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Fake Internetseiten: Wenn Gesundheitsprodukte über seriöse Optik verkauft werden

Immer häufiger tauchen im Internet sogenannte Fake-Klinikwebseiten auf, die auf den ersten Blick wie offizielle medizinische Einrichtungen oder Gesundheitsportale wirken. Tatsächlich handelt es sich jedoch oft um professionell gestaltete Werbeseiten, über die Nahrungsergänzungsmittel, Abnehmprodukte oder andere Gesundheitsartikel verkauft werden.

Im Mittelpunkt stehen fast immer sogenannte „Wundermittel“ für verschiedene Beschwerden. Hier sollten Verbraucher:innen ganz genau hinsehen und nicht auf falsche Versprechungen hereinfallen.

Wenn Gesundheitsprodukte über seriöse Optik verkauft werden

Warnzeichen für Verbraucher:innen

1. Unrealistische Heilversprechen

Die Health-Claims-Verordnung (EU) 1924/2006 verbietet ausdrücklich werbliche Aussagen zu Krankheitsvorbeugung, -linderung oder -heilung bei Nahrungsergänzungsmitteln. Nur zugelassene Claims (sehr wenige) sind erlaubt. „Ärzte hassen diesen Trick“, „Revolutionärer Durchbruch“, „Sofortwirkung“ etc. sind klassische Betrugsindikatoren.

2. Gefälschte Promi- oder Arzt-Werbung
Häufig werden bekannte Gesichter (wie Dr. Eckart von Hirschhausen oder TV-Moderatoren) ungefragt mittels KI-Deepfakes oder gefälschten Zeitungsartikeln als Lockvögel missbraucht. Wichtig: Echte Ärztinnen und Ärzte dürfen in Deutschland überhaupt keine werbenden Empfehlungen für konkrete Produkte abgeben.

3. Fehlendes oder unvollständiges Impressum
Seriöse Anbieter in Deutschland müssen ein klares Impressum mit einer ladungsfähigen Adresse, Telefonnummer und Handelsregisternummer haben. Fehlt das Impressum komplett oder sitzt die Firma angeblich in Übersee, ist rechtliche Hilfe bei Problemen fast unmöglich.

4. Aggressiver Kaufdruck
Verbraucher werden oft durch künstliche Verknappung unter Druck gesetzt („Nur noch heute 70% Rabatt“, „Nur noch 2 Packungen verfügbar“). Dies soll verhindern, dass man vor dem Kauf in Ruhe nachdenkt oder recherchiert.

5. Vorkasse als einzige Zahlungsart
Bietet der Shop im letzten Bestellschritt plötzlich nur noch die Zahlung per Vorkasse oder Kreditkarte an (obwohl vorher mit Kauf auf Rechnung geworben wurde), sollten sofort die Alarmanlagen angehen. Das Geld ist bei Betrug meist unwiderruflich weg.

Tipp für den Alltag: Wer sich unsicher ist, kann die Webadresse (URL) verdächtiger Shops jederzeit kostenlos im Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen überprüfen lassen.


Verbraucherzentrale NRW

Wenn Fake-Klinikwebseiten Gesundheitsprodukte verkaufen

Drei Fragen an Angela Clausen, Teamleiterin für Lebensmittel im Gesundheitsmarkt der Verbraucherzentrale NRW

Ehemalige Klinik-, Praxis- oder Apothekenwebseiten werden zunehmend genutzt, um Nahrungsergänzungsmittel oder dubiose Gesundheitsprodukte zu verkaufen. Für Verbraucher:innen sind die Shops oft schwer zu durchschauen. Warum diese Masche gefährlich ist und worauf man beim Online-Kauf achten sollte, erklärt Teamleiterin Angela Clausen, Expertin für Nahrungsergänzungsmittel.

Warum wirken solche Online-Shops so glaubwürdig?

Wer im Internet nach Nahrungsergänzungsmitteln sucht, landet mitunter auf Webseiten, die auf den ersten Blick wie seriöse Kliniken oder Arztpraxen wirken. So führt etwa die Webpräsenz der ehemaligen Lungenklinik Ballenstedt oder des ehemaligen Katholischen Klinikums Duisburg zu einem Onlineshop mit Hunderten fragwürdigen Gesundheitsprodukten. Tatsächlich stecken hinter vielen dieser Seiten internationale Händler, die ihre Produkte verkaufen wollen. Die Betreiber nutzen gezielt bekannte Namen ehemaliger Kliniken, Arztpraxen oder Apotheken, um Vertrauen zu schaffen. Verbraucher:innen erkennen nicht, dass die Einrichtungen längst nicht mehr existieren. Stattdessen stoßen sie auf professionell gestaltete Seiten mit altem Impressum, Stellenanzeigen oder Klinikfotos. Dadurch entsteht der Eindruck einer seriösen medizinischen Webseite. Besonders problematisch ist das bei Gesundheitsprodukten oder Nahrungsergänzungsmitteln, weil Nutzer:innen hier auf Sicherheit und medizinische Kompetenz vertrauen.

Was ist an den angebotenen Produkten problematisch?

Viele der dort angebotenen Nahrungsergänzungsmittel sind in Deutschland nicht ordnungsgemäß registriert. Die zuständigen Behörden kennen diese Produkte daher oft nicht und könnten sie auch nicht kontrollieren. Zudem wird mit falschen Gesundheitsversprechen oder frei erfundenen Werbegeschichten gearbeitet. Einige Produkte werben etwa mit angeblichen Erfolgen in Fernsehsendungen oder mit prominenten Unterstützern, obwohl das nachweislich nicht stimmt. Besonders kritisch wird es, wenn Menschen gesundheitliche Beschwerden haben und auf schnelle Hilfe hoffen.

Woran erkennt man eine seriöse Online-Apotheke?

Wer Medikamente oder Gesundheitsprodukte online bestellt, sollte immer prüfen, ob es sich um eine offiziell zugelassene Versandapotheke handelt. Ein wichtiges Merkmal ist das EU-Sicherheitslogo, das auf legalen Webseiten vorhanden sein muss. Klickt man darauf, gelangt man zum Eintrag der Apotheke im Versandhandelsregister des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Fehlt dieses Logo oder führt der Link ins Leere, sollte man keinesfalls bestellen. Auch bei Praxis- oder Klinikseiten ist Vorsicht geboten, denn Ärzt:innen und Krankenhäuser dürfen grundsätzlich keine Produkte verkaufen. Taucht dort plötzlich ein Shop für Nahrungsergänzungsmittel auf, ist das ein deutliches Warnsignal. Verbraucher:innen sollten in solchen Fällen skeptisch bleiben und die Seiten möglichst der zuständigen Ärztekammer oder der Verbraucherzentrale melden.

Weitere Informationen:

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