Stillen ist die beste Ernährungsform für Säuglinge, doch nicht immer ist Vollstillen möglich oder gewünscht. Die ersten Lebensmonate stellen die Weichen für eine gesunde Entwicklung. Ob Stillen, Flaschennahrung oder Beikost – entscheidend ist eine Ernährung, die den Bedürfnissen des Kindes entspricht. Dieser Newsletter informiert über bewährte Empfehlungen und ordnet die aktuelle Diskussion um Produktrückrufe bei Säuglingsnahrungen ein.
Stillen bleibt erste Wahl – am besten ohne starren Zeitplan
Muttermilch ist die natürliche und biologisch optimale Ernährung für gesunde Säuglinge. Sie liefert nicht nur Energie und Nährstoffe, sondern auch viele bioaktive Substanzen und unterstützt hierdurch die Entwicklung des Immunsystems, des kindlichen Darms und des Gehirns. Nach den aktuellen Empfehlungen europäischer Fachgesellschaften ist ausschließliches Stillen für gesunde Babys für die Dauer von 4 bis 6 Monaten die beste Ernährungsform.
Doch nicht jede Mutter kann oder möchte voll stillen. Medizinische Gründe, individuelle Lebensumstände oder persönliche Entscheidungen können dazu führen, dass zusätzlich oder gänzlich mit Flaschennahrung gefüttert wird.
„Eltern brauchen Empfehlungen, die Orientierung geben, ohne zusätzlichen Druck aufzubauen. Jede Form der altersgerechten Ernährung, die den Bedürfnissen von Kind und Familie entspricht, verdient Unterstützung“, erklärt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.
Anfangsnahrung, Folgenahrung – wo liegt der Unterschied?
Kann oder möchte nicht voll gestillt werden, sind industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrungen die richtige und sichere Alternative. Sowohl sogenannte Pre-Nahrungen als auch 1-Nahrungen sind für das gesamte erste Lebensjahr geeignet. Während Pre-Nahrungen ausschließlich Milchzucker enthalten, können in 1-Nahrungen zusätzlich weitere Kohlenhydrate zum Einsatz kommen. Beide Produkte können nach Bedarf gefüttert werden und decken zuverlässig den Nährstoffbedarf gesunder Säuglinge. Als Standard werden Anfangsnahrungen auf Basis von Kuhmilcheiweiß empfohlen, auch Ziegenmilcheiweiß ist geeignet. Produkte auf Sojaeiweißbasis kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz, zum Beispiel wenn medizinische Gründe dies erfordern oder sich Familien aus weltanschaulichen Gründen dafür entscheiden.
Folgenahrungen (2-Nahrungen) sind erst für Kinder geeignet, die bereits Beikost erhalten. Sie dürfen weniger Eiweiß und mehr Eisen enthalten und können damit besser an den sich mit zunehmendem Alter geänderten kindlichen Nährstoffbedarf angepasst sein.
Die Zusammensetzung von Säuglings- und Folgenahrungen unterliegt in der Europäischen Union strengen gesetzlichen Vorgaben. Dadurch wird sichergestellt, dass alle zugelassenen Produkte hohe Anforderungen an Qualität, Nährstoffgehalt und Sicherheit erfüllen. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Produkten, z.B. hinsichtlich des Eiweißgehaltes, welcher für eine gesunde Gewichtsentwicklung eher niedrig sein sollte, oder des empfohlenen Gehaltes der ungesättigten Fettsäuren. Bei Fragen kann hier die kinder- und jugendärztliche Beratung weiterhelfen.
Sichere Zubereitung: Wasser, Temperatur, Aufbewahrung
Ebenso wichtig wie die Auswahl der geeigneten Nahrung ist deren hygienische Zubereitung. Pulvermilch sollte grundsätzlich erst kurz vor dem Füttern zubereitet werden. Bereits zubereitete oder angebrochene Flaschennahrung bietet Keimen günstige Wachstumsbedingungen und sollte deshalb nicht länger als zwei Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Nicht verbrauchte Reste gehören konsequent entsorgt.
