Wer Wände neu streichen möchte, erwartet von einer hochwertigen Wandfarbe nicht nur eine gute Deckkraft, sondern auch möglichst unbedenkliche Inhaltsstoffe. Der aktuelle Test von ÖKO-TEST liefert überwiegend erfreuliche Ergebnisse: Von 19 getesteten weißen Dispersionsfarben erhalten die meisten Produkte die Bestnote. Ausgerechnet die teuerste Farbe im Test gehört jedoch zu den Schlusslichtern.
Die meisten Wandfarben überzeugen
Laut ÖKO-TEST hat sich der Markt in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Während bei früheren Untersuchungen zahlreiche Wandfarben noch problematische Konservierungsmittel enthielten, kommen heute die meisten Hersteller ohne diese Stoffe aus.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen:
- 19 weiße Dispersionsfarben wurden untersucht.
- 15 Produkte erhalten die Gesamtnote „sehr gut“.
- Nur zwei Wandfarben schneiden mit „ausreichend“ ab.
Für Verbraucher bedeutet das eine deutlich größere Auswahl an Farben mit unkritischen Inhaltsstoffen.
Ausgerechnet die teuerste Wandfarbe fällt durch
Besonders überraschend: Ausgerechnet die teuerste Farbe Plantodecor Nr. 524 des Naturfarbenherstellers Auro im Test überzeugt nicht. Trotz ihres vergleichsweise hohen Preises wurde sie ebenso wie die Einfach Schöner Farbwelten Profiweiss im Labor beanstandet. In beiden Produkten wurde das Konservierungsmittel Benzisothiazolinon (BIT) nachgewiesen.
Benzisothiazolinon (BIT) gehört zur Stoffgruppe der Isothiazolinone, die als Konservierungsmittel eingesetzt werden, um Farben vor dem Verderb durch Mikroorganismen zu schützen.
ÖKO-TEST bewertet diese Stoffe kritisch, da sie ein bekanntes allergieauslösendes Potenzial besitzen.
Auch das Umweltbundesamt (UBA) weist darauf hin, dass bereits sensibilisierte Menschen in seltenen Fällen allergische Reaktionen entwickeln können. Dies kann sogar allein durch den Aufenthalt in frisch gestrichenen Räumen geschehen.
Mögliche Beschwerden sind unter anderem:
- Hautreizungen,
- Juckreiz,
- Kontaktallergien,
- Reizungen der Atemwege bei empfindlichen Personen.
Deshalb erhielten beide Produkte im Test lediglich die Gesamtnote „ausreichend“.
Gute Nachrichten für Verbraucher
Die übrigen 17 getesteten Wandfarben enthielten laut ÖKO-TEST keine problematischen Konservierungsmittel.
Besonders erfreulich ist, dass 15 Produkte sogar die Bestnote „sehr gut“ erreichten. Das zeigt, dass Hersteller heute in vielen Fällen auf kritische Konservierungsstoffe verzichten können, ohne Einbußen bei Qualität oder Haltbarkeit in Kauf nehmen zu müssen.
Worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten
Beim Kauf einer Wandfarbe lohnt sich ein genauer Blick auf die Produktinformationen.
- möglichst konservierungsmittelfreie Produkte wählen,
- auf emissionsarme oder lösemittelfreie Farben achten,
- Testberichte unabhängiger Verbraucherorganisationen berücksichtigen,
- Räume nach dem Streichen gründlich lüften,
- bei bekannten Allergien auf entsprechende Hinweise achten.
Gerade Familien mit kleinen Kindern, Allergiker oder Menschen mit empfindlichen Atemwegen profitieren von möglichst schadstoffarmen Wandfarben.
Preis ist kein Qualitätsgarant
Der aktuelle Test macht deutlich, dass ein hoher Preis nicht automatisch für bessere Qualität oder unbedenklichere Inhaltsstoffe steht. Während zahlreiche preisgünstigere Produkte mit der Bestnote überzeugen, gehört ausgerechnet das teuerste Produkt zu den Verlierern des Tests.
Für Verbraucher lohnt sich daher ein Blick auf unabhängige Testergebnisse statt allein auf Markenname oder Preis.
Fazit
Der aktuelle ÖKO-TEST zeigt eine erfreuliche Entwicklung bei weißen Wandfarben. Die große Mehrheit der getesteten Produkte kommt ohne kritische Konservierungsmittel aus und erhält die Bestnote. Gleichzeitig macht der Test deutlich, dass auch hochpreisige Produkte nicht automatisch frei von problematischen Inhaltsstoffen sind. Wer Wert auf ein gesundes Raumklima legt, sollte deshalb nicht nur auf die Deckkraft, sondern auch auf die Inhaltsstoffe achten und unabhängige Testergebnisse in die Kaufentscheidung einbeziehen.
Weitere Informationen finden Sie in der Augustausgabe des ÖKO-TEST Magazins und online unter: oekotest.de/601513
















