Start / Verbraucher / ÖKO-TEST Bisphenole in Dosenkonserven – Maggi Ravioli sind am stärksten belastet 

ÖKO-TEST Bisphenole in Dosenkonserven – Maggi Ravioli sind am stärksten belastet 

Konservendosen sind praktisch, lange haltbar und aus vielen Haushalten nicht wegzudenken. Doch die Verpackung kann auch eine unerwünschte Seite haben: In den Innenbeschichtungen von Dosen können Bisphenole enthalten sein, die unter bestimmten Bedingungen in Lebensmittel übergehen können.

Was sind BPA, BPS und BPF?

Bisphenole sind Industriechemikalien, die unter anderem bei der Herstellung bestimmter Kunststoffe und Epoxidharze eingesetzt werden. Epoxidharze können beispielsweise für die Innenbeschichtung von Lebensmittel- und Getränkedosen verwendet werden. Bisphenol A (BPA) steht dabei besonders im Fokus. Der Stoff kann hormonähnlich wirken und wird von europäischen Behörden wegen möglicher gesundheitlicher Auswirkungen kritisch bewertet. Die EFSA hat ihre Bewertung 2023 deutlich verschärft und die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge erheblich abgesenkt.

Auch BPS und BPF gehören zur Gruppe der Bisphenole. Sie werden teilweise als Ersatzstoffe für BPA eingesetzt. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie gesundheitlich unproblematisch sind.

Ein aktueller Test von ÖKO-TEST hat deshalb Dosenkonserven auf Bisphenol A (BPA), Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF) untersucht. Die getesteten Produkte wurden im April und Mai 2026 eingekauft.

Dosenkonserven im Test: Wie stark sind Lebensmittel mit Bisphenolen belastet?

ÖKO-TEST Bisphenole in Dosenkonserven

Von Softdrinks über Ananas und Gemüse bis hin zu Fisch und Linseneintopf – fast alle Dosenlebensmittel im Test sind laut ÖKO-TEST mit Bisphenolen belastet. Immerhin: Erstmals finden die Verbraucherschützer Testprodukte ohne die hormonwirksame Chemikalie Bisphenol A.         

ÖKO-TEST hat 52 Dosenkonserven auf ihre Belastung mit den Industriechemikalien Bisphenol A (BPA), Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF) getestet. Bei 42 Produkten fällt die Bisphenol-Belastung „hoch“ oder „sehr hoch“ aus.

In den Maggi Ravioli in Tomatensauce und in fünf weiteren Dosenlebensmitteln hat das von ÖKO-TEST beauftragte Labor BPA-Gehalte gemessen, die mehr als 100-fach über der laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) noch unbedenklichen BPA-Tagesdosis (TDI) liegen. ÖKO-TEST ordnet sie deshalb in der höchsten Kategorie als „sehr hoch“ belastet ein. Die Maggi-Ravioli sind das Testprodukt mit dem höchsten nachgewiesenen BPA-Gehalt – er liegt für eine Portion von 400 Gramm 833-mal so hoch wie der Wert, den die EFSA bei einer täglichen Aufnahme für noch akzeptabel hält.

Gleichzeitig findet ÖKO-TEST erstmals Lebensmittel in Weichblechdose ohne BPA. Laut den Verbraucherschützern kann das mit einer neuen Verordnung zusammenhängen, die den bewussten Einsatz von BPA und einigen anderen gefährlichen Bisphenolen in Materialien verbietet, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen – somit auch in Konservendosen, die als eine der wichtigsten Eintragsquellen von Bisphenolen in unsere Nahrung gelten. Noch gelten allerdings Übergangsfristen, so dass noch immer mit Bisphenolen beschichtete Dosen im Handel erhältlich sind.

BPA besitzt eine hormonelle Wirkung für Mensch und Umwelt und ist als reproduktionstoxisch eingestuft, die Industriechemikalie wird auch in Zusammenhang mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko, Übergewicht und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern diskutiert. Wie streng BPA zu bewerten ist, ist in Fachkreisen umstritten. Im Vergleich zur EFSA veröffentlichte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) einen eigenen, um den Faktor 1.000 weniger strengen TDI für BPA. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes orientiert sich ÖKO-TEST bei seiner Bewertung am TDI der EFSA. 

Für andere Bisphenole wie BPS oder BPF existiert noch kein TDI, denn die Forschung zu diesen beiden ebenfalls in Beschichtungen eingesetzten Alternativen startete später. BPS ist in der EU jedoch ebenfalls als „vermutlich reproduktionstoxisch beim Menschen“ eingestuft, für BPF wird diese Einstufung noch in diesem Jahr erwartet.

Frei von BPA, BPS und BPF sind laut ÖKO-TEST zwei von 52 Testprodukten: die Bio Primo Linseneintopf rustikal und die Sea Gold Heringsfilets geteilt in Tomatensauce.

Weitere Informationen finden Sie in der Septemberausgabe des ÖKO-TEST Magazins und online unter: oekotest.de/601681

Quelle: ÖKO-TEST

Markiert:

WhatsApp Kanal

Abonniere unseren WhatsApp-Kanal und erhalte aktuelle Rückrufe, wichtige Verbraucherwarnungen und interessante Infos direkt auf dein Smartphone.

Jetzt abonnieren >>

Magazin

Neue Artikel