Funde von Asbest in Spielsand sorgen immer wieder für Besorgnis. Der gefährliche Stoff kann feine Fasern freisetzen, die beim Einatmen gesundheitsschädlich sind. Besonders Kinder sind gefährdet, da sie beim Spielen Staub aufwirbeln und näher am Boden sind. Langfristig kann der Kontakt zu Erkrankungen wie Asbestose führen. Eltern sollten daher auf geprüften, zertifizierten Spielsand achten und bei Verdacht die Nutzung sofort einstellen.
Untersuchung der Stiftung Warentest
Sicherheitsgefahr Asbest in Kinderspielzeug und Bastelsand
Krebserregend, verboten – und trotzdem in Spielzeug: Stiftung Warentest hat 18 bunte Spiel- und Bastelsande untersucht, in sechs davon stecken potenziell krebserregende Asbestfasern. Wer solche Produkte zu Hause hat, sollte sie nicht mehr benutzen.
Stiftung Warentest hat 18 bunte Spiel- und Bastelsande aus dem Handel untersucht – alles Produkte, die in kleinen Verpackungseinheiten zum Gebrauch in Innenräumen verkauft werden, zum Beispiel als Spielsand für Kinder oder als Dekosand, etwa zum Befüllen von Glasflaschen, Bekleben von Bildern oder als Füllung in dehnbaren Actionfiguren. In sechs der getesteten Produkte fanden die Labore Asbest, eine Mineralfaser, die beim Einatmen Krebs erzeugen kann.

Welche Produkte sind betroffen?
- Dekosand dunkelblau von Heku
Dieses Produkt war am stärksten belastet. Der Sand enthielt zwei Asbestarten: Tremolit mit etwa 1 bis 5 Prozent und Chrysotil mit sehr unterschiedlichem Massenanteil: Während es in einer Probe nicht nachweisbar war, betrug der Anteil in einer anderen Probe etwa 1 bis 5 Prozent.
Bei den folgenden fünf Produkten fand die Stiftung Warentest das Asbestmineral Tremolit mit einem Massenanteil von jeweils unter 1 Prozent.
- Deco Farbsand pink der Eurosand GmbH
- Deko-Sand von idee Creativmarkt
- SabLimage Sandbilder Mini Tiere von Sentosphère
- Pei You Toy Sand Painting
- Magischer Space Sand lila von Moses Verlag GmbH
Die Produkte von Heku und Pei You Toy stammen aus China, der Sand von Eurosand laut Anbieter aus Deutschland und Italien. Die anderen drei Anbieter machen dazu keine Angaben.
Was diese Mengen im Alltag bedeuten, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Ein Massenanteil von 5 Prozent heißt, dass in 100 Gramm Sand rund 5 Gramm Asbest stecken – eine Menge, die viele Millionen einzelner Asbestfasern enthalten kann. Selbst der auf den ersten Blick gering wirkende Anteil von unter 1 Prozent entspricht bei einer handelsüblichen Packung noch immer Millionen Fasern.
Wie groß ist das Risiko?
Asbest ist seit Jahrzehnten in der EU verboten und gilt als krebserzeugend. Einen Schwellenwert, unterhalb dessen Asbest als unbedenklich gilt, gibt es nicht. Wie groß das Risiko im Einzelfall ist, hängt davon ab, wie viele Fasern über welchen Zeitraum eingeatmet werden – und davon, wie viele Fasern ein Produkt überhaupt freisetzt. Trockene Sande sind dabei problematischer als feuchte: Die Fasern gelangen leichter mit dem Staub in die Luft, wenn der Sand ausgeschüttet oder durchgewühlt wird. Nach Einschätzung von Experten kann dann auch bei kleinen Sandmengen schnell der Richtwert für Innenraumluft von 500 Fasern pro Kubikmeter überschritten werden.
Was müssen Eltern jetzt tun?
„Wer einen der betroffenen Sande zu Hause hat, sollte ihn sofort sicher verschließen und nicht mehr anfassen“, sagt Reiner Metzger von der Stiftung Warentest. „Das Hantieren mit solchen Sanden im losen, trockenen Zustand setzt viele Asbestfasern frei. Also auf Nummer sicher gehen – noch dazu, wenn es sich um Produkte für Kinder handelt.“ Wer die Verpackung bereits geöffnet hat, sollte mit FFP2-Maske und Handschuhen arbeiten: Den Sand leicht anfeuchten, damit er nicht staubt, dann doppelt eingetütet als Sondermüll entsorgen. Oberflächen feucht abwischen, keinesfalls staubsaugen. Wichtig: Gewöhnlicher Sandkastensand ist von den Funden nicht betroffen.
Rückrufe laufen, weitere Untersuchungen folgen
Stiftung Warentest hat die Anbieter der betroffenen Produkte informiert – alle haben reagiert und ihre Produkte aus dem Handel genommen. Ähnliche Funde aus Australien, Neuseeland und den Niederlanden hatten bereits eine internationale Rückrufwelle ausgelöst, die auch in Deutschland verkaufte Produkte betrifft. Da einige Produkte aus dem Online-Handel noch in der Prüfung sind, aktualisiert Stiftung Warentest ihre Untersuchungen fortlaufend. Neue Ergebnisse und Hinweise zur sicheren Entsorgung finden sich unter www.test.de/asbestsand, eine aktuelle Übersicht aller Rückrufe unter www.test.de/asbest-rückruf.
Quelle: Stiftung Warentest
















