholl und Timberland wurden auf ihre gesellschaftliche Verantwortung hin geprüft – der Schwerpunkt lag in der Lederbeschaffung. Dabei konnten die befragten Markenkonzerne meist selbst nicht angeben, woher das Leder für ihre Schuhe stammt. Doch auch nur wenige Hersteller treffen im eigenen Einflussbereich geeignete Vorkehrungen, um faire Verhältnisse zu schaffen. In nennenswertem Ausmaß tun dies nur Timberland, Ecco und Clarks. Mehr als die Hälfte der Markenfirmen hat die Teilnahme an der Untersuchung verweigert.

Nur sechs Unternehmen haben spezifische Bestimmungen gegen Kinderarbeit in ihrem Verhaltenskodex vorgesehen, kein einziges geht explizit auf das Problem Zwangsarbeit oder Sklaverei ein. Für den Bereich der Schuhproduktion können noch die meisten Unternehmen zumindest teilweise auf glaubwürdige Maßnahmen verweisen. So haben nahezu alle Unter-nehmen Anforderungen zum Einsatz von Chemikalien definiert. Bestimmte Substanzen dürfen nur eingeschränkt Verwendung finden.

Große Missstände bei Ledererzeugung

Schlecht sieht es hingegen in den vorgelagerten Produktionsstufen aus, für die die wenigsten Markenhersteller die Verantwortung übernehmen wollen. Das Gerben von Leder zählt zu den schmutzigsten Industriezweigen der Welt. Zu 80 bis 85 Prozent wird noch immer mit Chrom gegerbt, obwohl es weniger umweltschädliche Methoden gäbe. Am schlimmsten stellt sich die Situation in Indien, Bangladesch und Nepal dar. 40 Prozent der Gerbereiarbeiter haben Hautkrankheiten, Asthma oder andere durch Chemikalien bedingte Leiden. In der Umgebung von indischen Gerbereien wurden sowohl im Grundwasser als auch im Boden starke Konzentrationen von Chrom (auch des hochgiftigen Chrom(VI) – es verursacht Krebs und schädigt das Erbgut) nachgewiesen.

Vereinzelt werden von den Unternehmen konkrete Schritte zur Verbesserung in der Ledererzeugung gesetzt. Hier stehen allerdings vorwiegend Maßnahmen zur Rettung der Regenwälder im Vordergrund. Bezüglich Tierschutz kann kein Unternehmen auf besonderes Engagement verweisen. Der britische Hersteller Clarks verzichtet zumindest großteils auf Rinderhäute aus Indien – aufgrund der dort branchenüblichen Tierquälerei.

Nicht von Werbesprüchen blenden lassen

„Lassen Sie sich nicht von einfachen Werbesprüchen wie, ,wir verwenden nur Leder als Nebenprodukt der Fleischindustrie‘ blenden. Mit Ausnahme von Krokodilleder trifft das auf jedes Leder zu“, erläutert KONSUMENT-Ethikexperte Peter Blazek. „Woher das Leder kommt, kann man keinem Schuh ansehen. Es gibt aber mittlerweile mehrere kleine Anbieter, die sich zumindest in Teilbereichen zu Fairness und Nachhaltigkeit verpflichten.“ Auf Chromgerbung verzichten z.B. etwa das deutsche Unternehmen Hess Natur Textilien oder die Marke Veja.

Details zum Test gibt es unter Ethik-Test: Lederschuhhersteller 4/2012 und ab dem 29.3. im April-KONSUMENT auf www.konsument.at

mzt




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