Rauchen im Auto kann für alle Insassen gesundheitsschädlich sein – besonders gefährdet sind jedoch Kinder und Schwangere. In dem engen Fahrzeuginnenraum steigt die Konzentration gesundheitsschädlicher Stoffe aus dem Tabakrauch innerhalb kurzer Zeit stark an. Selbst bei geöffnetem Fenster oder eingeschalteter Lüftung verbleiben viele Schadstoffe im Fahrzeug.
Tabakkonsum gehört weiterhin zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Während der Gesetzgeber das Rauchen in öffentlichen geschlossenen Räumen bereits vor Jahren weitgehend eingeschränkt hat, gilt für private Räume, darunter zählen auch Fahrzeuge, bislang kein entsprechendes Verbot. Das gilt selbst dann, wenn Kinder, Jugendliche oder schwangere Frauen mit im Auto sitzen. Fachleute, Gesundheitsorganisationen und zahlreiche Bundesländer fordern deshalb seit Jahren strengere Regelungen für das Rauchen im Auto zum Schutz besonders gefährdeter Personengruppen.
Passivrauchen: unfreiwillige Belastung mit erheblichen Gesundheitsrisiken
In Zigarettenrauch sind zahlreiche gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. Insgesamt wurden im Tabakrauch mehr als 5.300 chemische Substanzen nachgewiesen, darunter zahlreiche giftige, reizende und krebserzeugende Verbindungen.
Passivrauchen ist keine bloße Geruchsbelästigung, sondern ein wissenschaftlich belegter Risikofaktor für eine Vielzahl von Erkrankungen. Bereits kurzfristige Belastungen können Beschwerden wie Atemwegsreizungen und Übelkeit hervorrufen. Langfristig steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Asthma sowie verschiedene Krebserkrankungen, insbesondere Lungenkrebs.
Kinder tragen ein besonders hohes Risiko
Für Kinder stellt Tabakrauch eine besondere Gefahr dar. Aufgrund ihrer höheren Atemfrequenz nehmen sie mehr Schadstoffe auf.
Regelmäßige Passivrauchbelastung im Kindesalter wird mit einem erhöhten Risiko für Infektionen der unteren Atemwege, Mittelohrentzündungen, Asthma, einer eingeschränkten Lungenfunktion und dem plötzlichen Kindstod in Verbindung gebracht. Auch das Risiko für ein geringes Geburtsgewicht bei Neugeborenen steigt, wenn Mütter während der Schwangerschaft Tabakrauch ausgesetzt sind. Darüber hinaus zeigen Studienergebnisse, dass Kinder rauchender Eltern später häufiger selbst zu Tabakprodukten greifen.
Besonders problematisch ist die Situation in Fahrzeugen. Selbst bei geöffneten Fenstern können sich Schadstoffe in hoher Konzentration im Fahrzeuginnenraum ansammeln. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass rund jedes zehnte Kind bzw. jeder zehnte Jugendliche regelmäßig oder sehr häufig Tabakrauch im Auto ausgesetzt ist. Hochgerechnet betrifft dies mehrere Hunderttausend Kinder und Jugendliche in Deutschland.
Rauchen im Auto: erlaubt trotz bekannter Gefahren
Obwohl die gesundheitlichen Risiken gut dokumentiert sind, existiert in Deutschland bislang kein generelles Verbot des Rauchens in Fahrzeugen bei Anwesenheit von Kindern, Jugendlichen oder Schwangeren. Der Grund liegt vor allem darin, dass ein privat genutztes Auto rechtlich als persönlicher Lebensbereich angesehen wird, in den staatliche Eingriffe nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich sind.
Dennoch wird seit Jahren über eine entsprechende Regelung diskutiert. Mehrere Bundesländer setzen sich für ein Rauchverbot in Fahrzeugen ein, sobald Minderjährige oder Schwangere mitfahren. Aktuell handelt es sich bereits um den dritten politischen Anlauf, eine solche Regelung bundesweit einzuführen.
Während Deutschland weiterhin auf freiwillige Rücksichtnahme setzt, haben zahlreiche europäische Staaten bereits gesetzliche Einschränkungen eingeführt. In Ländern wie Italien, Frankreich, Österreich oder Griechenland gelten bereits unterschiedliche Rauchverbote in Fahrzeugen.
E-Zigaretten und Vapes: nicht harmlos für Mitfahrende
Neben klassischen Tabakprodukten gewinnen elektronische Zigaretten und Vapes zunehmend an Bedeutung. Viele Nutzerinnen und Nutzer gehen davon aus, dass die entstehenden Aerosole für Umstehende weitgehend unproblematisch seien. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
„Auch bei E-Zigaretten und Vapes gibt es derzeit keine Entwarnung. Gesundheitliche Risiken für Menschen in der Umgebung können nach dem aktuellen Wissensstand nicht ausgeschlossen werden. Die ausgeatmeten Aerosole enthalten verschiedene chemische Substanzen, deren langfristige Auswirkungen noch nicht ausreichend erforscht sind“, erklärt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Aus diesem Grund soll ein mögliches Rauchverbot in Fahrzeugen ausdrücklich auch für E-Zigaretten und vergleichbare Produkte gelten.
Hinzu kommt ein verkehrsrechtlicher Aspekt: Moderne E-Zigaretten verfügen teilweise über Touchscreens oder elektronische Bedienelemente. Werden diese während der Fahrt genutzt, kann dies unter Umständen als Verstoß gegen das Verbot der Nutzung elektronischer Geräte am Steuer gewertet werden. Außerdem können große Dampfwolken die Sicht im Fahrzeug beeinträchtigen und dadurch die Verkehrssicherheit gefährden.
Rauchen bleibt eine der größten vermeidbaren Krankheitsursachen
Unabhängig von der Diskussion um das Rauchen im Auto verursacht Tabakkonsum weiterhin erhebliche gesundheitliche Schäden. Jährlich sterben in Deutschland rund 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Hier sind vorzeitige Todesfälle aufgrund von Passivrauchen noch nicht mitgezählt.
Die Anzahl der rauchenden Erwachsenen ist über die letzten Jahre in Deutschland rückläufig. Bei Jugendlichen zeichnet sich jedoch eine andere Entwicklung ab. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass der Anteil rauchender 12- bis 17-Jähriger über die vergangenen Jahre wieder leicht angestiegen ist.
Parallel dazu verbreiten sich neue nikotinhaltige Produkte. Dazu gehören Nikotinbeutel, Nikotinzahnstocher und weitere nikotinhaltige Erzeugnisse, die häufig als moderne oder weniger schädliche Alternativen vermarktet werden. Obwohl sie keinen Tabakrauch erzeugen, führen sie ebenfalls zur Aufnahme von Nikotin und können eine Abhängigkeit fördern.
„Gerade die Unauffälligkeit macht diese Produkte so problematisch. Nikotinbeutel sind klein, geruchlos und können nahezu unbemerkt verwendet werden. Auch Nikotinzahnstocher unterscheiden sich äußerlich kaum von herkömmlichen Zahnstochern. Hinzu kommt, dass viele dieser Produkte nicht legal in den Verkehr gebracht werden“, betont Prof. Dr. Berthold Koletzko.
Angesichts steigender Raucherzahlen unter Jugendlichen und der wachsenden Verbreitung neuer Nikotinprodukte wäre ein gesetzliches Rauchverbot im Auto ein wichtiges Signal und ein konkreter erster Schritt, um Kinder und Jugendliche zumindest dort vor Tabak- und Nikotinexposition zu schützen, wo sie keine Wahl haben.
Quelle: Stiftung Kindergesundheit

















