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Schulweg: Elterntaxis – Warum weniger oft mehr ist

Viele Eltern bringen ihre Kinder morgens mit dem Auto bis direkt vor die Schule. Das sogenannte Elterntaxi soll Zeit sparen und für einen sicheren Schulweg sorgen. Doch der zusätzliche Autoverkehr kann vor Schulen selbst zum Sicherheitsproblem werden. Vor den Schultoren entstehen häufig unübersichtliche Situationen durch haltende und wendende Fahrzeuge. Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, können dadurch schlechter gesehen werden.

Dabei bietet der Schulweg Kindern wichtige Möglichkeiten, Selbstständigkeit und Verkehrssicherheit zu entwickeln. Wer den Weg zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt, bewegt sich zudem mehr. 

Eine gute Alternative können sogenannte Laufbusse sein: Dabei treffen sich mehrere Kinder an einem vereinbarten Punkt und gehen gemeinsam zur Schule – begleitet von Erwachsenen oder später zunehmend selbstständig.

Tipp: Wenn das Auto notwendig ist, kann es sinnvoll sein, das Kind einige Straßen vom Schuleingang entfernt an einem sicheren Punkt aussteigen zu lassen. So wird der unmittelbare Bereich vor der Schule entlastet und das Kind legt zumindest einen Teil des Schulwegs selbst zurück.

Eltern-Umfrage „Sicherer Schulweg“ der ADAC Stiftung

Trotz vielerorts kritischer Diskussionen bleiben Elterntaxis das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel für Grundschüler, die nicht zu Fuß gehen. Nahezu jedes vierte Kind wird in der Grundschule mehrmals pro Woche mit dem Auto zum Unterricht gefahren und nach Schulschluss wieder abgeholt. Für die Mehrheit der Eltern macht das dadurch entstehende Verkehrsaufkommen den Schulweg für alle Kinder deutlich unsicherer. Das ist das Ergebnis der Eltern-Umfrage „Sicherer Schulweg“ der ADAC Stiftung.

In den ersten beiden Klassen gehen 58 Prozent der Grundschüler an mindestens drei Tagen zu Fuß zur Schule. 12 Prozent nehmen öfters das Fahrrad, 6 Prozent den Tretroller. 25 Prozent der Kinder werden regelmäßig von den Eltern gefahren, aus Sicht der meisten Eltern zu viele. 61 Prozent der Eltern finden, dass zu viele Autos vor der Schule sind, die Kinder zur Schule bringen oder abholen.

Hauptgrund dafür ist, dass die Elterntaxis gefährliche Situationen heraufbeschwören, meinen 58 Prozent der Befragten. Gut die Hälfte der Grundschüler, die nicht mit dem Auto gebracht werden, wird mindestens gelegentlich von den Eltern zur Schule begleitet. Das wäre unnötig, wenn es weniger Elterntaxis gäbe, sagen 17 Prozent.

Allerdings kommen für die überwiegende Mehrheit der Eltern, die ihre Kinder regelmäßig fahren, Alternativen nicht in Frage. Zwei Drittel von ihnen bezeichnen es als Notwendigkeit, ihre Kinder regelmäßig zur Schule zu bringen und von dort abzuholen. Die Begründungen sind zum Großteil praktischer Natur: 37 Prozent nennen Anschlusstermine ihrer Kinder, 31 Prozent schlechtes Wetter, 27 Prozent die Verbindung mit eigenen Arbeitswegen oder Erledigungen und 18 Prozent den geringeren Zeitaufwand für die Kinder.

Die ADAC Stiftung empfiehlt Eltern, nach Möglichkeit auf Elterntaxis zu verzichten: „Zu Fuß gehen, Rollern und Radfahren schafft Bewegung, fördert Selbstständigkeit und intensiviert soziale Kontakte“, sagt Christina Tillmann, Vorständin der ADAC Stiftung. Ein guter Einstieg ist das mehrfache, gemeinsame Üben des Schulwegs, das laut Umfrage bereits 88 Prozent der Eltern vor der Einschulung unternehmen.

Am ehesten auf den Fahrservice für die eigenen Kinder verzichten würden Eltern, wenn die Infrastruktur des Schulwegs besser und der Zeitaufwand geringer wäre. Es erscheint angesichts der eher praktischen Gründe, die Eltern ihre Kinder chauffieren lassen, jedoch fraglich, ob der Anteil der Elterntaxis dadurch nennenswert eingeschränkt werden könnte. Seit die ADAC Stiftung die Eltern befragt (2023), verändern sich sowohl Anteil der Elterntaxis als auch Grad der Zustimmung bzw. Ablehnung nur minimal.

„Neben den berechtigten Appellen, auf Elterntaxis zu verzichten, sollten Kommunen und Schulträger auch den Verkehrsraum vor den Schulen anpassen“, sagt Christina Tillmann. Die ADAC Stiftung empfiehlt etwa ausgewiesene Halte- und Warteflächen abseits der Schuleingänge, den Ausbau der Rad- und Gehwege, den verstärkten Einsatz von Schülerlotsen insbesondere in Schulnähe sowie falls notwendig auch den Einsatz von absoluten Halteverboten, um kritische Verkehrssituationen zu entzerren.

Nach der Grundschule verschieben sich die Anteile der Verkehrsmittel, mit denen Kinder zum Unterricht kommen: Der Weg zur weiterführenden Schule erfolgt nur noch bei 9 Prozent der Kinder per Elterntaxi. Tretroller kommen kaum noch zum Einsatz, dafür gewinnt das Fahrrad an Bedeutung (22 Prozent). Zumindest einen Teil des Weges zu Fuß gehen 52 Prozent, von denen mehr als zwei Drittel auch Schulbus oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Die ADAC Stiftung unterstützt mit der Initiative „Verkehrshelden“ und ihrer Kampagne „Sicher zu Fuß zur Schule“ Eltern, Lehrkräfte und Kinder beim Schulstart. Sie bietet praktische Tipps, interaktive Online-Spiele (wie „Verkehrshelden unterwegs“) und Lehrmaterialien zur sicheren Bewältigung des Schulwegs.

Über die ADAC Stiftung:
Die ADAC Stiftung setzt sich dafür ein, dass alle Menschen in Deutschland ihrem Bedürfnis nach Mobilität sicher und nachhaltig nachkommen können. Und dass Menschen mit akuten Verletzungen oder in lebensbedrohlichen Situationen im ganzen Land schnelle und wirksame Hilfe erhalten.
Im Mobilitätsbereich verbindet die ADAC Stiftung wissenschaftliche Analysen mit praxisnahen Programmen: Sie erforscht Einstellungen und Verhalten, entwickelt Konzepte für nachhaltige Mobilität und vermittelt jedes Jahr rund 600.000 Kindern und Jugendlichen Mobilitätskompetenz. Mehr Informationen: www.stiftung.adac.de

Über die Befragung:
Grundlage der Ergebnisse ist eine Onlinebefragung (CAWI) von 1.000 Eltern von Schulkindern im Alter von 5 bis 15 Jahren, die den Schulweg ihres Kindes beurteilen können. Die Befragung wurde vom 22. Juni bis 2. Juli 2026 im Online Access Panel von Norstat durchgeführt. Die Stichprobe ist nach Bundesländern entsprechend ihres tatsächlichen Anteils bei Familien mit Kindern gewichtet. Durchführendes Institut: komma Forschungs- und Beratungsgesellschaft mbH.

Quelle: ADAC Stiftung

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