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foodwatch: Junkfood-Industrie genauso schlimm wie Tabakkonzerne

Junkfood wie Burger, Pommes, Pizza, Chips oder Süßigkeiten gehört für viele Menschen zum Alltag. Problematisch wird es vor allem dann, wenn stark verarbeitete, kalorienreiche Lebensmittel regelmäßig eine ausgewogene Ernährung ersetzen. Viele typische Junkfood-Produkte enthalten vergleichsweise viel Zucker, Salz und Fett, liefern aber nur wenige wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Besonders Kinder sollten deshalb nicht auf solche Lebensmittel als Bestandteil ihrer Ernährung zurückgreifen.

Lebensmittelindustrie muss reguliert werden wie die Tabakindustrie

Die Lebensmittelindustrie muss ähnlich stark reguliert werden wie die Tabakindustrie. Das fordert foodwatch-Chef Dr. Chris Methmann. Er kritisiert: An den Folgen ungesunder Ernährung sterben in Deutschland genauso viele Menschen wie am Tabakkonsum. Dennoch könne die Lebensmittelindustrie ihr Junkfood und ihre Zuckergetränke weiterhin ungehindert selbst schon an Kinder vermarkten. Es sei an der Zeit, den Einfluss von Coca-Cola, Nestlé und Co. auf unsere Ernährung konsequent zurückzudrängen, so die Forderung in seinem Buch „Bad Food – Wie wir die Kontrolle über unsere Ernährung zurückgewinnen“, das am 27. August erscheint. Es brauche zum Beispiel eine „Limo-Steuer“, Altersgrenzen für Energydrinks und Junkfood-Werbeschranken, um Kinder zu schützen.

„Die Junkfood-Industrie ist genauso schlimm wie die Tabakkonzerne. Ähnlich wie früher die Zigarettenfirmen bewerben Junkfood-Hersteller ihre ungesunden Produkte massiv, ziehen die Wissenschaft in Zweifel und klagen mit millionenschweren Lobbybudgets weltweit gegen Regulierung. Während wir die Tabakindustrie aus unserem Leben zurückgedrängt haben und immer weniger Menschen rauchen, verkauft die Junkfood-Industrie weiter völlig ungehindert ihre Krankmacher – und nimmt dabei sogar Kinder und Babys ins Visier. Warum lassen wir uns das gefallen?“ so Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland.

Kulturkampf ums Essen lenkt von den eigentlich Einflussreichen ab

In „Bad Food“ analysiert Chris Methmann: Es herrscht eine wahnsinnig gereizte Stimmung beim Thema Ernährung. Veganer:innen streiten sich mit Fleischesser:innen. Rechtspopulist:innen behaupten, uns sollen Insekten untergejubelt oder das Schnitzel verboten werden. Für andere ist gesundes Essen eine Art Religionsersatz geworden. Doch dieser Kulturkampf ums Essen, so die These in „Bad Food“, lenkt nur davon ab, wer wirklich zu großen Einfluss auf unsere Ernährung hat: die Lebensmittelindustrie.

Unternehmen wie McDonald’s, Coca-Cola oder Nestlé müssen ähnlich stark reguliert werden wie Marlboro und Co., fordert Chris Methmann. Durch Maßnahmen wie Preiserhöhungen, Werbebeschränkungen und Rauchverbote sei es gelungen die Tabakindustrie zurückzudrängen: Rauchten in den 1950er-Jahren noch knapp 90 Prozent der Männer, waren es 2021 nur noch 22 Prozent. Dahingegen fehle es am politischen Willen, sich mit der Lebensmittelindustrie anzulegen. Bundesernährungsminister Alois Rainer fühle sich offenbar für das Thema gar nicht erst zuständig.

Dabei gibt es eine breite gesellschaftliche Mehrheit für eine strengere Regulierung. 60 Prozent der Deutschen befürworten zum Beispiel eine „Limo-Steuer“, damit Hersteller weniger Zucker in ihre Getränke mischen. 87 Prozent sprechen sich für eine Altersgrenze bei Energydrinks aus. Und 70 Prozent wären bereit, mehr für Fleisch zu zahlen, wenn die Einnahmen in eine artgerechtere Tierhaltung fließen.

„Die Menschen wollen nicht gesagt bekommen, was sie essen sollen. Sondern sie erwarten von den Verantwortlichen eine wirkungsvolle Ernährungspolitik“, so Chris Methmann. Sein Plädoyer: „Statt uns beim Essen ständig selbst ein schlechtes Gewissen zu machen oder uns gegenseitig über unsere Essgewohnheiten in die Haare zu kriegen, müssen wir endlich diejenigen in die Schranken weisen, die wirklich bestimmen, was auf unserem Teller landet: die Junkfood-Industrie!“


„Bad Food – Wie wir die Kontrolle über unsere Ernährung zurückgewinnen“ von Chris Methmann erscheint am 27. August im Ullstein-Verlag: https://www.ullstein.d…3550204913


 

Quellen und weiterführende Informationen:

Quelle: foodwatch e.V.

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