Kinderschutz auf Youtube – wirksam oder sinnlos?

Die Videoplattform YouTube lockt täglich auch Millionen Kinder und Jugendliche an – aber wie können die vor ungeeigneten Inhalten geschützt werden?

Jugendschutz auf YouTube – wirksam oder sinnlos?

Ist YouTube eine Gefahr für Kinder – oder reichen die Schutzmaßnahmen aus?

YouTube zählt zu den erfolgreichsten Plattformen im Internet – täglich werden tausende Videos hochgeladen und Millionen Clips abgerufen. Angesichts der thematischen Vielfalt verwundert es nicht, dass das Videoportal auch – und vor allem – auf Kinder und Jugendliche eine gewaltige Faszination ausübt. Das an sich wäre wohl noch nicht so problematisch, aber auf YouTube gibt es auch zahlreiche Inhalte, bei denen selbst Erwachsenen der Atem stockt und die für Kinder absolut ungeeignet sind.

Die Frage ist natürlich auch: Mit welchen Themen beschäftigen sich Kinder und Jugendliche auf YouTube und interessieren sie sich überhaupt für diese „verbotenen“ Inhalte? Und falls das so ist, wie kann man verhindern, dass sie sich Clips anschauen, die für sie ungeeignet sind?

Wie nutzen Kinder und Jugendliche YouTube?

Schauen wir uns zunächst einmal an, wie Kinder und Jugendliche YouTube nutzen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 sind Musikvideos bei den Kids ganz klar die Nummer eins – mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sich regelmäßig Videos ihrer Lieblingsstars anzuschauen. Auf Platz zwei folgen dann lustige Clips, Comedy-Videos und andere humorvolle Inhalte. Diese landen immerhin bei rund 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen auf der Playlist. Den letzten „Podestplatz“ nehmen sogenannte „Let’s Play“-Videos ein. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Spielbericht und Test, bei der der YouTuber einen längeren Abschnitt aus einem aktuellen Videospiel zeigt und das Spielgeschehen kommentiert.

Aktuelle Nachrichten – meist von bekannten YouTubern – Sportvideos und Anleitungen zu den verschiedensten Themen werden von 20 bis 30 Prozent der jungen Nutzer regelmäßig angeklickt und nehmen damit die Plätze vier bis sechs ein.

Offenbar ist der vielbeschworene „Reiz des Verbotenen“ doch nicht so stark, wie manche glauben, denn bei keinem der Befragten machten problematische Inhalte wie Gewalt-, Porno- oder Propagandavideos einen messbaren Anteil der konsumierten Videos aus.

Die Kindersicherung von YouTube

Kinder und Jugendliche scheinen also kein großes Interesse an Inhalten zu haben, die für sie ungeeignet sind. Trotzdem kann es auf YouTube natürlich passieren, dass ein Kind beispielsweise durch die Empfehlung am Ende eines Videos bei einem Clip landet, der für das Kind verstörend ist oder sich anderweitig negativ auswirkt. Zudem wollen manche Eltern ihre Kinder ganz bewusst von an sich unbedenklichen Inhalten fernhalten, da sie sie persönlich für ungeeignet halten.

Zu diesem Zweck hat YouTube eine Kindersicherungsfunktion eingeführt, mit der Kinder vor unpassenden Inhalten geschützt werden sollen. Die Funktion kann einfach im YouTube- oder Google-Konto aktiviert werden – Sie finden sie unter der Option „Eingeschränkter Modus“. Das Problem dabei ist, dass die Kinder meist technisch versierter sind als ihre Eltern und diese Einstellung häufig ganz leicht wieder deaktivieren können.

Hinzu kommt, dass für die Nutzung von YouTube nicht zwingend ein Konto erforderlich ist. In diesem Fall sind zwar Inhalte, die für Kinder und Jugendliche ungeeignet sind, oftmals gesperrt, aber viele „Erwachsenen-Videos“ können auch ohne ein Konto problemlos abgerufen werden. Darüber hinaus bietet der eingeschränkte Modus bei Weitem keinen hundertprozentigen Schutz. Sind die Videos mit den passenden Hashtags versehen, werden sie relativ zuverlässig herausgefiltert, aber viele Clips haben keine, falsche oder sogar irreführende Hashtags – Propagandavideos sind hierfür ein gutes Beispiel.

Die Kindersicherungsfunktion von YouTube kann man also getrost als weitgehend wirkungslos bezeichnen.

YouTube Kids – wird mit der App alles besser?

Diesen Umstand hat wohl auch YouTube selbst bemerkt und versucht nun, mit einer eigenen App dem Problem Herr zu werden: YouTube Kids. Die App steht sowohl für Android als auch für iOS zur Verfügung und verspricht „eine Welt des Lernens voller Entdeckungen und Spaß“. Und tatsächlich ist es so, dass YouTube Kids vor allem kindergerechte Inhalte wie Kinderserien oder auf Kinder zugeschnittene Bauanleitungen vorschlägt.

Die Videos tauchen jedoch schlecht sortiert auf und sind fast ausschließlich auf Kinder im Vor- oder Grundschulalter zugeschnitten. Hinzu kommt, dass nur wenige, eindeutig ungeeignete Suchbegriffe gesperrt sind, sodass man mit der App schnell Anleitungen zum Bau von Airsoft-Waffen und Ähnliches findet.

Zwar kann mit der App die Suchfunktion komplett deaktiviert werden und die Nutzung lässt sich zeitlich einschränken, als Ersatz für YouTube und gleichzeitige Kindersicherung ist die App aber dennoch kaum zu gebrauchen. Sie liefert nur sehr eingeschränkt Inhalte, bei denen noch dazu ganz offensichtlich nicht wirklich geprüft wurde, ob sie für Kinder geeignet sind oder nicht.

Eltern sollten Verantwortung übernehmen

Da YouTube keine wirksamen technischen Maßnahmen zum Kinder- und Jugendschutz bietet, ist es vermutlich am sinnvollsten, mit dem eigenen Kind die Nutzung von YouTube zu üben – zumal selbst ganz normale Kanäle unpassende Inhalte veröffentlichen können, wie der Fall Logan Paul sehr deutlich zeigt. Machen Sie Ihrem Kind zum Beispiel klar, dass es nicht wahllose auf jeden Clip klicken sollte und bringen Sie ihm bei, vorher zu fragen, wenn ein Video seltsam aussieht oder das Thema des Videos nicht klar erkennbar ist.

So können Sie möglicherweise auch den sogenannten Clip-Sink-Effekt abschwächen oder verhindern. Dieser Effekt beschreibt das Phänomen, dass Kinder durch die Vorschläge am Ende der Videos immer tiefer eintauchen und alles andere um sich herum vergessen.

Bild/er: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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