Kita & Co. – das zweite Zuhause für kleine Kinder

Stiftung Kindergesundheit informiert über die gesundheitlichen Vor- und Nachteile der außerfamiliären Betreuung

Die Kinderbetreuung in Deutschland macht gute Fortschritte, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Am 1. März 2018, dem Stichtag der amtlichen Statistik besuchten bundesweit 789 559 Kinder unter drei Jahren und 2 070 315 Kinder von 3 bis unter 6 Jahren Kindertageseinrichtungen oder wurden von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreut. Damit nahmen 33,6 Prozent aller Kinder im Alter von unter drei Jahren und 93,0 Prozent aller Kinder im Kindergartenalter ein Betreuungsangebot in Anspruch.

Kita & Co. - das zweite Zuhause für kleine Kinder

Alles bestens also? Noch nicht ganz, gibt die Stiftung Kindergesundheit zu bedenken: Trotz der beeindruckenden Zahlen finden immer noch viele Familien weder eine Kita noch eine Tagespflegestelle. Die Wartelisten sind lang, der Fehlbestand für unter dreijährige Kindern beträgt bundesweit 12,1 Prozent und wird sich in den nächsten Jahren durch die gestiegenen Geburtenzahlen und die Zuwanderung noch vergrößern. Und auch Eltern, die einen Betreuungsplatz ergattert haben, wünschen sich oft längere Kita-Öffnungszeiten.

Idealer Rahmen, um Gesundheit zu lernen

„Tagespflegestätten sind nach und neben der Familie wichtige Institutionen für die Entstehung von Werten, Normen und Einstellungen bei den von ihnen betreuten Kindern“, betont Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „In den ersten drei Lebensjahren entwickelt sich das Vertrauen des Kindes in andere Menschen und es entstehen die Selbstkontrolle und die emotionalen Grundlagen für das Lernen. Krippen und Kitas bieten außerdem den idealen Rahmen für das Einüben eines gesunden Lebensstils. In diesem Alter sind die Chancen besonders groß, das Bewegungs- und Ernährungsverhalten erfolgreich zu beeinflussen. Alles, was die Kinder in diesen Jahren über Gesundheit, Ernährung und Hygiene verinnerlichen, wird auch ihre Persönlichkeit als Erwachsene prägen“.

Wie steht es aber mit der gesundheitlichen Belastung der Kinder in Krippen und Kitas? Müssen ihre Eltern im Hinblick auf Erkältungen und Durchfälle, Kinderkrankheiten und Allergien mit größeren Risiken rechnen als Eltern mit einem „Hauskind“? Professor Koletzko erläutert die vorliegenden Erkenntnisse: „Wenn kleine Kinder zusammenkommen, können sie sich gegenseitig mit Krankheiten anstecken. Besonders häufig kommt es zu Mittelohrentzündungen, akuten Mandelentzündungen und zu Entzündungen der Atemwege. Krippenkinder sind anfänglich etwa doppelt so häufig und auch doppelt so lang krank als Hauskinder. Diese Infekte sind zwar meist unangenehm und belastend, oft aber auch wichtig und notwendig, weil sie das Immunsystem trainieren“.

Die Differenzen schwächen sich bis zum sechsten Lebensjahr immer mehr ab. Bei den Sechsjährigen werden zwischen Familienkindern und Kindergartenkindern nur noch geringfügige Unterschiede in Bezug auf Infektionen, Atemwegserkrankungen oder Störungen des Verdauungssystems festgestellt.

Die groß angelegte „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS-Studie) kam ebenfalls zum Ergebnis: Mit dem Besuch von Krippen und Kitas sind keine gravierenden, anhaltenden gesundheitlichen Risiken zu befürchten. Die aktuell erhobenen Daten zeigen, dass Krippenkinder im Vergleich mit Hauskindern keinesfalls dauerhaft gesundheitlich benachteiligt sind, resümiert die Stiftung Kindergesundheit.

Kinder brauchen Kinder!

Kinder brauchen Kinder!

Schon kleine Kinder profitieren von der Betreuung in der Gruppe: Kinder, die eine Krippe besuchen, schaffen es später im Durchschnitt häufiger auf ein Gymnasium. Vor allem bei Kindern, die aus sozial benachteiligten Familien stammen, erhöht der Krippenbesuch die Bildungschancen deutlich.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Heute wächst jedes fünfte Kind in Deutschland als Einzelkind auf. „Kinder brauchen aber andere Kinder für die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen, am besten von Anfang an“, sagt Professor Berthold Koletzko. „Der Umgang mit gleichaltrigen, jüngeren oder älteren, stärkeren oder schwächeren Kindern verstärkt ihre Chancen, ihre soziale Rolle in der Gemeinschaft zu finden“. Kinder lernen auch voneinander: Die frühen Kontakte mit anderen Kindern bringen ihnen viele wichtige Erfahrungen.

