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18.8.2012   |   Ernährung

Hormone im Essen – Hormonell wirksame Pestizidrückstände gefährden Verbraucher


Eine Untersuchung von PAN und Global 2000 belegt gefährliche Pestizidrückstände in europäischem Obst und Gemüse

Neue EU-Zahlen zeigen Gesundheitsgefahren durch hormonell wirksame Pestizidrückstände 

Die mit hormonell wirkenden Pestiziden am höchsten belasteten Lebensmittel in der EU sind Kopfsalat, Tomaten, Gurken, Äpfel und Lauch. Verbraucher konsumieren potentiell bis zu 30 verschiedene hormonaktive Pestizide und schlimmstenfalls sogar ein Gemisch von über 20 dieser Stoffe in einem Lebensmittel. Diese besorgniserregenden Ergebnisse zeigt eine Untersuchung des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN Europe und PAN Germany) und der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000. Die Analyse basiert auf den Überwachungsdaten der europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA).

Hormonell (oder „endokrin“) wirksame Chemikalien greifen in den Hormonhaushalt von Mensch und Tier ein, indem sie wie körpereigene Hormone wirken oder anderweitig das endokrine System stören. Die wirksamen Mengen solcher Chemikalien sind, wie auch bei körpereigenen Hormonen extrem klein, vergleichbar mit einem 20sten Teil eines Wassertropfens in einem Olympiaschwimmbecken. Eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien zeigt einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit hormonell wirksamen Chemikalien und steigenden Zahlen von Fruchtbarkeitsstörungen, hormonell bedingten Krebserkrankungen wie Brust- und Prostatakrebs, aber auch von Adipositas und Diabetes und weiteren chronischen Erkrankungen.

Hochgefährliche Pestizide stoppen

Die weltweit größten Agrarchemie-Konzerne BASF, Bayer und Syngenta vermarkten jeweils mehr als 50 hochgefährliche Pestizid-Wirkstoffe und sind deshalb mitverantwortlich für Pestizid-Gefahren, die Mensch und Umwelt schädigen können. PAN Germany hat eine Online-Unterschriftenaktion gegen die Vermarktung hochgefährlicher Pestizide gestartet.  

Jetzt mitmachen und unterzeichnen >>

Die Untersuchung von PAN und Global 2000 berechnet auf Basis der EFSA-Daten zur durchschnittlichen Langzeitbelastung von Verbrauchern Summenwerte für die identifizierten hormonell wirksamen Pestizide von bis zu 1.300 Mikrogramm pro Kilo bei Blattsalat. Susanne Smolka, Pestizidexpertin von PAN Germany: „Dies sind Besorgnis erregende Zahlen, da bereits geringste Mengen ein Gesundheitsrisiko darstellen können, besonders während empfindlicher Entwicklungsphasen von Kindern. Daher ist ein sehr wichtiger Schritt der Vorsorge, dass bei Pestiziden und Bioziden (u.a. Haushaltspestizide) die neuen überarbeiteten EU-Gesetzgebungen vorsehen, hormonell aktive Wirkstoffe nicht mehr zuzulassen“. Damit Stoffverbote tatsächlich in Zukunft erfolgen, muss die EU-Kommission zunächst bis zum Dezember 2013 Kriterien zur Identifizierung hormonaktiver Eigenschaften bei Pestiziden und Bioziden ausarbeiten.

Susanne Smolka zur PAN Position: „Momentan gibt es einen intensiven Austausch verschiedener Vorschläge von Behörden und Verbänden, wie solche Kriterien aussehen sollten. Enttäuschend ist für uns die Position des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), da das Vorsorgeprinzip nicht ausreichend umgesetzt und voraussehbar viele hormonelle Wirkstoffe durchs Regulierungsnetz rutschen würden, sollte dem BfR-Vorschlag gefolgt werden.“

Für Verbraucher gibt es momentan nur die Möglichkeit, ganz oder zumindest bei den besonders belasteten Obst- und Gemüsesorten auf Bio-Produkte umzusteigen. Weitere Möglichkeiten hormonell wirksame Chemikalien im Haushalt zu vermeiden, sind bei der Auswahl von Plastikprodukten oder durch Vermeidung von Bioziden wie Schädlingsbekämpfungsmitteln gegeben. Praktische Tipps zur Vermeidung sowie Hintergrundinformationen zu den Gesundheits- und Umweltrisiken durch hormonelle Chemikalien hat PAN und Global 2000 in einer Informationsbroschüre zusammengefasst.

 

Weitere Informationen:

Broschüre „Hormone im Essen
Endokrin wirksame Pestizide in Nahrungsmitteln der Europäischen Union“
(PDF-Download): http://www.pan-germany.org/download/ED_Pestizide.pdf

PAN Europe bietet auf seiner Homepage disruptingfood.info neben der englischen Fassung der Broschüre, detaillierte Informationen zu den Untersuchungsergebnissen sowie Hintergrundinformationen für Journalisten:
http://www.disruptingfood.info




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