Was ist eigentlich die Grünlandtemperatursumme?

Die Grünlandtemperatursumme ist ein wichtiger Orientierungswert in der Landwirtschaft aber auch für den heimischen Garten. Der Wert zeigt an, wann das Wachstum von Gras im Frühjahr beginnt und hilft Landwirten dabei, den richtigen Zeitpunkt für wichtige Arbeiten auf Wiesen und Weiden zu bestimmen. Aber auch wir können doch jedes Jahr auf’s Neue kaum erwarten, dass es anfängt zu Blühen.

Gerade im Frühling schwanken die Temperaturen oft stark. Deshalb reicht ein einzelner warmer Tag nicht aus, um den Vegetationsbeginn zuverlässig zu bestimmen. Hier kommt die Grünlandtemperatursumme ins Spiel: Sie fasst die Temperaturen über mehrere Wochen hinweg zusammen und macht so sichtbar, wann Pflanzen tatsächlich aktiv wachsen.

Wie wird die Grünlandtemperatursumme berechnet?

Die Berechnung beginnt jedes Jahr am 1. Januar. Von diesem Zeitpunkt an werden die täglichen Durchschnittstemperaturen addiert. Allerdings fließen nur bestimmte Temperaturen in die Berechnung ein, und sie werden unterschiedlich gewichtet.

Typischerweise gilt:

  • Temperaturen im Januar werden einfach gezählt
  • Temperaturen im Februar werden doppelt gewichtet
  • Temperaturen im März werden dreifach gewichtet

Durch diese Gewichtung wird berücksichtigt, dass Wärme im späteren Winter und im Frühling einen größeren Einfluss auf das Pflanzenwachstum hat als im tiefen Winter.

Der wichtige Schwellenwert: 200 Grad

Ein zentraler Orientierungswert ist eine Grünlandtemperatursumme von etwa 200 Grad. Wird dieser Wert erreicht, beginnt in vielen Regionen das erste stärkere Wachstum der Gräser.

Das bedeutet:

  • Die Pflanzen nehmen wieder aktiv Nährstoffe aus dem Boden auf
  • Das Wurzelwachstum nimmt zu
  • Die Vegetationsperiode startet

Dieser Zeitpunkt markiert für viele Betriebe den Beginn wichtiger Arbeiten im Grünland.

Wofür Landwirte die Grünlandtemperatursumme nutzen

Viele Landwirte orientieren sich an der Grünlandtemperatursumme, um den optimalen Zeitpunkt für die erste Düngung im Jahr zu bestimmen. Erfolgt die Düngung zu früh, können Pflanzen die Nährstoffe noch nicht aufnehmen.

Beginn der Weidesaison

Auch für die Beweidung ist der Wert wichtig. Erst wenn ausreichend Gras nachwächst, können Tiere dauerhaft auf die Weide.

Planung der ersten Mahd

Für Betriebe, die Futtergras ernten, hilft die Grünlandtemperatursumme bei der Planung des ersten Schnitts.

Unterschiede je nach Region

Der Zeitpunkt, an dem die Grünlandtemperatursumme von 200 Grad erreicht wird, kann regional stark variieren. Einfluss haben unter anderem:

  • Höhenlage
  • Bodentemperatur
  • Sonneneinstrahlung
  • lokale Wetterbedingungen

In milden Regionen kann der Wert bereits Ende Februar oder Anfang März erreicht werden. In kälteren Gegenden kann es dagegen bis in den April hinein dauern.

Bedeutung für Umwelt und Klimabeobachtung

Die Grünlandtemperatursumme ist nicht nur für Landwirte interessant. Auch Wissenschaftler nutzen sie, um Veränderungen im Klima und Vegetationsbeginn zu beobachten. Steigt die Durchschnittstemperatur langfristig, wird der Wert von 200 Grad oft früher im Jahr erreicht. Dadurch verschiebt sich auch der Beginn der Vegetationsperiode.

Kurz gesagt:
Die Grünlandtemperatursumme zeigt, wann das Grünland aus dem Winter erwacht und wieder zu wachsen beginnt und liefert gleichzeitig wichtige Hinweise auf Veränderungen im Klima