Impfungen schützen auch die anderen Kinder

Besonders wichtig sei der vollständige Impfschutz der Kinder bei der Aufnahme in die Kinderkrippe oder Kindestagestätte, hebt Professor Koletzko hervor. „Überall dort, wo viele Menschen zusammenkommen und erst recht in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krippen und Kitas können sich Infektionskrankheiten besonders schnell ausbreiten. Der intensive Kontakt von Kindern und Betreuungspersonen untereinander bietet Erregern eine gute Möglichkeit, sich über Tröpfchen- oder Schmierinfektionen auszubreiten“.

Die meisten Erkrankungen heilen schnell wieder aus. Einige aber können schwerwiegende Folgen oder sogar lebensgefährliche Beeinträchtigungen verursachen. Schutz vor einer Vielzahl schwerer Infektionskrankheiten bieten Impfungen. Deshalb sollte das Kind bereits bei der Aufnahme in die Kita über möglichst alle der bis dahin empfohlenen Impfungen verfügen. Fehlende Impfungen können jederzeit vom Kinder- oder Hausarzt nachgeholt werden.

Der wichtigste Grund für eine Impfung ist das Ziel, vor der entsprechenden Krankheit geschützt zu sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist jedoch auch, durch eine Impfung nicht zur Ansteckungsquelle für andere Kinder und Erwachsene in der Umgebung zu werden. Dieser Schutz ist besonders wichtig für Babys, die noch nicht geimpft werden konnten und für Schwangere, die sich selbst nicht impfen lassen können.

Die Qualität von Kitas hat sich in den vergangenen Jahren verbessert – das lässt sich an den Personalschlüsseln messen. 2012 war eine Fachkraft in Krippen rein rechnerisch für 4,8 ganztagsbetreute Kinder zuständig, 2017 waren es 4,3 Kinder. Als wünschenswert gilt allerdings ein Personalschlüssel, der bei drei bis vier Kindern pro Fachkraft liegt.

Neues Projekt: „Gesundheitsmanager“ durch e-Learning

Pädagogische Fachkräfte in Kitas und Tagespflegeeinrichtungen haben im Rahmen einer von der Stiftung Kindergesundheit durchgeführten Umfrage über Unsicherheiten berichtet und den Wunsch nach mehr Unterstützung und Orientierung im Bereich der gesundheitlichen Betreuung und der Gesundheitsförderung geäußert.

Um diese Informations- und Ausbildungslücke zu schließen, hat die Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit einem interdisziplinären Expertenteam durch eine Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ein „Curriculum zur Gesundheitsförderung für die Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften und Tagespflegepersonen in der Betreuung 0 bis 3jähriger Kinder“ entwickelt. Diese Leitlinien und Empfehlungen dienen der Unterstützung und Weiterbildung von allen Personen, die in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege tätig sind.

Das Curriculum fasst den aktuellen Stand der Kenntnisse und Empfehlungen zu den verschiedensten Aspekten der Gesundheitsprävention und -vorsorge in der Betreuung von Kleinkindern zusammen: Körperpflege, Ernährung und Schlafbedarf bei Kindern unter drei Jahren, Küchenhygiene, Gestaltung der Bildungs- und Ruheräume für Kinder, Unfallprävention, Umgang mit Erkrankungen, Erste Hilfe, Medikamentengaben und andere medizinische Fragen, bis hin zur Gestaltung der Elternarbeit.

In einem aktuellen Projekt arbeiten die Experten der Stiftung Kindergesundheit an der Erweiterung des Curriculums. Seine Inhalte sollen in Form eines webbasierten Fortbildungsangebots in der Aus- und Weiterbildung von pädagogischem Fachpersonal etabliert werden. Dem Fernkurs liegt die Konzeption eines „e-Learning“-Programms zugrunde. Die Lerninhalte werden dabei aus interaktiven Grafiken, Videos und Podcasts zeitgemäß vermittelt. Die Teilnehmenden können beim „e-Learning“ ihre Zeiteinteilung flexibel gestalten. Ein abschließender Test mit anschließender Zertifizierung zum „Gesundheitsmanager“ soll das Angebot abrunden.

Weitere Informationen finden sich im Buch „Kinder gesund betreut – Curriculum zur Gesundheitsförderung in der Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren“ (Friedrich Verlag, 59,95 EUR), sowie unter www.kinder-gesund-betreut.de.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit
Internet: www.kindergesundheit.de

Bild/er: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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