ÖKO-TEST Vollkornmehle: Viele mit Bestnote, zwei fallen durch

Vollkornmehl wird aus dem ganzen Getreidekorn hergestellt. Das bedeutet, dass Schale, Keim und Mehlkörper enthalten sind – im Gegensatz zu Weißmehl.  Vollkornmehle sind besonders reich an Ballaststoffen, Mineralstoffen, Eiweißen und Vitaminen. Aber welche sind auch frei von Schadstoffen? Im Test bewertet ÖKO-TEST die Mehrzahl der Mehle mit „gut“ oder „sehr gut“. Zwei Produkte fallen durch.   

ÖKO-TEST hat 50 Vollkornmehle aus Roggen, Dinkel und Weizen getestet, darunter 35 Bio-Produkte. Über die Hälfte der Mehle überzeugt. Kritik gibt es für Schwermetall- und Mineralölverunreinigungen, Pestizidspuren und in einem Fall für einen Keimbefund.

Mangelhaft: Aurora Weizenmehl Vollkorn
Ungenügend: Bio Sonne Bio-Mehl Dinkel Vollkorn von Norma

Einige Vollkornmehle im Test erhalten wegen aus ÖKO-TEST-Sicht zu hoher Cadmium- oder Nickel-Gehalte Notenabzug. Das Bio Sonne Bio-Mehl Dinkel Vollkorn von Norma ist laut ÖKO-TEST gleich mit beiden giftigen Schwermetallen belastet. Während Cadmium vor allem die Nieren schädigen kann, beeinträchtigt Nickel laut Tierstudien die Fortpflanzung und Entwicklung. Norma hat angekündigt, die getesteten Chargen aus dem Markt zu nehmen.

In Sachen Mineralverunreinigungen fällt besonderes das Aurora Weizenmehl Vollkorn negativ auf. ÖKO-TEST kritisiert einen aus ihrer Sicht erhöhten Gehalt an aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH). MOAH zählen zu einer großen Stoffgruppe an Mineralölbestandteilen, von denen einige krebserregend sein können. Im Bio Sonne Bio-Mehl Dinkel Vollkorn und im Campo Verde Dinkel Mehl Vollkorn, Demeter wurden außerdem aus ÖKO-TEST-Sicht erhöhte Gehalte an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoga) nachgewiesen. Sie können sich im menschlichen Körper anreichern – mit bislang unklaren Folgen.

Auch ein Keimbefund taucht im Test auf: Das Spielberger Mühle Weizenvollkornmehl, Demeter ist mit Shigatoxin-bildenden Escherichia (E.) coli, kurz STEC, belastet. STEC gehören zu den krank machenden unter den E.coli-Bakterien und können beim Menschen durch die Bildung starker Zellgifte schwere Darmentzündungen verursachen. Die Untersuchungsämter stufen kontaminierte Mehle nicht als gesundheitsschädlich ein – vorausgesetzt, ein Hinweis ist aufgedruckt, dass Getreidemehle, Backmischungen und Teige nicht zum Rohverzehr bestimmt sind und gut durcherhitzt werden müssen. Dieser Hinweis ist beim Spielberger Mühle-Produkt zu finden. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) infizieren sich die meisten Menschen mit STEC, indem sie verunreinigte Lebensmittel wie nicht durchgebackenen Teig essen. Mangelnde Küchenhygiene spiele ebenfalls eine Rolle. Die Bakterienanzahl, die für eine Infektion notwendig ist, ist bei STEC sogar deutlich niedriger als bei Salmonellen und wird entsprechend schnell erreicht. Deshalb wertet ÖKO-TEST ab.

Sechs Produkte bemängelt ÖKO-TEST wegen Mehrfachbelastungen mit Pestiziden. Negativer Spitzenreiter ist wieder das Aurora Weizenmehl Vollkorn mit sechs Spuren – darunter auch ein Insektizid, das ÖKO-TEST als „besonders bedenklich“ einstuft.

Im Gesamtergebnis überzeugen 39 Produkte im Test. Schlusslichter sind das mit „mangelhaft“ bewertete Aurora Weizenmehl Vollkorn und das „ungenügende“ Bio Sonne Bio-Mehl Dinkel Vollkorn von Norma.

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Quelle: ÖKO-TEST

 

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