Merinowolle ist eine besonders hochwertige Form der Schurwolle, die vom Merinoschaf gewonnen wird. Sie zählt zu den beliebtesten Naturfasern für Outdoor-, Sport- und Alltagskleidung. Die Fasern sind extrem fein und biegen sich bei Hautkontakt leicht durch. Dadurch fühlt sich Merinowolle weich und angenehm an. Merinowolle ist Temperaturregulierend, bedeutet sie wärmt bei Kälte und kühlt bei Wärme, da sie Feuchtigkeit speichert und langsam verdunsten lässt. Durch das enthaltene Wollfett (Lanolin) und die Faserstruktur haben Bakterien kaum Nährboden. Kleidungsstücke stinken selbst nach mehrmaligem Tragen nicht und müssen oft nur gelüftet werden. Meist reicht Auslüften an frischer Luft. Bei Bedarf im Wollwaschgang mit Wollwaschmittel waschen (kein Weichspüler!).
Die Stiftung Warentest hat nun nachgehakt, wie es um Tierwohl, Arbeitsbedingungen und Umweltschutz steht.
Von der Wolle zum Shirt: Wie nachhaltig handeln Anbieter?
Merino-Funktionsshirts sollen einiges können: je nach Bedarf wärmen oder kühlen sowie unangenehmen Gerüchen trotzen – selbst, wenn sie tagelang getragen werden. Doch halten die Shirts, was ihre Hersteller versprechen? Und wie tiergerecht werden eigentlich die Schafe gehalten, deren Wolle darin steckt? Die Stiftung Warentest hat zwölf Shirts im Labor geprüft und bei Anbietern nachgehakt, wie es um Tierwohl, Arbeitsbedingungen und Umweltschutz steht.
Härtetest mit dem Duft von Käsefüßen
Zwölf leichte Merino-Funktionsshirts, die als erste Kleidungsschicht direkt auf der Haut getragen werden, mussten sich im Prüflabor beweisen. Sechs dieser sogenannten Base Layer sind aus reiner Merinowolle gefertigt, die übrigen sechs aus Mischgewebe mit einem Anteil von 44 bis 70 Prozent Merinowolle. Die Preise reichen von knapp 28 bis 130 Euro.
Für den Geruchstest präparierten die Testerinnen und Tester Textilproben der Shirts unter anderem mit Isovaleriansäure – einer intensiv riechenden Substanz, in etwa wie alter Schweiß oder Käsefüße. Mit geschulter Nase beurteilten die Experten, wie stark die präparierten Proben nach einer und nach drei Stunden noch rochen. „Ein gutes Funktionsshirt sollte aber nicht nur Gerüche reduzieren, sondern auch temperaturregulierend und gut zu tragen sein“, erklärt Cecilia Meusel, Expertin bei der Stiftung Warentest. Außerdem prüfte das Labor, wie flott die Shirts trocknen und wie robust sie sind.
Die Schmerzen der Lämmer und das Schweigen einiger Anbieter
Außerdem wollte die Stiftung Warentest wissen: Wie verantwortungsvoll gehen die Anbieter der edlen Naturfaser mit den Themen Tierwohl, Arbeitsbedingungen und Umweltschutz um? Im Mittelpunkt stand dabei das sogenannte Mulesing – eine in Australien noch erlaubte Praxis, bei der Lämmern Hautstücke aus dem Gesäßbereich herausgeschnitten werden, um sie vor gefährlichem Fliegenbefall zu schützen. In anderen wollproduzierenden Ländern wie Neuseeland, Südafrika und Argentinien ist Mulesing verboten oder nicht nötig, da es die Fliegenart dort nicht gibt. Eine Alternative ist beispielsweise die Zucht von Schafen, die weniger anfällig für den Fliegenbefall sind.
Die Stiftung Warentest befragte elf Anbieter mittels Fragebögen und verlangte Aussagen und Belege zu ihren Vorgaben für soziale Arbeitsbedingungen und die Einhaltung des Umweltschutzes in ihrer Lieferkette. Außerdem sollten die Unternehmen nachweisen, wie sie tierschutzgerechte Bedingungen bei der Haltung der Schafe sicherstellen. Dafür recherchierte das Team auch vor Ort in Australien und besichtigte unter anderem Schaffarmen.
Anhand zahlreicher Dokumente und Kontrollberichte konnten die Aussagen überprüft werden. Dennoch blieben einige Lücken. Vier Unternehmen konnten ein glaubhaftes Engagement für Tierwohl nachweisen, andere punkteten eher bei fairen Löhnen und Umweltschutz. Besonders enttäuschend waren vier Anbieter, die in allen Bereichen Transparenz vermissen ließen – sie schwiegen komplett oder lehnten die Teilnahme ab. „Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, aber unsere Fragen zur Lieferkette unbeantwortet lässt, zeigt auch keine Verantwortung. Das beurteilen wir mit mangelhaft“, sagt Claudia Till, Expertin bei der Stiftung Warentest.
ANZEIGE – Welche Shirts im Labor überzeugten und welche Anbieter auch beim Tierwohl punkteten – das zeigt die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Stiftung Warentest. Alle Ergebnisse gibt es unter www.test.de/merinoshirts und www.test.de/merinowolle.
Quelle: Stiftung Warentest

















