Cereulid in Babynahrung: Weltweite Rückrufe erschüttern Vertrauen in Hersteller

Ein gigantischer weltweiter Rückruf von mit dem Bakterientoxin Cereulid belasteter Babynahrung sorgt seit Wochen für große Verunsicherung bei Eltern. Weltweit wurden zahlreiche Säuglingsnahrungsprodukte großer Hersteller zurückgerufen. Im Focus bekannte Marken wie Nestlé, Danone und Lactalis. Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Sicherheit globaler Lieferketten und zur Verantwortung der Unternehmen auf. Auch die Frage, ob seitens der Unternehmen viel zu spät öffentlich reagiert wurde, steht im Raum.

Schon 2017 gab es einen riesigen Rückruf von mit Salmonellen belasteter Babynahrung von Lactalis, 2019 folgte der nächste große Rückruf von Babynahrung in Frankreich, ebenfalls wegen Salmonellen und Vorwürfe zu krebsverdächtigen Mineralölrückständen, die drei unabhängige Labore in Säuglingsmilch von Nestlé und Novalac nachgewiesen hatten.

Ein ganz großes Fragezeichen steht immer wieder dafür, wie die Unternehmen reagieren. Schließlich geht es um Nahrung für Babys, zurecht erwarten Eltern eine schnelle und absolut transparente Information!

Cereulid-Skandal bei Babynahrung – Bild: KI generiert

Was genau ist passiert?

Toxin Cereulid in sensiblen Produkten entdeckt – Cereulid ist ein von bestimmten Stämmen des Bakteriums Bacillus cereus produziertes Toxin. Besonders problematisch: Der Stoff ist hitzestabil und wird weder durch Kochen noch durch die Zubereitung mit heißem Wasser zerstört. Bereits in sehr geringen Mengen kann Cereulid starkes Erbrechen, Durchfall und Kreislaufprobleme verursachen. Für Säuglinge, deren Immunsystem und Stoffwechsel noch nicht vollständig entwickelt sind, gilt das Toxin als besonders gefährlich.

Ursache offenbar gemeinsamer Rohstoff

Nach bisherigen Erkenntnissen geht die Kontamination auf einen gemeinsam genutzten Rohstoff zurück: ein mit Arachidonsäure (ARA) angereichertes Öl, das von einem internationalen Zulieferer stammt und in vielen Säuglingsnahrungen eingesetzt wird. Da dieser Inhaltsstoff von mehreren Herstellern verwendet wurde, weitete sich der Rückruf rasch auf zahlreiche Marken und Länder aus.

Rückrufe in über 60 Ländern

Seit Ende 2025 riefen Unternehmen weltweit betroffene Produkte zurück. Dazu zählen unter anderem SMA, BEBA, NAN, Alfamino (Nestlé) sowie Aptamil (Danone). Nationale Lebensmittelbehörden in Europa, Asien und weiteren Regionen veröffentlichten Warnungen und detaillierte Chargenlisten. In vielen Ländern können Verbraucher die betroffenen Produkte im Handel zurückgeben und erhalten den Kaufpreis erstattet.

Ermittlungen und mögliche Krankheitsfälle

In mehreren Staaten untersuchen Behörden, ob es zu Gesundheitsschäden bei Säuglingen gekommen ist. In Frankreich prüfen Staatsanwaltschaft und Gesundheitsbehörden mögliche Zusammenhänge zwischen dem Konsum belasteter Produkte und schweren Krankheitsverläufen, in Einzelfällen auch Todesfällen. Offizielle Bestätigungen stehen bislang noch aus, dennoch haben Verbraucherschutzorganisationen scharfe Kritik an der Informationspolitik einiger Hersteller geäußert.

Politik reagiert mit strengeren Regeln

Als Reaktion auf den Skandal haben erste Länder angekündigt, die Grenzwerte für Cereulid in Säuglingsnahrung zu verschärfen. Auf EU-Ebene wurde die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beauftragt, neue wissenschaftliche Richtlinien zu erarbeiten. Ziel ist es, einheitliche und verbindliche Standards zu schaffen, um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern.

Was Eltern jetzt tun sollten

Behörden raten Eltern dringend, die Chargennummern und Mindesthaltbarkeitsdaten ihrer Babynahrung zu überprüfen. Betroffene Produkte sollten keinesfalls weiterverwendet werden. Bei Symptomen wie starkem Erbrechen, Durchfall oder Anzeichen von Dehydration sollten Eltern umgehend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Vertrauenskrise für die Branche

Der Cereulid-Skandal gilt bereits jetzt als einer der schwerwiegendsten Vorfälle im Bereich Säuglingsnahrung der vergangenen Jahre. Er macht deutlich, wie verwundbar globale Produktionsketten sind – und wie hoch die Anforderungen an Transparenz und Vorsorge sein müssen, wenn es um die Gesundheit von Babys geht. Für Hersteller steht nicht nur die rechtliche Aufarbeitung, sondern vielmehr das Vertrauen der Verbraucher auf dem Spiel.

Hintergrundinformationen

Nestlé Deutschland AG hatte am 5. Januar 2026 über den Rückruf bestimmter Chargen Babynahrung informiert. Nach Angaben der Verbraucherschutzorganisation foodwatch fanden österreichische Behörden bereits am am 16. Dezember Verunreinigungen mit dem Toxin Cereulid…


Rückrufe von Säuglingsnahrung: foodwatch verklagt Nestlé und Behörden

Im Skandal um verunreinigte Babyprodukte hat foodwatch in Frankreich Klage eingereicht. Der Vorwurf: Unternehmen wie Nestlé und Danone sowie die zuständigen Behörden haben Eltern zu spät gewarnt.

 

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