Rückrufe von Säuglingsnahrung: foodwatch verklagt Nestlé und Behörden

Im Skandal um verunreinigte Babyprodukte hat foodwatch in Frankreich Klage eingereicht. Der Vorwurf: Unternehmen wie Nestlé und Danone sowie die zuständigen Behörden haben Eltern zu spät gewarnt. Die Verbraucherorganisation klagt auch im Namen von Familien, deren Babys erkrankt sind. Acht Familien haben sich der Klage bereits angeschlossen, weitere bereiten sich darauf vor. Mehrere Hersteller, darunter Nestlé und Danone, rufen derzeit weltweit Säuglingsnahrung zurück. Der Grund: eine Verunreinigung mit Cereulid. Das Toxin kann bei Säuglingen zu Erbrechen und Durchfall führen, in einigen Fällen mussten die Kinder im Krankenhaus behandelt werden.

Die foodwatch-Klage fordert eine strafrechtliche Untersuchung möglicher Verstöße durch Hersteller und Aufsichtsbehörden.

„Anstatt besorgte Eltern schnell und umfassend zu warnen, räumten Unternehmen und Behörden die verunreinigten Produkte oft still und heimlich aus den Regalen und versuchten, den Fall kleinzureden – das ist unverantwortlich. Deshalb haben wir jetzt in Frankreich Klage eingereicht. Hersteller von Säuglingsnahrung sind gesetzlich verpflichtet, die Sicherheit ihrer Produkte zu garantieren“, sagte Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland.

Betroffene Eltern können sich an foodwatch wenden

Auch in Deutschland haben sich zahlreiche besorgte Eltern an foodwatch gewandt. Ein Vater zum Beispiel, der seine Zwillinge mit Nestlé Alfamino fütterte, berichtete: „Über zwei bis drei Wochen im Dezember haben unsere Zwillinge tagsüber immer wieder gewürgt, sich nachts mehrmals übergeben, unruhig bis gar nicht geschlafen.“ Als die Familie durch Zufall von dem Rückruf erfuhr und die Nestlé-Produkte absetzte, ging es den Babys „schon am nächsten Tag besser“.

foodwatch fordert eine lückenlose Aufklärung durch Unternehmen wie Nestlé und die zuständigen Behörden – bislang blieben Anfragen unbeantwortet. Die Verbraucherorganisation bittet betroffene Eltern, sich unter service@foodwatch.de zu melden.

Öffentlicher Rückruf kam spät

Nestlé hatte Anfang Januar 2026 bestimmte Chargen der Produkte „Alfamino“ und „Beba“ wegen möglicher Kontamination mit dem Bakteriengift Cereulid zurückgerufen. Nach Recherchen von foodwatch wusste der Konzern jedoch schon Wochen zuvor von der Gefahr.

Den italienischen Behörden lagen bereits am 1. Dezember 2025 Laborergebnisse vor, die eine Kontamination mit Cereulid belegten, und teilten diese am 12. Dezember über das EU-Behördenportal RASFF mit. Nestlé selbst informierte die niederländischen Lebensmittelbehörden am 9. Dezember 2025 nach internen Kontrollen in einem Werk in den Niederlanden über die Kontamination mit Cereulid. Die niederländischen Behörden leiteten jedoch keinen öffentlichen Rückruf ein, wie foodwatch kritisiert. In Österreich gab es vor Weihnachten zunächst nur einen „stillen Rückruf“ ohne öffentliche Warnung. Ebenso in Deutschland, wie foodwatch-Recherchen zeigen. Damit wäre das Risiko für Kinder in Deutschland bekannt gewesen, bevor Nestlé die Öffentlichkeit am 5. Januar informierte. In der Zwischenzeit könnten viele Eltern unwissentlich belastete Nahrung verfüttert haben.

Nestlé weist Verantwortung zurück

Zwar entschuldigt sich der Konzern bei einzelnen Betroffenen, verweist jedoch in Standardantworten häufig auf die Grippesaison und behauptet: Bisher gebe es keine bestätigten Krankheitsfälle. Ein glaubwürdiger Umgang mit dem Vorfall sieht aus Sicht von foodwatch anders aus. Dass es bislang keine offiziell bestätigten Krankheitsfälle gebe, sei wenig überraschend – wenn Eltern vom Konzern abgewimmelt würden und Erkrankungen im Nachhinein kaum noch nachweisbar seien.

Quellen und weiterführende Informationen:

 

Quelle: foodwatch e.V.

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