Die Abenteuer von Kiko, dem kleinen weißen Kocher
Es war einmal ein kleiner, fröhlicher Fluss namens Kiko. Viele kannten ihn als den Weißen Kocher, aber seine Freunde durften ihn einfach Kiko nennen. Kiko plätscherte durchs Tal, glitzerte in der Sonne und sprudelte vor Neugier und Abenteuerlust.
Ein geheimnisvoller Morgen
Eines Morgens bemerkte Kiko etwas Seltsames: Seine Wasseroberfläche glitzerte nicht nur silbern wie immer, sondern in allen Regenbogenfarben!
„Huch!“, rief Kiko überrascht. „Hab ich heute Geburtstag? Oder hat die Sonne einen Zaubertrick gelernt?“
Doch da schwamm schon Finni, der kleine Bachforellenfreund, heran.
„Kiko! Kiko! Du leuchtest ja bunt wie ein Märchenfluss! Was ist passiert?“
Kiko zuckte mit den Wellen. „Keine Ahnung! Aber ich habe eine Idee: Wir gehen auf Spurensuche!“
Auf zu Enten-Kapitän Quaks
Die beiden schwammen und paddelten bis zum großen Weidenbaum, wo Kapitän Quaks, der klügste Erpel weit und breit, sein Nest hatte.
„Kapitän!“, rief Finni. „Unser Kiko ist bunt!“
Der Erpel rückte seine Flügelkappe zurecht. „Bunt? Dann habt ihr sicher den Schimmerstein gesehen! Alle hundert Jahre fällt er vom Himmel und landet immer im klarsten und saubersten Wasser. Und das ist – natürlich – Kiko, der Weiße Kocher!“
Kiko blubberte und war mächtig stolz.
„Der Schimmerstein erfüllt dem Fluss, der ihn trägt, einen Wunsch“, erklärte Quaks.
„Nur einen?“, fragte Kiko.
„Einen, aber einen guten“, nickte Quaks.
Kiko dachte nach. Er hätte sich breiter machen können, tiefer, lauter, schneller, mächtiger. Doch dann fiel ihm ein, was ihm wirklich am Herzen lag.
„Ich weiß, was ich mir wünsche“, sagte er leise, aber entschlossen.
Er wünschte sich, dass alle Tiere und Pflanzen an seinen Ufern und in seinem Wasser immer genug Platz, Ruhe und sauberes Wasser hätten.
Keiner sollte sich sorgen müssen, nicht die Entenfamilie, nicht die Libellen, nicht die Forellen — nicht einmal das kleinste Wasserschneckenbaby.
Ein Fluss voller Freunde
In diesem Moment wurde Kiko heller und heller, bis sein Glitzern wie tausend Sterne funkelte.
Da riefen die Tiere, die inzwischen neugierig hinzugekommen waren:
„Hurra! Kiko hat den besten Wunsch gewählt! Einen fürs ganze Tal!“
Von nun an war der Weiße Kocher nicht nur ein fröhlicher Fluss, sondern auch ein Schutzfluss für alle Tiere, die in seinem Wasser leben, denn Wasser ist Leben und Freundschaft ist – nicht nur für einen, sondern für alle.
Und wenn du einmal an Kiko’s Ufer kommst …
… dann hör gut hin.
Vielleicht hörst du dann sein leises Kichern, sein Plätschern und siehst ihn glitzern.
Und vielleicht erzählt er auch dir sein Geheimnis — von Mut, Freundschaft und einem Wunsch, der nicht nur ihn, sondern die ganze Welt ein kleines bisschen heller macht.
Der Kocher
Der Fluss entspringt in Baden-Württemberg in der östlichen Schwäbischen Alb nahe dem Albtrauf aus mehreren Karstquellen im Jura. An einer südlich von Oberkochen an der Bundesstraße 19 gelegenen entspringt der Schwarze Kocher, an einer anderen, wenig östlich von Unterkochen, der Weiße Kocher. Beide Quellen sind beliebte Ausflugsziele





