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Zu wenig Lebensmittelkontrollen: Verbraucherschützer schlagen Alarm

Verbraucherschützer und Experten kritisieren seit Jahren, dass in Deutschland zu wenige Lebensmittelkontrollen stattfinden. Ursache sind vor allem Personalmangel in den zuständigen Behörden sowie eine hohe Arbeitsbelastung der Kontrollämter.

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um Hygienemängel, falsche Kennzeichnungen oder gesundheitsschädliche Produkte frühzeitig zu erkennen und Verbraucher zu schützen. Immer wieder führen Mängel bei Herstellern oder im Handel zu Produktrückrufen und öffentlichen Warnungen. Nach Ansicht von Verbraucherschutzorganisationen müssen die Kontrollbehörden personell besser ausgestattet werden, um die gesetzlich vorgesehenen Überprüfungen sicherzustellen. Nur durch ausreichende Kontrollen könne das Vertrauen der Verbraucher in die Sicherheit von Lebensmitteln langfristig gestärkt werden.

Lebensmittelkontrollen in Deutschland: gefährdet Personalmangel die Lebensmittelsicherheit?


foodwatch-Datenrecherche: Jede vierte Lebensmittelkontrolle fällt aus

Mehr als jede vierte Lebensmittelkontrolle in Deutschland fällt aus. Das zeigt eine Datenabfrage von foodwatch unter rund 400 kommunalen Lebensmittelbehörden. Ein Großteil der Ämter schafft es nicht, alle gesetzlich vorgeschriebenen Routinekontrollen durchzuführen.

foodwatch fordert, die Behörden durch eine grundlegende Reform zu entlasten: Alle Kontrollergebnisse müssen veröffentlicht werden. Das würde einen Anreiz schaffen für Lebensmittelbetriebe, sich an die Vorgaben zu halten – und die Behörden entlasten. Denn wenn es weniger Beanstandungen gibt, müssen die Ämter insgesamt auch weniger kontrollieren. Vorbild könne das erfolgreiche „Smiley“-Transparenzsystem aus Dänemark sein, so foodwatch.

„Das System der Lebensmittelüberwachung in Deutschland ist am Limit. Wir brauchen eine grundlege Reform“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Dr. Chris Methmann. „Der entscheidende Punkt ist: Behörden müssen gesetzlich verpflichtet werden, zu veröffentlichen, welche Kontrollen sie durchgeführt haben und welche Ergebnisse es gab. Dänemark macht es mit dem „Smiley-System“ vor: Seit in unserem Nachbarland alle Kontrollergebnisse an der Ladentür aushängen, ist die Beanstandungsquote deutlich zurückgegangen – das hilft nicht nur den Verbraucher:innen, sondern entlastet auch die Behörden.“

29 Prozent aller Kontrollen finden nicht statt

foodwatch hat für den Report „Planmäßig ausgefallen – Deutschlands Lebensmittelüberwachung am Limit“ Anfragen an 398 kommunale Ämter gestellt. Rechtsgrundlage ist das bundesweite Verbraucherinformationsgesetz (VIG) und die Informationsfreiheitsgesetze (IFG) der Bundesländer.

Die Verbraucherorganisation wollte wissen: Wie viele Routinekontrollen sind vorgeschrieben – und wie viele Kontrollen hat die Behörde tatsächlich durchgeführt? Etwas mehr als die Hälfte der angefragten Behörden lieferte entsprechende Daten. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bundesweit schafften die Lebensmittelbehörden im Schnitt nur rund 71 Prozent der vorgeschriebenen Routinekontrollen.
  • Das bedeutet: Mehr als jede vierte vorgeschriebene Plankontrolle fand nicht statt (29 Prozent).
  • Nur 15 Prozent der Behörden führten alle Kontrollen durch. 85 Prozent der Ämter schafften es hingegen nicht, ihr vorgeschriebenes Soll zu erfüllen.

Interaktives tool: Ergebnisse aus Bundesländern und Landkreisen

Die Ergebnisse aus den Bundesländern und Landkreisen lassen sich in einem interaktiven tool auf der foodwatch-Website nachschauen.

Reform von Julia Klöckner verschlechterte die Situation

Die foodwatch-Recherche belegt zudem: Die Ämter kontrollieren heute weniger. Im Vergleich zu einer Datenabfrage der Verbraucherorganisation aus 2018 sank die Zahl der durchgeführten Plankontrollen deutlich: 2024 um 14 Prozent und 2025 sogar um 22 Prozent.

Hintergrund ist: Die damalige Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte 2020 eine Reform der Lebensmittelüberwachung angestoßen und die Verwaltungsvorschrift für Kontrollbehörden geändert. Behörden müssen seitdem weniger Plankontrollen durchführen als früher. Zudem müssen ausgerechnet Betriebe aus den höchsten Risikoklassen heute seltener kontrolliert werden.

foodwatch und Organisationen wie der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure hatten das Vorhaben schon damals deutlich kritisiert.

„Anstatt die Missstände in der Lebensmittelüberwachung zu beheben, hat die Politik die Vorgaben für die Kontrollbehörden sogar gelockert, mit dem Ergebnis: Lebensmittelbehörden müssen heute weniger Plankontrollen durchführen als früher – völlig absurd“, so foodwatch-Chef Dr. Chris Methmann.

Auch Lebensmittelkontrolleure fordern Reformen

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure e. V., Maik Maschke, erklärt: „Es kann und soll nie hinter jedem Koch ein Lebensmittelkontrolleur stehen. Aber leider haben sich unsere Befürchtungen aus dem Jahr 2020 bewahrheitet: Mit der Änderung der Kontrollfristen auf dem Papier wurden zwar die Sollvorgaben bundesweit harmonisiert, jedoch nicht eine Lebensmittelkontrolleurin oder Lebensmittelkontrolleur mehr eingestellt – und es wird heute weniger kontrolliert. Eine Verringerung der Kontrollhäufigkeit sollte jedoch immer das Ergebnis einer guten Unternehmerleistung und nicht der Kassenlage der öffentlichen Hand geschuldet sein. Es muss endlich gehandelt werden. Wir brauchen: erstens, eine passende Honorierung und Wertschätzung der Tätigkeit der Lebensmittelkontrolleure. Zweitens, eine Erhöhung der Kontrolldichte – ohne, dass die Qualität der Kontrollen leidet. Drittens, eine gesetzliche Grundlage zur Veröffentlichung der Kontrollergebnisse, wobei wichtig ist: Ein Transparenzsystem sollte bundesweit einheitlich sein und kein Flickenteppich von 16 verschiedenen Modellen.“

Vorbild: „Smiley-System“ aus Dänemark

Um die Lebensmittelüberwachung zu verbessern, fordert foodwatch eine Transparenz-Pflicht wie in Dänemark. Dort hängen in jedem Lebensmittelbetrieb – egal, ob Eisdiele, Bäckerei, Imbissbude oder Sternerestaurant – gut sichtbar die Ergebnisse der letzten Kontrollen aus. Ein Smiley-Symbol informiert auf einen Blick über die Bewertung. Zusätzlich sind die Kontrollergebnisse im Internet abrufbar. Die Transparenz wirkt: Die Quote der beanstandeten Betriebe ist deutlich gesunken.

Quellen und weiterführende Informationen:

Quelle: foodwatch e.V.

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