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04.8.2017   |   Verbraucher

Der Eierskandal – Behördenversagen und europäische Blockaden

(ck/pw) Nach derzeitigem Kenntnisstand gelangte das verbotene Fipronil über ein kontaminiertes Reinigungsmittel aus den Niederlanden in die Betriebe. Das Insektizid war nach bisherigem Kenntnisstand dem Reinigungsmittel Dega-16 (ein zugelassenes Präparat aus Eukalyptusöl, Menthol und anderen ätherischen Ölen) unerlaubt beigemischt worden und über das Hühnerfutter in die Eier gelangt. Das auf Reinigungsarbeiten spezialisiertes niederländisches Unternehmen „ChickFriend“ hatte das Mittel vom belgischen Lieferanten Poultry-Vision bezogen. Bei einer Durchsuchung des Lieferunternehmens, das auch mit Insektiziden handelt, sollen größere Mengen Fipronil gefunden worden sein. Nach Aussage des Lieferanten sei das belieferte Reinigungsunternehmen korrekt über das Mittel informiert worden. Laut der Zeitung Volkskrant hat ein niederländischer Geflügelbetrieb bereits im Juni 2016 das Reinigungsmittel bezogen, weshalb Fipronil-kontaminierte Eier möglicherweise bereits seit über einem Jahr im Umlauf waren; ein Nachweis ist heute allerdings nicht mehr möglich.

Erst über eine Eigenkontrolle eines Eierverarbeiters in Belgien flog die Kontamination auf und wurde umgehend an das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) gemeldet. Dort wurde die Meldung öffentlich am 20.07.2017 eingestellt.


Auflistung der betroffenen Stempelcodes >


Der eigentliche Skandal

Die deutschen Behörden sind seit Tagen scheinbar nicht in der Lage, die Warenströme nachzuvollziehen. Verbraucher stellen sich zurecht die Frage, wo und wie wurden betroffene Eier weiterverarbeitet. Diese Antwort bleiben die verantwortlichen Stellen nach wie vor schuldig, der schwarze Peter wird den niederländischen Behörden zugespielt

Richtig ist, die Herkunft der Eier wird auf weiterverarbeiteten Produkten nicht angegeben. Ein Fehler der schon seit langem von Verbraucherschutzverbänden kritisiert wird. Aber Unternehmen haben auch eine Eigenverantwortung und sollten schleunigst ihre Lieferwege überprüfen, den Behörden offenlegen und ggf. kontaminierte Waren öffentlich aus dem Verkehr ziehen.

Lebensmittelwarnungen – Behörden warnen unzuverlässig und unzulänglich

Im Jahr 2011 wurde mit großem Tam-Tam und vielen Versprechungen das Portal lebensmittelwarnung.de gestartet. Es ist das Portal der Bundesländer sowie des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für Endverbraucher. Hier sollen Endverbraucher dann auch schnell und umfangreich über mögliche Gefahren informiert werden, die von Lebensmitteln ausgehen können. Tatsächlich aber werden über dieses Portal so gut wie keine Behördenmeldungen publiziert. Weit über 90% der dort veröffentlichten Meldungen sind Presse- oder Verbraucherinformationen der Hersteller. Endverbraucher sind also quasi darauf angewiesen, dass betroffene Produkte der jeweils zuständigen Landesbehörde gemeldet werden und von diesen dann auch zeitnah auf lebensmittelwarnung.de veröffentlicht werden.

Bis heute kocht jede Landesbehörde ihr eigenes Süppchen auf dem Portal. Das HickHack um Länderkompetenzen sollte schleunigst beendet werden. Verbraucher werden durch unterschiedliche Darstellung der Bundesländer nur zusätzlich verunsichert.

Oft fehlen aber in den Herstellermeldungen wichtige Zusatzinformationen zum Grund des Rückrufes. Bakterielle Kontamination ist inzwischen eine beliebte Formulierung geworden, mit der aber kein Verbraucher und auch kein Mediziner wirklich etwas anfangen kann.

Verbraucherschutz Glückssache?

Verbraucherschutz kann und darf keine „manchmal“ Angelegenheit sein! Alle Konsumenten und Konsumentinnen müssen sich auf die Arbeit der zuständigen Stellen verlassen können. Verbraucherschutz ist auch Gesundheitsschutz – wird hier geschlampt können lebensbedrohliche Erkrankungen die Folge sein. Bayern-Ei ist hier Beispiel genug!

Schon zum Start im jahr 2011 hatte die Linken-Abgeordnete Karin Binder den Mehrwert der Internetseite bei „nahe Null“ gesehen und zweifelte schon damals daran, dass Lebensmittelwarnungen tatsächlich beim Endverbraucher ankommen.

Allein das Portal lebensmittelwarnung.de des BVL verschlingt jedes Jahr zig-Tausende Euro – stellt sich die Frage, ob dieses Geld nicht anderweitig sinnvoller angelegt wäre…

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Quellen: wikipedia.de 

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