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Zuckergetränkesteuer – Argumente der Zuckerindustrie im Faktencheck

Eine Zuckergetränkesteuer ist eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke wie Limonaden, Cola, Energydrinks und gesüßte Eistees. Ziel ist es, den Zuckerkonsum zu senken und damit Übergewicht, Diabetes Typ 2 und anderen ernährungsbedingten Erkrankungen vorzubeugen. Befürworter erhoffen sich, dass Hersteller den Zuckergehalt ihrer Getränke reduzieren und Verbraucher häufiger zu Wasser oder ungesüßten Getränken greifen. Kritiker sehen dagegen eine zusätzliche finanzielle Belastung und bezweifeln, dass eine Steuer allein das Ernährungsverhalten nachhaltig verändert. Betroffen wären beispielsweise Limonaden, gesüßte Eistees, Energydrinks und Fruchtsaftgetränke mit Zuckerzusatz. Reine Frucht- und Gemüsesäfte, ungesüßte Schorlen und Zero-Getränke sollen ausgenommen sein.

In Deutschland ist eine Zuckergetränkesteuer bereits auf den Weg gebracht: Das Bundeskabinett hat am 14. Oktober 2026 einen entsprechenden Vorschlag beschlossen. 

Zuckerhaltige Getränke neben Zuckerwürfeln und einer Tafel mit dem Schriftzug Zuckersteuer

Das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) klärt über die Mythen der Zuckerindustrie im Faktencheck auf – Bekenntnis der Politik zur Zuckergetränkesteuer gefordert

Das Bundeskabinett hat sich für die Zuckergetränkesteuer ausgesprochen, doch die Entscheidung des Bundestags steht noch aus. Gemäß aktuellen Medienberichten steht die Steuer auf der Kippe. Dabei betonen wissenschaftliche und medizinische Fachorganisationen seit vielen Jahren: Die Zuckergetränkesteuer kann helfen, Adipositas- und Diabeteserkrankungen zu vermeiden und den Anstieg von Gesundheitskosten zu dämpfen. Vor den entscheidenden Beratungen im Bundestag stellt die Zuckerindustrie mit irreführenden Argumenten die Wirksamkeit der Zuckergetränkesteuer in Frage. Eine heute veröffentlichte wissenschaftliche Stellungnahme nimmt die Argumente der Zuckerindustrie unter die Lupe und zeigt auf, wo sie in die Irre führen.

Zuckergetränkesteuer – Argumente der Zuckerindustrie im Faktencheck

Mythos: Für das Körpergewicht zählt allein die Kalorienbilanz, nicht der Zucker
Fakt: Zuckergetränke erhöhen die Kalorienaufnahme und damit das Körpergewicht.

Mythos: Die Zuckersteuer hilft nicht gegen Übergewicht und Adipositas.
Fakt: Umfangreiche Evidenz spricht für die Wirksamkeit von Zuckergetränkesteuern.

Mythos: Die Zuckersteuer kostet Arbeitsplätze.
Fakt: Unabhängige Studien liefern keine Hinweise auf Arbeitsplatzverluste. Von niedrigeren Gesundheitskosten profitiert auch die Wirtschaft.

Mythos: Die Zuckersteuer ist ein Bürokratiemonster.
Fakt: Der geschätzte Verwaltungsaufwand der Zuckergetränkesteuer bewegt sich in einer ähnlichen Größenordnung wie bei anderen Steuern.

Die Stellungnahme untersucht neun häufige Argumente der Lebensmittel- und Getränkeindustrie und stellt ihnen evidenzbasierte Fakten, Erfahrungen aus anderen Ländern sowie eine wissenschaftliche Einordnung gegenüber.

„Die Zucker- und Lebensmittellobby zündet eine Nebelkerze nach der anderen. Statt sich mit den wissenschaftlichen Fakten auseinanderzusetzen, wird abgelenkt, Evidenz ausgeblendet und mit schnell zu erzeugenden Ängsten gearbeitet. Wer die Argumente der Industrie genauer prüft, erkennt schnell: Vieles davon hält einem Faktencheck nicht stand. Die Politik sollte sich nicht täuschen lassen. Eine bessere Gesundheit und geringere Krankheitskosten nutzen allen, und auch der Wirtschaft“, kommentiert Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnis DANK und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die Argumentationsstrategie der Industrie.

Prof. Dr. med. Peter von Philipsborn, Hauptautor der Stellungnahme und Leiter des Lehrstuhls für Public Health Nutrition an der Universität Bayreuth, ergänzt: „Zuckergetränke erhöhen das Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die Prävention dieser Erkrankungen braucht es eine umfassende Strategie. Die Zuckergetränkesteuer ist kein Allheilmittel, aber ein zentraler Baustein im Einsatz gegen ernährungsbedingte Erkrankungen und ein wichtiger Schritt hin zu einer wirksamen Präventionspolitik.“

Die Zuckergetränkesteuer soll im November im Deutschen Bundestag erörtert werden. Im Vorfeld intensivierten sich die Debatten um die Wirksamkeit der Steuer und ihre intendierte Lenkungswirkung. „Eigenverantwortung braucht Rahmenbedingungen, die gesündere Entscheidungen erleichtern, unabhängig vom Bildungsstand oder vom Geldbeutel. Genau diese Rahmenbedingungen kann die Politik jetzt schaffen“, schließt Präventionsexpertin Bitzer.

Zur Vollversion der Stellungnahme:
Peter von Philipsborn, Anette Buyken, Karl Emmert-Fees, Hans Hauner, Berthold Koletzko, Eva Rehfuess, Diana Rubin, Falko F. Sniehotta: Argumente gegen die Zuckergetränkesteuer: eine Einordnung. Zenodo 2026. Online: https://doi.org/10.5281/zenodo.23955038

Über das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK):

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Wissenschaftsbündnis aus 25 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, das sich seit mehr als 15 Jahren für Maßnahmen der Verhältnisprävention zur Verhinderung von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten einsetzt. Das Bündnis fordert die Einführung einer Zuckersteuer, mehr Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung, täglich eine Stunde Sport und Bewegung in KiTa/Schule sowie die Einführung verbindlicher Qualitätsstandards für die KiTa- und Schulernährung nach den DGE-Empfehlungen.

Mehr über DANK: https://www.dank-allianz.de

Quelle: Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)

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