Immer mehr Bilder von Kindern werden in sozialen Netzwerken, Blogs und Messenger-Diensten geteilt. Was oft als harmlose Erinnerung gedacht ist, kann jedoch weitreichende Folgen haben. Einmal veröffentlichte Fotos lassen sich kaum kontrollieren und können dauerhaft im Internet verbleiben. Erst kürzlich wurde der Fotoanbieter Portraitbox Opfer eines Cyberangriffs, zig-tausende Kinderfotos aus Schul- und Kindergartenfotografie landeten so bei Cyberkriminellen.
Risiken durch Veröffentlichung
Kinderfotos im Netz können missbraucht werden – etwa durch unbefugtes Kopieren, Manipulation oder die Nutzung in fremden Kontexten. Auch Identitätsdiebstahl und das sogenannte „Sharenting“ (das häufige Teilen von Kinderbildern durch Eltern) stehen zunehmend in der Kritik. Besonders problematisch ist, dass Kinder selbst oft keine Zustimmung zur Veröffentlichung geben können. In Deutschland gilt das Recht am eigenen Bild (§ 22 Kunsturhebergesetz). Bei Minderjährigen entscheiden in der Regel die Eltern, dennoch sollte stets das Persönlichkeitsrecht des Kindes berücksichtigt werden. Schulen, Vereine und Plattformen empfehlen zunehmend, Gesichter unkenntlich zu machen oder ganz auf die Veröffentlichung zu verzichten.
Social-Media-Aktionswoche #KinderSindKeinContent
Mit der Social-Media-Aktionswoche #KinderSindKeinContent senden die Initiativen klicksafe und SCHAU HIN! vom 15. bis 21. Juni gemeinsam mit vielen Partner-Institutionen eine klare Botschaft für mehr Kinderschutz im Netz
„Oh, wie niedlich!“ – wer Kinderbilder postet erhält meist positive Reaktionen und viele Likes in Social Media. „Sharenting“ beschreibt das Phänomen, wenn Eltern Bilder ihrer Kinder öffentlich teilen. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „to share“ (teilen) und „parenting“ (Elternschaft) zusammen. Dahinter steht meist der Wunsch, Andere an schönen oder besonderen Momenten aus dem Familienalltag teilhaben zu lassen.
Ein sensibler und verantwortungsvoller Umgang mit Kinderaufnahmen im Internet wird jedoch immer wichtiger, denn die Missbrauchsgefahr wird durch KI-Programme immer größer. Kinderbilder werden unter anderem für Betrug, Erpressung und zur Erstellung von sexualisierten Aufnahmen zweckentfremdet. Wer Aufnahmen von Kindern veröffentlicht, muss wissen, dass dies auch langfristig noch unerwünschte Folgen für das Kind haben kann – das Netz vergisst nichts.
Mit der Aktionswoche #KinderSindKeinContent vom 15. bis 21. Juni 2026 möchte klicksafe gemeinsam mit SCHAU HIN! und vielen Partner*innen deshalb Eltern, weitere Familienmitglieder und andere Bezugspersonen, für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Kinderbildern sensibilisieren. Beide Initiativen geben dazu konkrete Tipps, bieten verständliche Einordnungen und teilen regelmäßig Informationen auf den Social-Media-Kanälen. Auf der Landingpage zur Aktionswoche bündelt klicksafe Aufklärungsvideos, Webinar-Angebote und kompakte Materialien für Eltern und weitere Verantwortliche.
Passend zum Thema veröffentlicht klicksafe ein Faltblatt mit Checkliste, dass Eltern dabei unterstützen soll, vor dem Posten bewusst abzuwägen und die Risiken besser einzuschätzen. Ergänzt wird die Kampagne zudem durch ein Webseminar des deutschen Safer Internet Centre am 25.06 von 14:00-15:30 Uhr sowie durch die Angebote und Materialien vieler Partner-Initiativen, -Institutionen und -Projekte, die sich mit dem Schutz von Kindern im Netz beschäftigen.
Zu den Zielen der Kampagne äußern sich die Expertinnen von klicksafe und SCHAU HIN!: „Kinder brauchen geschützte Räume für ihre Entwicklung – offline wie online. Wenn Fotos oder Videos von Kindern im Netz veröffentlicht werden, greifen wir in ihre Privatsphäre und ihre zukünftige digitale Identität ein. Die Aktionswoche #KinderSindKeinContent macht deutlich: Kinder sind keine Reichweitenstrategie und kein Content, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Rechten und haben Anspruch auf Schutz und Respekt“, sagt Deborah Woldemichael, Teamleitung klicksafe bei der Medienanstalt Rheinland-Pfalz.
Dr. Iren Schulz, promovierte Medienpädagogin und SCHAU HIN!-Mediencoach: „Jeden Tag werden Kinderfotos online geteilt – oft voller Stolz und mit den besten Absichten. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass nicht nur freizügige Aufnahmen, sondern auch alltägliche Bilder vom Spielplatz oder Familienausflug in die falschen Hände geraten können und für missbräuchliche Zwecke verwendet werden. Was einmal online ist, lässt sich kaum noch kontrollieren. Gerade weil digitale Medien längst zum Familienalltag gehören, müssen sich Eltern und Bezugspersonen der Risiken bewusst sein und aktiv für den Schutz ihrer Kinder eintreten. Die Aktionswoche #KinderSindKeinContent setzt genau hier an: Sie sensibilisiert und gibt konkrete Orientierung.“
Quelle: klicksafe c/o Medienanstalt Rheinland-Pfalz

