Zur Zubereitung eignet sich frisches Trinkwasser. Hat Wasser längere Zeit in der Leitung gestanden, sollte man dieses laufen lassen, bis frisches kaltes Wasser austritt. In Gebäuden mit Bleileitungen oder bei erhöhten Nitratwerten sollte stattdessen geeignetes abgefülltes Wasser verwendet werden, das ausdrücklich für die Herstellung von Säuglingsnahrung ausgewiesen ist. Von haushaltsüblichen Wasserfiltern wird abgeraten, da sie die Keimbelastung erhöhen können.
Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung sollte frisches Wasser verwendet werden, das auf Trinktemperatur erwärmt wurde. Alternativ eignet sich zuvor abgekochtes und ausreichend abgekühltes Wasser. Das Anrühren mit sehr heißem Wasser wird nicht empfohlen, da dadurch Gehalte empfindlicher Nährstoffe beeinträchtigt werden können und gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für Verbrühungen besteht. Eine sorgfältige Reinigung von Flaschen und Saugern nach jeder Mahlzeit sowie eine trockene Aufbewahrung sind ausreichend. Zusätzliche Maßnahmen wie Auskochen oder Sterilisieren sind bei gesunden Säuglingen in der Regel nicht erforderlich.
Der richtige Zeitpunkt für Beikost
Mit zunehmender Entwicklung des Kindes reicht Milch allein nicht mehr aus, um den steigenden Nährstoffbedarf vollständig zu decken. Die Einführung von Beikost sollte deshalb frühestens mit Beginn des fünften und spätestens zu Beginn des siebten Lebensmonats erfolgen. Der individuelle Zeitpunkt richtet sich nach der individuellen motorischen Entwicklung und dem Interesse des Kindes am Essen.
Sowohl selbst zubereitete als auch industriell hergestellte Beikost erfüllen bei sachgerechter Herstellung die Anforderungen an eine ausgewogene Ernährung. Ab dem zehnten Lebensmonat kann die Ernährung nach und nach um Speisen aus der Familienkost erweitert werden.
Produktrückrufe sorgen für Verunsicherung
Seit Ende des Jahres 2025 wurden einzelne Chargen von Säuglings- und Folgenahrungen vorsorglich zurückgerufen, nachdem in bestimmten Produkten das hitzestabile Toxin Cereulid nachgewiesen worden war. Bei einer Aufnahme größerer Mengen von Cereulid können besonders junge Säuglinge innerhalb weniger Stunden nach dem Trinken mit Beschwerden wie Erbrechen, Spucken, Bauchschmerzen oder seltener mit Durchfall reagieren. Wurde das Toxin gefunden, lagen die Konzentrationen meist im Bereich der als gesundheitlich unbedenklich eingestuften Werte. Nur einzelne Proben überschritten die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit definierten, als unbedenklich angesehenen Schwellenwerte.
Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten besteht selbst bei einem möglichen Kontakt mit den betroffenen Produkten kein Hinweis auf anhaltende gesundheitliche Schäden. Dennoch machen die Ereignisse deutlich, wie wichtig konsequente Qualitätskontrollen entlang der gesamten Produktionskette sind.
„Produktrückrufe sollten Eltern nicht dazu verleiten, auf Lebensmittel auszuweichen, die für Säuglinge nicht geeignet sind“, betont Professor Koletzko. „Handelsübliche Kuhmilch sowie pflanzliche Milchalternativen erfüllen die besonderen Ernährungsanforderungen im ersten Lebensjahr nicht. Kann ein Kind nicht oder nicht vollständig gestillt werden, bleiben Säuglingsanfangsnahrungen die empfohlene und sichere Ernährungsform.“
Quelle: Stiftung Kindergesundheit
















