Industrie und EFSA unterlaufen Risikoabschätzung gentechnisch veränderter Pflanzen

In einem aktuellen Report analysiert und veröffentlicht Testbiotech verschiedene Untersuchungsberichte, die von der Industrie zur Risikoprüfung von gentechnisch veränderten Pflanzen bei der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA eingereicht wurden. Die Dossiers waren Testbiotech Anfang 2011 zugespielt worden. Die Unterlagen beziehen sich auf den gentechnisch veränderten Mais SmartStax der Firmen Monsanto und Dow AgroSciences. SmartStax wurde durch Kreuzung mehrerer gentechnisch veränderter Maispflanzen hergestellt. Er produziert sechs verschiedene Insektengifte und ist resistent gegenüber zwei Unkrautvernichtungsmitteln.

Laut einem Bericht der EFSA aus dem Jahr 2010 soll dieser Mais unbedenklich sein und in Lebens- und Futtermitteln eingesetzt werden. Die Analyse von Testbiotech zeigt dagegen, dass die von der Industrie eingereichten Unterlagen ungeeignet sind, um die gesundheitlichen Risiken für Mensch und Tier zu bewerten. Zudem fehlen die notwendigen unabhängigen Qualitätskontrollen.

„Es gibt Hinweise darauf, dass die Daten den Interessen der Industrie ‚angepasst‘ wurden“, so Christoph Then von Testbiotech. „In jedem Fall sind die Unterlagen ungeeignet, um gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier zu bewerten. So wurden beispielsweise Kombinationseffekte der Giftstoffe, die in den Pflanzen enthalten sind, nur an Insekten getestet. Bei einer Fütterungsstudie mit Geflügel ging es lediglich um eine Prüfung der Mastleistung. Daten, die gesundheitliche Risiken betreffen, wurden in diesen Untersuchungen nicht erhoben.“

Die Studien zeigen, dass der Gehalt an Insektengiften in den Pflanzen um das 10- bis 20-Fache variieren kann. Gezielte Untersuchungen, wie sich wechselnde Umweltbedingungen auf den Giftgehalt auswirken, wurden nicht durchgeführt. Es gibt nicht einmal verlässliche Messverfahren für eine unabhängige Kontrolle der erhobenen Daten.

Bei ihrer Risikobewertung stützt sich die EFSA in vielen Bereichen nicht auf Untersuchungs-ergebnisse von SmartStax selbst, sondern beruft sich auf Tests mit den gentechnisch veränderten Maispflanzen, aus denen SmartStax durch Kreuzung hergestellt wurde. Dieser Ansatz ist äußerst problematisch, weil diese Pflanzen für sich genommen viel weniger Giftstoffe produzieren und daher auch weniger Wechselwirkungen zu erwarten sind. Außerdem ist die Risikoprüfung dieser Pflanzen mit erheblichen Fragen und Unsicherheiten verbunden. Schon bei bestimmten Ausgangspflanzen besteht der Verdacht, dass Nierenschäden ausgelöst werden können. Experten verschiedener Mitgliedsländer haben bei der EFSA weitere Untersuchungen angemahnt, was die Behörde jedoch unter Verweis auf die eigenen Prüfrichtlinien zurückgewiesen hat. Nach diesen Richtlinien sind bisher keine Fütterungsstudien vorgeschrieben, um gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier auszuschließen.

Die von Testbiotech analysierten Dokumente weisen auf erschreckende Defizite bei der Risikoforschung und Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen hin. Diese Defizite sollten nicht dadurch verschleiert werden, dass die Untersuchungsergebnisse als vertraulich klassifiziert werden. Deswegen macht Testbiotech diese Dokumente einer größeren Öffentlichkeit zugänglich. Dabei werden keine Auflagen bezüglich der Vertraulichkeit der Daten verletzt, die Dokumente wurden Testbiotech ohne Beschränkungen zur Verfügung gestellt.

Testbiotech e.V.
Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie
www.testbiotech.org