Die Beziehung zwischen Mensch und Hund zählt zu den ältesten und engsten Partnerschaften zwischen Mensch und Tier. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Domestizierung des Hundes vor mindestens 14.000 Jahren begann, möglicherweise sogar deutlich früher.
Der Hund gilt damit als das erste vom Menschen domestizierte Tier. Vermutlich näherten sich die Vorfahren der heutigen Hunde, die Wölfe, den menschlichen Siedlungen auf der Suche nach Nahrung an. Mit der Zeit entwickelte sich eine gegenseitige Beziehung: Die Tiere profitierten von Nahrungsresten, während die Menschen von den guten Sinnen und den Schutzinstinkten der Hunde profitierten.
Zwei neue Studien, die im März in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurden, zeigen, dass Hunde bereits vor über 14.000 Jahren genetisch von Wölfen getrennt waren und eng mit Menschen zusammenlebten.
Die genetischen Daten zeigen, dass Hunde durch Menschen über weite Regionen in Europa und Anatolien verbreitet wurden, was auf frühe Formen von Austausch oder Handel hindeutet. Sie lebten bereits mit eiszeitlichen Jäger-und-Sammler-Gruppen zusammen – also lange bevor Ackerbau und Sesshaftigkeit entstanden. Vermutlich spielten sie eine Rolle bei Jagd, Schutz, Transport und Ritualen.
Die neuen Funde und genetischen Analysen zeigen sehr deutlich, wie schwierig es ist, frühe Hunde von Wölfen zu unterscheiden – und warum die Domestikation so lange wissenschaftlich umstritten war. Frühsteinzeitliche Wolf- und Hundeskelette ähneln sich morphologisch stark, besonders wenn nur einzelne Zähne oder Schädelteile erhalten sind. Die DNA-Analyse zeigt häufig: Viele sehr frühe angebliche Hunde sind genetisch eindeutig Wölfe.
Vor etwa 10.900 Jahren unterschieden sich Hunde genetisch bereits sehr deutlich von Wölfen. Also muss die Domestikation tausende Jahre früher begonnen haben, wahrscheinlich vor 25.000 bis 12.000 Jahren.
Ein Team um Anders Bergström von der University of East Anglia in Norwich hat die DNA aus 216 Skelettresten aus Europa analysiert. Der älteste von ihnen genetisch bestätigte Hund ist 14.200 Jahre alt und wurde in der Kesslerloch-Höhle in der Schweiz gefunden. Er zeigt klar hundetypische Merkmale und unterscheidet sich deutlich von zeitgleich lebenden Wölfen. Er gehört zu einer Population, die später in Europa weit verbreitet war. Noch ältere Exemplare identifizierte ein zweites Forschungsteam vom Natural History Museum in London: einen 15.800 Jahre alten Hund aus Pınarbaşı in der Türkei sowie ein 14.300 Jahre altes Tier aus der Gough’s Cave in England.
Beide neue Studien stützen ein Modell, nach dem Hunde bereits in der späten Eiszeit in Jägerund-Sammler-Gesellschaften lebten, lange bevor Ackerbau und Sesshaftigkeit entstanden. Es gab bereits vor mindestens 14.300 Jahren eine einheitliche Hundepopulation, die sich über ganz Europa und Teile Westasiens verbreitet hatte. Diese Hunde waren also nicht lokal entstanden, sondern wurden von Menschen über große Distanzen mitgeführt. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass Hunde schon damals fester Bestandteil mobiler Jäger-und-SammlerGruppen waren. Menschen kümmerten sich damals wie heute um ihre Hunde.
Die Studien können das Aussehen früher Hunde nicht rekonstruieren. Das Erbmaterial kann Verhalten und Abstammung verraten, aber nicht Fellfarbe oder Körperform im Detail. Sicher ist, es waren keine kleinen, gezüchteten Rassen wie Zwergspitze oder Möpse. Frühe Hunde ähnelten vermutlich mittelgroßen, wolfsähnlichen Tieren mit Eigenschaften, die für Jagd, Schutz und Kooperation nützlich waren.
Mit der Landwirtschaft begann eine zweite Phase der Hundeevolution, geprägt durch neue Aufgaben und Lebensweisen. Mit ihr veränderten sich Tätigkeiten, Ernährung und Mobilität der Menschen – und damit auch der Hunde. Genetische Signaturen deuten auf Anpassungen an stärkehaltige Nahrung, engere Bindung an Siedlungen und neue Aufgaben hin.
Die Entstehung des ersten Hundes war ein langer Prozess. Das Zusammenleben mit Hunden hat vermutlich auch unsere Vorfahren verändert. Deren Angst vor Wölfen verwandelte sich in Zuneigung zum Hund, der neuen Spezies. Die faszinierende Geschichte des Zusammenlebens von Mensch und Hund nahm ihren Lauf.
Quellen:
https://nationalgeographic.de/tiere/2026/04/der-mensch-lebt-schon-laenger-mit-hunden-zusammen-alsbisher-angenommen/
Anders Bergström (University of East Anglia, Norwich, UK) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-02610112-7
William Marsh (Natural History Museum, London, UK) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10170-x
Quelle: DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e. V. – Internet: www.dgk.de

















