Bei einer Marktrecherche wurden PMT-Stoffe in verschiedenen Körperpflegeprodukten wie Shampoo, Duschgel und Mundspülung festgestellt. PMT steht für „persistent, mobile and toxic“ – also Stoffe, die besonders langlebig, mobil und giftig sein können.
Das Umweltbundesamt und andere Behörden betrachten diese Stoffgruppe mit Sorge, weil sich PMT-Stoffe aufgrund ihrer hohen Wasserlöslichkeit in der Umwelt verbreiten und insbesondere Gewässer und Trinkwasserressourcen belasten können.
PMT-Stoffe bei Marktrecherche in Shampoo, Duschgel, Mundspülung und Co. entdeckt
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in zwölf Produkten bekannter Kosmetikmarken (Adidas, Balea Men, Dontodent, Fa, Garnier, Guhl, ISANA, Odol med3, Palmolive und Pantene Pro-V) wassergefährdende Stoffe identifiziert. Im Rahmen eines Marktspaziergangs mit der ToxFox-App wiesen alle gecheckten Produkte sogenannte PMT- und vPvM-Stoffe aus. Diese wassergefährdenden Stoffe sind extrem langlebig und mobil. Kläranlagen können die Stoffe deshalb nur schwer herausfiltern und sie gelangen über das Abwasser in unser Trinkwasser. Etwa sechs Prozent der Kosmetikprodukte auf dem europäischen Markt enthalten PMT- und vPvM-Stoffe. Der BUND fordert eine Beschränkung von PMT- und vPvM-Stoffe in Kosmetik und eine verpflichtende Prüfung von Umweltaspekten bei der Zulassung von Kosmetikprodukten.
Luise Körner, Teamleiterin Chemie: „Unsere Gewässer sind ökologisch und chemisch in keinem guten Zustand. Und auch unser Grundwasser ist in vielen Regionen durch übermäßige Entnahmen akut gefährdet. Die Dürren und niedrigen Pegelstände unserer Flüsse verschärfen die Belastung mit Schadstoffen. Vor allem dann, wenn Schadstoffe trotz Niedrigwasser in gleichbleibenden Konzentrationen eingeleitet werden. Dass viele der gescannten Kosmetikprodukte wassergefährdende Stoffe enthalten, ist für unsere Umwelt kein gutes Zeichen. Die Kosmetikindustrie ist hier in der Verantwortung und sollte an den Kosten der Verbesserung von Kläranlagen, der Wasseraufbereitung und Sanierung beteiligt werden.“
Die wassergefährdenden Inhaltsstoffe, die der BUND in Shampoos, Duschgelen, Mundspülungen und Haarfarbe identifiziert hat, haben gemeinsam, dass sie laut Umweltbundesamt persistent und mobil sind. Die gesundheitlichen Auswirkungen unterscheiden sich. Der als UV-Filter verwendete Stoff Benzophenone-4 steht etwa im Verdacht das Hormonsystem zu beeinflussen. Er ist in einem Shampoo von ISANA und einem Duschgel von Palmolive enthalten. Der Duftstoff Hexamelthylindanopyran ist hingegen sehr giftig für Wasserorganismen und in einem Adidas-Duschgel und einem Haarserum von Pantene Pro-V enthalten.
Was tun? Verbraucher*innen können sich schon jetzt über Schadstoffe wie PMT- und vPvM Inhaltsstoffe in Kosmetik informieren. Dies geht ganz einfach mit der ToxFox-App des BUND. Einfach den Barcode scannen und Schadstoffe erkennen. Über den ToxFox kann man auch gezielt die Herstellenden mit Kritik konfrontieren. Auch der Griff zu zertifizierter Naturkosmetik schützt Umwelt und Gewässer: Diese setzt auf pflanzliche Inhaltsstoffe, die in der Regel gut abbaubar sind.
Hintergrund:
Der BUND hat im Mai 2026 stichprobenartig die Inhaltsstofflisten von Kosmetika in mehreren Drogerieketten mit dem ToxFox untersucht. Grundlage der Auswertung waren die vom Umweltbundesamt identifizierten PMT- und vPvM-Stoffe. Insgesamt enthalten etwa 6,4 Prozent der Kosmetikprodukte auf dem europäischen Markt PMT- oder vPvM-Stoffe. Doch die Identifizierung dieser Stoffe bleibt schwierig, da entsprechende Daten bisher noch nicht unter der EU-Chemikaliengesetzgebung REACH bereitgestellt werden müssen. Ein REACH-Update sollte diese Datenlücke beheben, doch dieses wurde immer wieder verschobenen und nun von der EU-Kommission gestoppt.
Bisher spielt die Betrachtung von Umweltauswirkungen in der Zulassung von Kosmetikprodukten keine Rolle. Gleichzeitig sieht die neue Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) vor, dass sich die Kosmetikindustrie, neben der Pharmaindustrie, an der Verbesserung der Kläranlagen zur Entfernung von Schadstoffen EU-weit finanziell beteiligt. Die Beiträge sollen sich an den von ihnen in Verkehr gebrachten Stoffen orientieren und Anreize schaffen, besonders problematische Chemikalien durch umweltverträglichere Alternativen zu ersetzen. Doch sowohl die Industrie, als auch der Mitgliedstaat Polen probieren, dieses bereits verabschiedete Gesetz, wieder zu kippen und damit die erweiterte Herstellerverantwortung zu stoppen. Dies würde dazu führen, dass die Kosten zur Verhinderung der Verschmutzung unserer Gewässer zu Lasten der Kommunen und Gemeinden gehen. Bereits im April 2024 fand der BUND persistente (PMT) Chemikalien im Großteil der damals getesteten Mineral- und Leitungswasser.
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