Wenn die Temperaturen steigen, werden Fenster und Balkontüren häufiger geöffnet. Was für Erwachsene selbstverständlich ist, kann für Kleinkinder jedoch schnell zur lebensbedrohlichen Gefahr werden. Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu schweren Unfällen, bei denen Kinder aus Fenstern oder von Balkonen stürzen. Viele dieser Unfälle enden mit schweren Verletzungen, manche sogar tödlich. Dabei lassen sich die meisten Fensterstürze durch einfache Vorsichtsmaßnahmen verhindern. Darauf weist die Aktion Das sichere Haus (DSH) hin und informiert, dass schon einfache Maßnahmen Kinder im Lauflernalter vor Fensterstürzen schützen können.
Anfang Mai erschütterten gleich zwei schwere Fensterstürze die Öffentlichkeit. In München starb ein dreijähriger Junge, nachdem er aus einem Fenster in die Tiefe gestürzt war. In Hamburg erlitt ein einjähriges Mädchen beim Sturz aus dem zweiten Stock schwerste Verletzungen. Solche tragischen Ereignisse zeigen, wie schnell aus einem alltäglichen Moment eine lebensbedrohliche Situation werden kann. (Quelle: Aktion Das sichere Haus – DSH)
Kinder erkennen Gefahren nicht
Vor allem Kleinkinder sind neugierig und erkunden ihre Umgebung mit großem Entdeckerdrang. Sie können Risiken jedoch noch nicht richtig einschätzen. Ein geöffnetes Fenster wird von ihnen oft als spannende Möglichkeit gesehen, nach draußen zu schauen oder zu klettern.
Bereits wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit können ausreichen, damit ein Kind auf einen Stuhl, ein Sofa oder ein Regal klettert und anschließend aus einem geöffneten Fenster stürzt. Besonders gefährlich sind Wohnungen in höheren Stockwerken, doch auch Stürze aus geringer Höhe können schwere Verletzungen verursachen.
Möbel vor Fenstern erhöhen das Risiko
Eine der häufigsten Unfallursachen sind Möbelstücke, die direkt vor Fenstern stehen. Betten, Sofas, Kommoden oder Regale dienen Kindern als Kletterhilfe und ermöglichen ihnen den Zugang zu geöffneten Fenstern.
Eltern und Betreuungspersonen sollten deshalb darauf achten, dass sich keine Möbel oder andere Gegenstände in Fensternähe befinden, die Kindern als Aufstiegshilfe dienen könnten.
Fliegengitter bieten keinen Schutz
Viele Menschen unterschätzen die Gefahr von Fliegengittern oder Insektenschutznetzen. Diese sind ausschließlich dafür vorgesehen, Insekten fernzuhalten. Sie können das Gewicht eines Kindes nicht tragen und reißen bei Belastung meist sofort.
Kinder dürfen daher niemals unbeaufsichtigt in der Nähe von Fenstern mit Fliegengittern spielen oder stehen.
Fenster kindersicher machen
Eine wirksame Möglichkeit, Fensterstürze zu verhindern, sind spezielle Sicherheitsvorrichtungen. Dazu gehören:
- Abschließbare Fenstergriffe
- Fenster- und Türsicherungen für Kinder
- Begrenzungen, die das Fenster nur einen kleinen Spalt öffnen lassen
- Kindersicherungen für Balkontüren
Solche Systeme verhindern, dass Kinder Fenster selbstständig öffnen oder weit genug öffnen können, um hindurchzuklettern.
Aufsicht bleibt unverzichtbar
Technische Sicherungen können helfen, ersetzen jedoch niemals die Aufsicht durch Erwachsene. Kinder sollten insbesondere in Räumen mit geöffneten Fenstern oder auf Balkonen niemals unbeaufsichtigt gelassen werden.
Auch kurze Unterbrechungen, etwa ein Telefonanruf oder der Gang in einen anderen Raum, können ausreichen, damit ein Unfall geschieht.
Balkon und Terrasse nicht vergessen
Nicht nur Fenster stellen eine Gefahr dar. Auch Balkone können für Kinder riskant sein. Kletterbare Gegenstände sollten nicht in Geländernähe stehen. Zudem dürfen die Abstände zwischen Geländerstäben nicht groß genug sein, damit Kinder hindurchrutschen können.
Eltern sollten regelmäßig prüfen, ob Balkonmöbel oder Blumenkästen als Kletterhilfe genutzt werden könnten.
Fazit
Fensterstürze gehören zu den schwersten und tragischsten Haushaltsunfällen bei Kindern. Die gute Nachricht: Viele dieser Unfälle lassen sich durch einfache Maßnahmen verhindern. Kindersicherungen tragen entscheidend dazu bei, Kinder vor lebensgefährlichen Stürzen zu schützen. Gerade in den warmen Monaten lohnt es sich, die eigenen vier Wände auf mögliche Gefahrenquellen zu überprüfen.
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