Die Gaspreise bleiben ein wichtiges Thema für Verbraucherinnen und Verbraucher. Steigende Beschaffungskosten auf den Energiemärkten und höhere Netzentgelte können dazu führen, dass Gas für Haushalte teurer wird. Auch geopolitische Konflikte beeinflussen die Preisentwicklung. Ob und wann sich höhere Großhandelspreise auf die eigene Gasrechnung* auswirken, hängt unter anderem vom Vertrag, der Preisgarantie und der Beschaffungsstrategie des Versorgers ab. Die Gasversorgung in Deutschland gilt nach Einschätzung der Bundesnetzagentur weiterhin als gesichert.
Was Verbraucher tun können: Es lohnt sich, den eigenen Gastarif zu überprüfen, Preise verschiedener Anbieter zu vergleichen und den Gasverbrauch möglichst niedrig zu halten. Vor einem Wechsel sollten Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und Preisgarantie geprüft werden. Eine Auswertung des Energiedienstleisters Ene‘t für den unabhängigen Geldratgeber Finanztip erwartet regionale Preissteigerungen beim Gas.
Energiepreise 2027: Gas wird regional um 145 Euro teurer
Finanztip-Preview: Strom-Netzentgelte regional stark unterschiedlich, bundesweit im Schnitt stabil – Gas rund zwölf Euro teurer
Für Strom- und Gaskunden kann der Wohnort 2027 entscheidend sein: Im Netzgebiet der Stadtwerke Wesel in Nordrhein-Westfalen steigen die vorläufigen Gas-Netzentgelte für einen Musterhaushalt um rund 145 Euro brutto im Jahr. Im Netzgebiet Wörth/Altheim in Bayern steigen die Strom-Netzentgelte um rund 94 Euro. In anderen Netzgebieten sinken die Kosten dagegen deutlich: beim Gas in Mühlhausen in Thüringen um rund 78 Euro, beim Strom in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern um rund 69 Euro jährlich.
Eine Auswertung des Energiedienstleisters Ene‘t für den unabhängigen Geldratgeber Finanztip zeigt: Während die Strom-Netzentgelte bundesweit im Schnitt nahezu unverändert bleiben und die Gas-Netzentgelte um rund zwölf Euro steigen, sind die regionalen Unterschiede deutlich größer. Wer ohnehin einen neuen Vertrag sucht, sollte bei steigenden Netzentgelten frühzeitig vergleichen; bei sinkenden Entgelten kann Abwarten lohnen.
„Die großen regionalen Unterschiede zeigen: Der Bundesdurchschnitt hilft dem einzelnen Haushalt nur begrenzt weiter. Entscheidend ist das Netzgebiet vor Ort“, sagt Benjamin Weigl, Energieexperte bei Finanztip. „Werden die Kosten des örtlichen Netzes deutlich höher, verteuert das die neu abschließbaren Strom- oder Gastarife. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher bei einer Preiserhöhung ihres Energieanbieters genau hinschauen und Preise vergleichen.“
Strom: Im Netzgebiet Wörth/Altheim rund 94 Euro mehr
Beim Strom zeigen sich besonders große regionale Unterschiede. In Bremen steigen die Netzentgelte für den Musterhaushalt im Schnitt um 7,4 Prozent, im Saarland um 6,9 Prozent und in Bayern um 5,4 Prozent. In Sachsen sinken sie dagegen um 6,1 Prozent.
Noch stärker fallen einzelne Netzgebiete aus: Bei der Überlandzentrale Wörth/I. – Altheim Netz AG in Bayern steigen die Strom-Netzentgelte um 31,9 Prozent. Das entspricht für den Musterhaushalt rechnerisch rund 94 Euro brutto mehr im Jahr. Im Netzgebiet der Stadtwerke Parchim in Mecklenburg-Vorpommern sinken sie dagegen um 20,4 Prozent – rund 69 Euro brutto weniger im Jahr.
Gas: Bis zu 145 Euro mehr – oder 78 Euro weniger
Beim Gas steigen die Netzentgelte bundesweit leicht. In Bremen liegt das Plus in der Auswertung bei 4,0 Prozent, in Thüringen sinken die Kosten dagegen um 4,1 Prozent.
Besonders deutlich ist der Unterschied auf Ebene einzelner Netzbetreiber: Im Gebiet der Stadtwerke Wesel in Nordrhein-Westfalen steigen die Gas-Netzentgelte um 32,5 Prozent. Für den Musterhaushalt sind das rechnerisch rund 145 Euro brutto mehr im Jahr. Im Netzgebiet der Stadtwerke Mühlhausen in Thüringen sinken sie dagegen um 15,9 Prozent – rund 78 Euro brutto weniger.
„Beim Gas kommt ein langfristiges Problem hinzu: Immer mehr Haushalte steigen auf andere Heizsysteme um, während die Kosten für das Gasnetz zunächst weiterlaufen“, so Weigl. „Diese Kosten verteilen sich auf weniger Kundinnen und Kunden. Für Haushalte mit Gasheizung ist das ein weiterer Grund, die eigene Heizungsplanung rechtzeitig anzugehen.“
Vorläufige Netzentgelte im eigenen Netzgebiet prüfen
Wer ohnehin gerade den Strom- oder Gasanbieter wechseln will, kann die vorläufigen Netzentgelte beim örtlichen Netzbetreiber online prüfen und mit den Werten für 2026 vergleichen. Zeichnet sich ein deutlicher Anstieg ab, kann sich ein frühzeitiger Vertragsabschluss lohnen. Bei sinkenden Entgelten kann es sinnvoll sein, mit einem Wechselauftrag ein paar Wochen abzuwarten, bis Anbieter die niedrigeren Kosten in ihre Neukundentarife eingerechnet haben. Besonders lohnt sich der Check bei hohem Strom- oder Gasverbrauch. „Die Netzentgelte allein bestimmen nicht den Tarifpreis. Sie geben aber einen wichtigen Hinweis darauf, in welche Richtung sich die Preise vor Ort entwickeln könnten“, sagt Weigl.
Methode
Ene‘t hat die vorläufigen Netzentgelte für 2027 für Finanztip ausgewertet. Grundlage der Auswertung sind Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3.000 Kilowattstunden Strom – das entspricht ungefähr einem Drei-Personen-Haushalt. Beim Gas rechnet Finanztip mit 15.000 Kilowattstunden im Jahr. Dieser Verbrauch ist typisch für eine rund 100 Quadratmeter große, durchschnittlich gedämmte Wohnung oder für ein eher sparsames Einfamilienhaus. Die Werte sind nach Netzgröße gewichtet. Die derzeitige Auswertung deckt 86,37 Prozent der Gebietsabdeckung bei Strom und 77,04 Prozent bei Gas ab. Berücksichtigt wurden nur Netzbetreiber, die bis zum 15. Oktober bereits vorläufige Entgelte für 2027 veröffentlicht hatten. Die Eurobeträge für die einzelnen Netzgebiete sind Finanztip-Berechnungen inklusive Mehrwertsteuer auf Grundlage der Ene‘t-Daten.
Weitere Informationen
Quelle: Finanztip Verbraucherinformation GmbH



















