Sogenannte Abnehmspritzen werden immer beliebter. Dabei handelt es sich um Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes Typ 2 entwickelt wurden und den Appetit zügeln.
Wie sie wirken
Die Wirkstoffe beeinflussen das Sättigungsgefühl, sodass Betroffene weniger essen und schneller abnehmen. Risiken und Nebenwirkungen können Übelkeit und Erbrechen und Magen-Darm-Beschwerden sein. Mögliche langfristige Nebenwirkungen noch nicht vollständig geklärt
Die Anwendung sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen und ist nicht für jeden geeignet.
Ob sie das können und welche Wirkstoffe geeignet sind, hat nun die Stiftung Warentest untersucht
Stiftung Warentest: Nur zwei Wirkstoffe sind geeignet
16 Millionen Menschen in Deutschland gelten als stark übergewichtig. Für viele könnte ein neues Kapitel der Medizin ein echter Wendepunkt sein: Abnehmspritzen werden als „Gamechanger“ gefeiert. Doch nicht alle halten, was sie versprechen. „Zwei Wirkstoffe überzeugen in Kombination mit Lebensstilveränderung, das ist das Ergebnis unseres Tests“, sagt Dr. Claudia Michael, Gesundheitsexpertin bei der Stiftung Warentest.
Was wurde getestet?
Bewertet wurden alle in Deutschland zugelassenen Arzneimittel zur Gewichtsreduktion in sämtlichen Dosierungen, insgesamt 17 Präparate. Darunter drei rezeptpflichtige Abnehmspritzen sowie Orlistat-Kapseln in rezeptpflichtiger und rezeptfreier Form. Expertinnen und Experten werteten hochwertige Metaanalysen, evidenzbasierte Leitlinien und Studien aus und prüften Wirksamkeit, Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Die Ergebnisse im Überblick
Den stärksten Effekt in Kombination mit kalorienreduzierter Ernährung und mehr Bewegung erzielt der Wirkstoff Tirzepatid, erhältlich als wöchentliche Spritze unter dem Markennamen Mounjaro (Hersteller: Eli Lilly). Nach einem Jahr Therapie ist eine Gewichtsabnahme von 13 bis 19 Prozent zu erwarten, ein Wert, der nach drei Jahren Therapie nahezu erhalten bleibt.
Ebenfalls geeignet: der Wirkstoff Semaglutid, erhältlich als wöchentliche Spritze unter dem Markennamen Wegovy (Hersteller: Novo Nordisk). Nach einem Jahr können 9 bis 12 Prozent Gewichtsverlust erreicht werden, der nach zwei Jahren weitgehend stabil bleibt.
Beide Wirkstoffe ahmen körpereigene Hormone nach. Sie signalisieren dem Körper Sättigung, verlangsamen die Magenentleerung und senken den Blutzuckerspiegel. Es sind keine einfachen „Fett-weg-Spritzen“, sondern Medikamente, die tief in den Stoffwechsel eingreifen.
Wenig geeignet: Liraglutid (Saxenda) und Orlistat
Der Wirkstoff Liraglutid, erhältlich als tägliche Spritze unter dem Markennamen Saxenda (Hersteller: Novo Nordisk), erreicht nach einem Jahr lediglich 4 bis 5 Prozent Gewichtsverlust. Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche treten häufiger auf als bei einem Placebo. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis bewertet die Stiftung Warentest als ungünstig.
Ebenfalls wenig geeignet: Orlistat – weder in der rezeptpflichtigen 120-mg-Variante (Hersteller: z. B. Xenical, Orlistat 1A Pharma, Orlistat-Ratiopharm) noch in der rezeptfreien 60-mg-Variante (Hersteller: z. B. Orlistat Hexal, Orlistat-Ratiopharm 60 mg). Der Fettblocker führt erst nach zwei Jahren zu einer Gewichtsabnahme von lediglich 2 bis 4 Prozent.
Kein Selbstläufer – Langzeitwirkungen unbekannt
Die geeigneten Mittel sind keine Selbstläufer. „Ich rate ausdrücklich davon ab, sich allein auf die medikamentöse Therapie zu verlassen. Die begleitenden Lebensstiländerungen – mehr Bewegung und eine reduzierte Kalorienzufuhr – sind entscheidend, um langfristig erfolgreich zu sein“, sagt Michael. Zudem bauen die Medikamente nicht nur Fett, sondern auch Muskeln ab. Krafttraining und eiweißreiche Ernährung helfen, dem entgegenzuwirken.
Hinzu kommt: Beide als geeignet bewerteten Wirkstoffe sind erst seit wenigen Jahren auf dem Markt. Langzeitwirkungen über mehr als zwei bis drei Jahre sind noch weitgehend unbekannt. Und: Nach dem Absetzen steigt das Gewicht häufig wieder an.
Teuer und keine Kassenleistung
Die Kosten tragen Betroffene selbst: Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Mittel nicht, da sie als Lifestyle-Präparate gelten. Je nach Wirkstoff und Dosierung kostet die Therapie zwischen 43 und 122 Euro pro Woche, also bis zu rund 500 Euro im Monat. Günstige Generika der Abnehmspritzen Mounjaro und Wegovy sind in der EU frühestens ab 2030 zu erwarten.
Ein ärztliches Rezept und medizinische Begleitung sind für alle Spritzen Pflicht. Michael warnt ausdrücklich: „Wir raten dringend davon ab, auf eigene Faust Abnehmspritzen im Internet zu kaufen. Sie können andere, auch verbotene Wirkstoffe oder falsche Mengen enthalten.“
Anzeige: Der ausführliche Test erscheint in der Ausgabe 04/2026 der Stiftung Warentest und unter test.de/abnehmmittel. Er ist der dritte Teil einer Reihe zum Thema Abnehmen – nach Diätkonzepten (01/2024, test.de/diaetkonzepte) und Diätshakes (01/2026, test.de/diaetshakes).
Hinweis: Eine aktuelle Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW zum Kauf von Abnehmspritzen über das Internet zeigt: Der Erwerb der Spritzen wird Interessierten viel zu leicht gemacht. Von zehn identifizierten deutschsprachigen telemedizinischen Online-Plattformen verlangen vier keinerlei Nachweise zur Identität oder zum Körpergewicht. Bei fünf war eine Bestellung des Medikaments sehr einfach durch eine Gewichtsanpassung im Fragebogen möglich, somit auch für Normalgewichtige. Weitere Informationen unter: www.verbraucherzentrale.nrw.
Quelle: Stiftung Warentest
















