Die Weltgesundheitsorganisation stuft die zunehmende Antibiotikaresistenz als eine der zehn größten globalen Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit ein. Antibiotika sind unverzichtbar bei der Behandlung bakterieller Infektionen. Werden sie jedoch zu häufig oder unsachgemäß eingesetzt, können Bakterien Resistenzen entwickeln und die Medikamente ihre Wirksamkeit verlieren.
Die Folgen sind gravierend: Infektionen lassen sich schwerer behandeln, Krankenhausaufenthalte verlängern sich und das Risiko für schwere Krankheitsverläufe steigt. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke und Patienten mit geschwächtem Immunsystem.
Experten fordern deshalb einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika in der Human- und Tiermedizin sowie verstärkte Maßnahmen zur Entwicklung neuer Wirkstoffe und zur Prävention von Infektionen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Antibiotikaresistenz als eine der zehn größten globalen Bedrohungen ein.
(dgk) „Es sterben pro Jahr über 40.000 Menschen in Deutschland an Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern, bei fast 10.000 dieser Fälle ist die Resistenz der Erreger die Ursache. Damit sterben an solchen Infektionen deutlich mehr Menschen in Deutschland als an anderen Infektionskrankheiten“, so der Erstautor eines Beitrages, Dr. Tim Eckmanns, im Bundesgesundheitsblatt. Dies wartete im Mai mit einem ganzen Themenheft zu dieser Problematik auf. Eckmanns leitet das WHO-Kooperationszentrum für Antibiotikaresistenz, -verbrauch und nosokomiale Infektionen, das am Robert Koch-Institut angesiedelt ist.
Viele verschiedene Antibiotika stehen zur Verfügung, sie können zum Beispiel nach ihrer chemischen Struktur oder ihrem Wirkmechanismus gegenüber den verschiedensten Bakterien eingeteilt werden. Trotzdem wird unermüdlich weiter geforscht und nach neuen Substanzen gesucht, die das Wachstum von Bakterien hemmen können. Denn kaum ist ein neues Präparat entwickelt und auf dem Markt, zeigt es auch schon erste Resistenzerscheinungen. Will heißen: Es wirkt nicht mehr optimal oder irgendwann überhaupt nicht mehr. Dann muss im konkreten Fall auf sogenannte Reserveantibiotika zurückgegriffen werden. Diese kommen nur im Ausnahmefall und nur bei strenger Indikation zum Einsatz – aus oben genannten Gründen.
Bakterien sind genetisch sehr flexibel, da ihre eigenen Gene mutieren oder sie auch fremde Gene aus anderen Spezies aufnehmen können. Natürlicherweise haben also Bakterien die Möglichkeit, der „Chemiekeule“ auszuweichen: Bei keiner Antibiotikatherapie sterben 100 Prozent der Bakterien ab, ein kleiner Teil „überlebt“ immer. Meist ist das kein Problem, weil das Immunsystem des betroffenen Menschen sozusagen den Rest erledigt und noch lebende, vermehrungsfähige Keime abtötet. Im ungünstigen Fall aber flammt die Infektion erneut auf, und nun vermehren sich genau diese überlebenden und Antibiotika-unempfindlicheren Vertreter. Resistenzen werden zudem gefördert, weil übermäßig und unsachgemäß Antibiotika eingesetzt werden. Nicht nur in der Humanmedizin, sondern auch in der Tiermedizin und Tierhaltung. Über Abwässer, Klärschlämme und Wirtschaftsdünger gelangen Antibiotika und ihre Abbauprodukte in Böden und Wasser, wodurch ebenfalls Resistenzen gefördert werden. Viele Aspekte tragen also zur Problematik bei.
„Nur durch konsequente Umsetzung von Maßnahmen wie Antibiotic Stewardship (rationaler und verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika), Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle sowie Impfungen kann die deutliche Zunahme von Infektionen mit resistenten Erregern eingedämmt werden“, resümiert Eckmanns.
Quelle: DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e. V. – Internet: www.dgk.de
Quellen des Artikels:
Eckmanns, T et al. Entwicklung der Epidemiologie antibiotikaresistenter Erreger in der Humanmedizin und deren Bedeutung für das Gesundheitssystem. Bundesgesundheitsbl 69, 546–555 (2026). https://doi.org/10.1007/s00103-026-04234-6
Heisig A und Heisig P. Molekulare Mechanismen der Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenz. Bundesgesundheitsbl 69, 512–520 (2026). https://doi.org/10.1007/s00103-026-04231-9
Prüß MM und Guenther S. Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Umwelt durch verstärkten anthropogenen Eintrag von Antibiotikarückständen und resistenten Erregern. Bundesgesundheitsbl 69, 521–527 (2026). https://doi.org/10.1007/s00103-026-04223-9















