Große Fußballturniere wie Welt- oder Europameisterschaften sind für viele Lebensmittelhersteller Anlass, spezielle Sammelaktionen zu starten. Ob Sammelkarten, Sticker, Figuren oder exklusive Fanartikel – die Aktionen erfreuen sich vor allem bei Kindern, Familien und Fußballfans großer Beliebtheit. Mit dem Kauf bestimmter Produkte können Verbraucher häufig Treuepunkte, Codes oder Sammelbilder erhalten und diese gegen Prämien eintauschen. Besonders beliebt sind Sammelalben mit Spielerporträts, Fanartikel der Nationalmannschaften oder limitierte Editionen von Verpackungen.
Obwohl diese Aktionen bei Fans sehr beliebt sind, gibt es auch Kritik, insbesondere von Gesundheitsorganisationen (wie der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten – DANK).
DANK kritisiert WM-Sammelaktionen von Lebensmittelherstellern: „Kinder werden gezielt zum Kauf von Zuckerbomben animiert“
Sammelaktionen, Sondereditionen und Prämien: Im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 locken Lebensmittelhersteller mit verschiedenen Angeboten und Fanaktionen. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) kritisiert diese Aktionen, bei denen Kinder und Familien über Sammelanreize zum Kauf stark zucker- und fetthaltiger Produkte motiviert werden.
Besonders deutlich wird das am Beispiel der aktuellen Ferrero-Sammelaktion. Wer eine Trinkflasche, ein T-Shirt oder einen Fußball erhalten möchte, muss Sammelpunkte auf Produkten wie Nutella, Duplo, Kinder Happy Hippo oder Hanuta sammeln. Die dafür erforderlichen Produktmengen enthalten teils enorme Mengen Zucker.
So müssen Verbraucher*innen beispielsweise:
- für eine Trinkflasche rund 1,4 Kilogramm Zucker in Form von 15 Duplo-Mehrfachpackungen kaufen,
- für ein T-Shirt mehr als 3 Kilogramm Zucker über Kinder-Happy-Hippo-Packungen erwerben,
- für einen Fußball sogar über 5 Kilogramm Zucker in Form von 20 Gläsern Nutella kaufen.
Auch Coca-Cola wirbt im Rahmen der Weltmeisterschaft mit einer Sammelaktion. Um ein WM-T-Shirt zu erhalten, müssen zwölf verschiedene Sondereditionen gesammelt werden. Würden dafür zwölf 0,5-Liter-Flaschen zuckerhaltige Coca-Cola gekauft, entspräche dies rund 636 Gramm Zucker, mehr als einem halben Kilogramm. Die Aktion ist zwar auch mit zuckerfreien Varianten möglich, dennoch werden die Sammelanreize unmittelbar mit dem Kauf von Softdrinks verknüpft.
„Die Fußball-Weltmeisterschaft begeistert Millionen Kinder und animiert sie dazu, Sport zu treiben und ihren „Helden“ nachzueifern. Genau diese Begeisterung wird von Lebensmittelkonzernen gezielt genutzt, um den Absatz stark zuckerhaltiger Produkte anzukurbeln“, sagt Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Wenn für einen Fußball rechnerisch mehr als fünf Kilogramm Zucker gekauft werden müssen, zeigt das die Absurdität solcher Werbeaktionen. Kinder werden somit gezielt zum Kauf von Zuckerbomben animiert. Und der positive Effekt auf die Bewegung und den Sport wird zunichte gemacht.“
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt die Aufnahme von freiem Zucker auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Ein einzelner Duplo-Riegel enthält bereits 9,2 Gramm Zucker. Vermeintlich kleine Portionen können somit schnell zur Zuckerbombe werden.
„Besonders problematisch ist, dass solche Aktionen nicht den Konsum eines einzelnen Produkts fördern, sondern gezielt auf Sammelmechanismen setzen“, so Bitzer weiter. „Wer eine Prämie erhalten möchte, muss immer neue Produkte kaufen. Damit werden Kaufanreize geschaffen, die weit über den eigentlichen Verzehr hinausgehen.“
DANK fordert deshalb seit Jahren wirksame gesetzliche Beschränkungen für an Kinder gerichtetes Marketing für ungesunde Lebensmittel. Sportgroßereignisse dürften nicht dazu genutzt werden, Kinder und Jugendliche systematisch für Produkte mit hohem Zuckergehalt zu gewinnen.
„Sport steht für Bewegung, Gesundheit und Prävention. Viele Kinder freuen sich auf die Weltmeisterschaft und die Spiele der Deutschen Mannschaft. Wenn Verbände und Veranstalter Partnerschaften mit Herstellern eingehen, deren Produkte nachweislich zur Entstehung von Adipositas, Typ-2-Diabetes und anderen nichtübertragbaren Krankheiten beitragen können, senden sie widersprüchliche Signale an Kinder und Familien“, sagt Bitzer. „Fußball sollte Kinder zu Bewegung motivieren und nicht zu einem höheren Konsum von Süßwaren und Softdrinks.“
Quelle: Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
Über das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK):
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Wissenschaftsbündnis aus 24 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, das sich seit mehr als 15 Jahren für Maßnahmen der Verhältnisprävention zur Verhinderung von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten einsetzt. Das Bündnis fordert die Einführung einer Zuckersteuer, mehr Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung, täglich eine Stunde Sport und Bewegung in KiTa/Schule sowie die Einführung verbindlicher Qualitätsstandards für die KiTa-und Schulernährung nach den DGE-Empfehlungen. Mehr über DANK: www.dank-allianz.de
















