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16.9.2011   |   Haus & Garten

Chemie-Cocktail unterm Bett – Studie weist Chemikalienbelastung in Schlafzimmern nach


„Von den nachgewiesenen Chemikalien geht bei den gefundenen Konzentrationen einzeln genommen noch keine Gesundheitsgefahr aus. Das Ausmaß der Gesamtbelastung und die Vielzahl der Stoffe sind jedoch besorgniserregend“, sagte Patricia Cameron, Chemie-Expertin des BUND

Berlin: Schlafzimmer sind häufig mit einem Cocktail bedenklicher chemischer Schadstoffe belastet. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und weiterer europäischer Umweltverbände. Ein schwedisches und ein deutsches Labor hatten die aus zwölf Ländern eingesandten Staubproben aus Schlafzimmern analysiert. Die insgesamt 14 Proben aus Deutschland, Schweden, Belgien, Tschechien, Ungarn, Italien, Uganda, Südafrika, Tansania, Kenia, Malaysia und den Philippinen enthielten jeweils eine große Bandbreite hormonell wirksamer Schadstoffe. Diese Chemikalien werden mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter eingeschränkte Fortpflanzungsfähigkeit, Krebs und Verhaltensstörungen.

Auffällig war, dass die Konzentrationen der Weichmacher in Proben aus europäischen Ländern in der Regel höher waren als in den anderen Ländern. Die aus Deutschland untersuchte Staubprobe enthielt neben sieben verschiedenen Phthalat-Weichmachern drei bromierte Flammschutzmittel, drei Nonylphenole, Bisphenol A sowie die Schwermetalle Blei, Cadmium und Quecksilber. Die gefundenen Schadstoffe können aus vielen typischen Einrichtungsgegenständen wie Möbeln und Fußbodenbelägen freigesetzt werden.

„Von den nachgewiesenen Chemikalien geht bei den gefundenen Konzentrationen einzeln genommen noch keine Gesundheitsgefahr aus. Das Ausmaß der Gesamtbelastung und die Vielzahl der Stoffe sind jedoch besorgniserregend“, sagte Patricia Cameron, Chemie-Expertin des BUND. „Die Analysen zeigen deutlich, dass die Menschen auch während des Schlafes einer Vielzahl von Schadstoffen ausgesetzt sind“, so Cameron.

Der BUND forderte die Bundesregierung auf, den Vorschlag Dänemarks zu unterstützen und die Weichmacher DEHP, DBP, DIBP und BBP wegen ihrer hormonellen Wirkung europaweit zu verbieten. Außerdem müsse die Europäische Union dringend neue Methoden der Risikobewertung von Chemikalien entwickeln, um so genannte „Cocktail-Effekte“, also die gleichzeitige Belastung mit mehreren Stoffen, angemessen beurteilen zu können.

Verbrauchern empfiehlt der BUND, möglichst vollständig auf Produkte aus Weich-PVC zu verzichten, da diese immer hohe Konzentrationen an Weichmachern enthielten. Hersteller und Händler seien zudem gesetzlich verpflichtet, auf Anfrage Auskunft darüber zu geben, ob besonders gefährliche Stoffe in den von ihnen vertriebenen Produkten enthalten seien. Um solche Anfragen zu erleichtern, habe der BUND auf seiner Internetseite unter www.bund.net/gift-stoppen einen entsprechenden Musterbrief veröffentlicht.

Eine englische Fassung der Ergebnisse der Schlafzimmerstaub-Analysen finden Sie unter dem Titel „Home Sweet Home? – dusty surprises under the bed“ im Internet unter: www.chemsec.org

Die Studie wurde von den Umweltverbänden International Chemical Secretariat (ChemSec) und der Swedish Society for Nature Conservation (SSNC) koordiniert. Die Probe aus Deutschland schickte der BUND ein.

 

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
www.bund.net




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