Start / Verbraucher / Energiepreise und Nahostkonflikt – Wie hängen sie zusammen?

Energiepreise und Nahostkonflikt – Wie hängen sie zusammen?

Der Nahostkonflikt hat direkten Einfluss auf die weltweiten Energiepreise. Besonders Öl und Gas reagieren empfindlich auf politische Spannungen in dieser Region, da sie zu den wichtigsten Fördergebieten der Welt gehört.

Warum der Nahostkonflikt die Energiepreise beeinflusst

Länder im Nahen Osten zählen zu den größten Produzenten von Erdöl. Schon die Befürchtung von Engpässen reicht aus, um Preise steigen zu lassen. Händler reagieren schnell auf Risiken – oft noch bevor tatsächlich etwas passiert. Ein zentraler Punkt ist hier die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Öltransportrouten weltweit. Wird sie bedroht oder blockiert, steigen die Preise oft sofort.

Auswirkungen auf Verbraucher

Auch in Deutschland sind die Folgen spürbar. Höhere Spritpreise, steigende Heizkosten und längerfristig indirekt teurere Lebensmittel und andere Produkte. Energiepreise wirken sich auf fast alle Lebensbereiche aus. Der Nahostkonflikt ist ein entscheidender Faktor für die Entwicklung der Energiepreise. Selbst entfernte Konflikte können sich direkt auf den Alltag in Deutschland auswirken – vor allem an der Tankstelle und bei den Heizkosten. Die Verbraucherzentrale NRW hat nachfolgend einige Informationen zusammengestellt, worauf man bei Gas- und Ölpreisen jetzt achten sollte.

Energiepreise unter Druck: Folgen des Nahostkonflikts

Der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran wirkt sich immer stärker auf die internationalen Energiemärkte aus. Die Preise für Öl und Erdgas sind deutlich gestiegen. „Für Verbraucher:innen bedeutet das jedoch nicht automatisch sofort höhere Gaspreise im eigenen Vertrag. Zwischen Börsenpreisen und Tarifen für Haushalte liegt oft eine zeitliche Verzögerung“, sagt Christina Wallraf, Energieexpertin der Verbraucherzentrale NRW. „Allerdings beobachten wir seit kurzem eine Veränderung bei Neukundentarifen auf den Vergleichsportalen. Die höheren Preise an den Gasbörsen durch den Irankrieg werden nun von vielen Anbietern eingepreist.“ Bei bestehenden Verträgen kann dies relevant werden, wenn Preisgarantien auslaufen und Verbraucher:innen eine Preiserhöhung bekommen. Worauf aktuell bei den Energiepreisen zu achten ist, und wie man langfristig unabhängiger wird, hat die Verbraucherzentrale NRW in vier Tipps zusammengestellt.

Gasvertrag prüfen

Wer mit Gas heizt, sollte den eigenen Gasvertrag überprüfen. Wichtig sind dabei Preisniveau, Vertragslaufzeit und, sofern vorhanden, die Preisgarantie. Sie legt fest, wie lange der aktuelle Preis stabil bleibt. Läuft sie bald aus, kann der Anbieter den Preis erhöhen, indem er ein Preiserhöhungsschreiben verschickt. Man sollte deshalb prüfen, wann die Preisgarantie endet. Wenn sie bald ausläuft, sollten sich Haushalte bei ihrem aktuellen Anbieter nach Verlängerungsoptionen mit Preisgarantie erkundigen. Ein neuer Vertrag mit längerer Preisgarantie schafft Planungssicherheit für den nächsten Winter. Bietet der bisherige Anbieter keine attraktiven Tarife an, ist ein Anbieterwechsel sinnvoll. Die günstigsten Tarife beginnen bei etwa zehn Cent pro Kilowattstunde, Anfang März waren es noch acht Cent. Um günstige Tarife zu finden, sollte man die Filter in Vergleichsportalen nutzen, aber insbesondere den Bonus und die „direkte Wechselmöglichkeit“ herausnehmen.

Heizölpreise beobachten

Die Heizölpreise sind rasant gestiegen, und sie schwanken besonders stark. Bei einer Bestellung von 3.000 Litern kostet Heizöl aktuell etwa 145 Euro pro 100 Liter. Preise in dieser Größenordnung gab es letztmalig in der Energiekrise im Herbst 2022. Haushalte, deren Tanks noch bis zum Ende der aktuellen Heizsaison ausreichend gefüllt sind, können mit der Bestellung warten. Wer einen Tank hat, der weniger als 15 Prozent gefüllt ist, sollte bald bestellen. Eine kleinere Bestellmenge ist dann sinnvoll. Wichtig ist außerdem ein Preisvergleich. Vor der Bestellung sollte man die Seriosität des Händlers prüfen. Dazu bietet sich der Fakeshopfinder der Verbraucherzentrale an.

Blick auf die Fernwärmepreise

Gas ist der Energieträger, der für die Erzeugung von Fernwärme am häufigsten genutzt wird. Allerdings passen die meisten Fernwärmeanbieter ihre Preise nur einmal jährlich an. Die Preise vieler Fernwärmekunden werden daher oftmals vorerst stabil bleiben, die Preiserhöhung käme dann mit einer Verzögerung von etwa einem Jahr. Wie stark die Preise steigen könnten, hängt neben der Dauer der Krise von den Preisindizes ab, anhand derer Fernwärmeanbieter ihre Preisentwicklung berechnen. Mit den Preisindizes legen Anbieter fest, welche Energieträger zu welchen Anteilen die Preise beeinflussen. Viele Fernwärmekunden sind Mieter:innen. Bei ihnen dürften sich höhere Preise erst in zwei Jahren mit der Nebenkostenabrechnung bemerkbar machen.

Langfristig unabhängiger werden

Der derzeitige Nahost-Konflikt zeigt, wie stark Energiepreise von weltpolitischen Entwicklungen abhängen. Deshalb kann es sinnvoll sein, langfristig unabhängiger zu werden. Eigentümer:innen können etwa über alternative Heizsysteme wie eine Wärmepumpe nachdenken. Auch eine bessere Gebäudedämmung kann helfen. Sie senkt dauerhaft den Energieverbrauch. Energieberater:innen und Heizungsfachbetriebe können passende Lösungen aufzeigen. Zudem gibt es häufig staatliche Förderprogramme. Wer so plant, reduziert langfristig das Risiko steigender Energiekosten.

Weiterführende Informationen:

Markiert:

Magazin

Neue Artikel