Angesichts der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten sorgt die Entwicklung auf den Energiemärkten erneut für Unsicherheit. Die Nahost-Krise treibt die Ölpreise nach oben – mit direkten Folgen für Verbraucher in Deutschland. Die Benzin und Dieselpreise an den Zapfsäulen sind mit Kriegsbeginn nach oben geschnellt und hatten neue Rekordmarken erreicht. Vor allem Pendler die auf das Auto angewiesen sind, oder auch Handwerksbetriebe und Speditionen trifft das hart.
Zeitversetzt dürften dann auch erhebliche Preissteigerungen in den Supermärkten ankommen, bedingt durch steigende Transportkosten. Bedeutet, Verbraucher:innen werden immer mehr unter den steigenden Kosten zu leiden haben.
Vor diesem Hintergrund wird nun die Wirkung staatlicher Entlastungsmaßnahmen wie des nun angekündigten Tankrabatts zunehmend kritisch hinterfragt. Die Bundesregierung hatte am Montag beschlossen, die Steuern auf Diesel und Benzin – auf zwei Monate begrenzt – um jeweils etwa 17 Cent brutto pro Liter zu senken. Nach Medienberichten soll die Entlastung ab 1. Mai bis 30. Juni gelten. Experten bezweifeln jedoch, dass eine solche Maßnahme tatsächlich bei den Autofahrern ankommt.
Zwei Monate – Und dann?
Aktuell ist nicht davon auszugehen, dass die Nahost-Krise in zwei Monaten beigelegt ist. Bis dahin dürften aber die Preissteigerungen im Allgemeinen auch schon bei Verbraucher:innen angekommen sein. Natürlich kann es nicht Aufgabe des Staates sein, immer wieder Rabattaktionen zu veranstalten, dennoch wäre es an der Zeit, wirkliche Entlastungsmöglichkeiten für einkommensschwache Haushalte nicht weiter auf die lange Bank zu schieben.
Warum der Tankrabatt verpuffen könnte
Ökonomen weisen darauf hin, dass steigende Rohölpreise durch geopolitische Risiken – etwa Lieferengpässe oder Unsicherheiten auf den Märkten – mögliche Preisnachlässe schnell wieder aufzehren können. Zudem besteht die Gefahr, dass ein Teil der Entlastung nicht vollständig an Verbraucher weitergegeben wird. Das Ergebnis wird sein, weniger Konsum und damit einhergehend noch weniger Wachstum.
Außerdem wurde bereits bei früheren Maßnahmen offenbar, dass ein Teil der Preisreduktion entlang der Lieferkette „versickert“ ist, etwa bei Raffinerien oder Mineralölkonzernen.
Aus diesem Grund unterstütze ich den Vorschlag von Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte, die ganz besonders unter den steigenden Energiekosten leiden, in Form eines Energiebonus, der aus den Übergewinnen der Mineralölkonzerne und anderer Energieanbieter finanziert werden sollte.
Abhängigkeit vom Weltmarkt bleibt zentral
Deutschland bleibt auch weiterhin stark abhängig von globalen Energiemärkten. Entwicklungen im Nahen Osten wirken sich daher unmittelbar auf die Spritpreise aus. Selbst kurzfristige politische Entlastungen stoßen hier schnell an ihre Grenzen.
Ein Tankrabatt kann zwar kurzfristig Entlastung bringen – doch angesichts der aktuellen geopolitischen Lage bleibt fraglich, wie viel davon tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt.
Hierzu ein Statement von Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands vom 13.04.2026
Nahost-Krise: „Ob der Tankrabatt ankommt, ist fraglich“
Angesichts der hohen Spritpreise haben Union und SPD angekündigt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für zwei Monate um 17 Cent zu senken. Dazu ein Statement von Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands:
„Gerade in Zeiten hoher Preise brauchen wir gezielte und wirksame Hilfen.
Ob der teure Tankrabatt tatsächlich bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt, ist fraglich. Deshalb ist ein Tankrabatt 2.0 aus Verbrauchersicht keine gute Idee. Schon in der Folge des Krieges gegen die Ukraine hatte sich gezeigt: Die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel war teuer, wenig treffsicher und kam bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht verlässlich an.
Deshalb fordern wir: Wenn die Energiesteuer gesenkt wird, muss hart kontrolliert werden, dass die Entlastung vollständig weitergegeben wird.
Deutlich besser wären Direktzahlungen an die Haushalte, die besonders unter den steigenden Spritpreisen leiden. Das entlastet unmittelbar und kommt ohne Mitnahmeeffekte dort an, wo das Geld wirklich gebraucht wird.
Lange versprochen und dringend notwendig wäre die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß. Das würde Millionen Haushalte direkt entlasten und wäre ein sinnvoller Schritt, um die Energiekosten insgesamt zu dämpfen – unabhängig davon, ob jemand ein Auto besitzt oder nicht. Auch die Senkung der Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte wäre ein schnelles wirksames Mittel der Entlastung.“
Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband