Schoko-Osterhasen im Januar – Frohe Ostern, irgendwie

Kaum sind die letzten Weihnachtskekse und Lebkuchen verspeist und der Tannenbaum auf dem Wertstoffhof, hoppelt er schon wieder durchs Regal: der Schoko-Osterhase. Es ist Januar, draußen ist es grau, kalt und rutschig – aber im Supermarkt herrscht bereits Frühling. Ostern, so scheint es, hat den Kalender einfach abgeschafft.

Weihnachtsmann, du musst jetzt raus, vorbei ist’s nun mit Nikolaus – Bild: KI generiert

Wer sich fragt, ob er vielleicht ein paar Wochen verschlafen hat, ist nicht allein. Denn die Lebensmittelindustrie hat es perfektioniert, Saisonen zu entkoppeln. Ostern ist nicht mehr an ein Datum gebunden, sondern an freie Regalflächen. Wo gestern noch Dominosteine lagen, steht heute der Hase – nahtlos, effizient, emotionslos und an anderer Stelle finden sich gar bunte Tulpensträuße. Die bunten Eier gibt’s ja auch schon das ganze Jahr über.

Natürlich wird uns erklärt, warum das so sein muss. Längere Verkaufszeiten, bessere Planung, wirtschaftliche Notwendigkeiten. Alles nachvollziehbar. Und doch bleibt der Eindruck, dass hier weniger Vorfreude als vielmehr Dauerverfügbarkeit verkauft wird. Was monatelang im Regal steht, ist irgendwann nicht mehr besonders – sondern einfach nur da.

Der Schoko-Osterhase im Januar ist auch ein Symbol für unseren Konsumalltag: immer früher, immer mehr, immer unabhängig von Anlass oder Maß. Warum warten, wenn man jetzt schon zugreifen kann? Und warum auf Ostern warten, wenn Schokolade sowieso das ganze Jahr schmeckt?

Ironisch ist: Je früher Ostern beginnt, desto schneller ist es auch wieder vorbei. Spätestens im März wird der Hase dann reduziert verramscht, um Platz zu machen für Erdbeeren im Februar und Grillware im März. Der Kalender verliert, das Sortiment gewinnt.

Vielleicht wäre weniger hier tatsächlich mehr. Ein Osterhase, der erst kurz vor Ostern auftaucht, wäre wieder etwas Besonderes. Bis dahin bleibt uns nur, im Januar freundlich zu nicken, am Hasen vorbeizugehen – und zu hoffen, dass nicht bald der Weihnachtsmann im Juli um die Ecke steht.

Übrigens: Mancherorts ist gar ein switchen zwischen Osterhasi und Nikolausi möglich. Dort wo Ostern die festen Regalflächen erobert hat, finden sich noch Reste an Lebkuchen und Schoko-Weihnachtsmännern im Abverkauf. 

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