Eltern befürworten bundesweite Kita-Standards für Personal, Ausbildung und Essen

Der Ausbau des Kita-Angebots ist in den vergangenen Jahren zwar vorangekommen, doch die Wunschliste der Eltern ist nach wie vor lang. Eine repräsentative Befragung legt offen, was Mütter und Väter von der Politik fordern und wann sie selbst bereit sind, mehr dafür zu zahlen.

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Eltern wünschen sich bundesweit verbindliche Qualitätsstandards für Kindertageseinrichtungen. In einer repräsentativen Studie der Bertelsmann Stiftung spricht sich eine große Mehrheit der Mütter und Väter dafür aus, Personalschlüssel, Verpflegung und Ausbildung der Fachkräfte für ganz Deutschland einheitlich zu regeln. Mehr Qualität ist vielen Eltern etwas wert: Rund die Hälfte der Eltern wäre bereit, für bessere Kitas auch selbst mehr zu zahlen. Infratest dimap hatte für die Studie 4.437 Eltern befragt, deren Kinder derzeit eine Kita besuchen.

86 Prozent der Eltern fordern einheitliche Regelungen, für wie viele Kinder eine Erzieherin zuständig sein darf. Derzeit gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Kindgerechte Personalschlüssel gewährleisten lediglich Baden-Württemberg und Bremen. Nach Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung sollte eine Erzieherin höchstens drei Kinder unter drei Jahren bzw. 7,5 Kinder ab drei Jahren betreuen. In den ostdeutschen Bundesländern hingegen ist die Personalausstattung zum Teil nicht einmal halb so gut wie erforderlich. Daher verwundere es nicht, so Stiftungsvorstand Jörg Dräger, dass im Osten die Forderung nach einheitlichen Personalschlüsseln sogar 93 Prozent der Befragten unterstützen: „Eltern möchten für ihre Kinder überall die gleichen guten Bildungschancen, unabhängig vom Wohnort“, sagt Dräger.

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Pädagogische Grundprinzipien ja – aber nicht bundesweit einheitlich

Für eine einheitlich geregelte Ausbildung des pädagogischen Personals sprechen sich 85 Prozent der Eltern aus. Derzeit existiert zwar ein Qualifikationsprofil für Erzieherinnen und Erzieher, auf das sich alle Länder verständigt haben. Die Ausbildung folgt jedoch keinem bundesweit gültigen Lehrplan. 90 Prozent der Eltern sähen es zudem gern, wenn sich die Verpflegung der Kinder überall an anerkannten Ernährungsstandards orientierte. Das macht derzeit nur jede dritte Kita, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung nachgewiesen hat.

Von der einzelnen Kindertageseinrichtung erwarten die Eltern ein pädagogisches Konzept, das sich an den individuellen Bedürfnissen der Kinder ausrichtet. Eine einheitliche Festlegung von pädagogischen Grundprinzipien für alle Kitas in Deutschland lehnen 78 Prozent der Eltern daher ab. Die Notwendigkeit eines eigenen Konzepts, das sich an Kindern, Familien und dem Kita-Umfeld orientiert, gilt auch fachpolitisch als sinnvoll. Damit stärken Eltern die Eigenständigkeit der Kitas in pädagogischen Fragen. Dies korrespondiert mit dem Wunsch der Eltern nach Anbietervielfalt: 84 Prozent wollen mehrere Kita-Träger vor Ort.

Hälfte der Eltern ist bereit, für mehr Qualität auch mehr zu zahlen

Die Vereinbarkeit mit dem Beruf sehen Familien durch das derzeitige Kita-System nicht hinreichend unterstützt: Drei von vier Müttern und Vätern sagen, es gebe nicht genügend Betreuungsplätze, vor allem für unter Dreijährige. 63 Prozent sind der Überzeugung, die Öffnungszeiten der Kitas orientierten sich nicht am Bedarf der Eltern. 78 Prozent der Mütter und Väter hätten gern eine größere Auswahl an Kitas. Mehr Information über die örtlichen Angebote befürworten 71 Prozent.

Von den 81 Prozent der Eltern, die derzeit für den Kita-Platz ihres Kindes bezahlen, bewertet mehr als die Hälfte (52 Prozent) ihren jetzigen Beitrag als angemessen. 46 Prozent dieser Elterngruppe hingegen empfinden ihn als zu hoch. Fast alle Eltern (95 Prozent) fordern von der Bundesebene, sich stärker an der Finanzierung der Kinderbetreuung zu beteiligen. Für ein besseres Kita-System auch selbst tiefer in die Tasche greifen würden 48 Prozent. Keine Bereitschaft, für Qualitätssteigerung höhere Beiträge zu zahlen, bekunden 52 Prozent.

Rund 14 Prozent der Familien zahlen derzeit keine Kita-Beiträge, weil sie in einem Bundesland oder einer Stadt mit genereller Beitragsfreiheit leben oder von Sonderregelungen profitieren. Ihre Bereitschaft, sich an der Finanzierung eines Qualitätsausbaus zu beteiligen, ist fast identisch mit der der Beitragszahler: 51 Prozent von ihnen würden für bessere Qualität auf ihre Beitragsfreiheit verzichten. In den östlichen Bundesländern sagen dies sogar 63 Prozent. Dräger spricht sich dafür aus, langfristig eine generelle Gebührenfreiheit für Kitas in Deutschland anzustreben, sagt aber auch: „Solange der Qualitätsausbau noch in vollem Gange ist, ist auf die finanzielle Beteiligung der Eltern nur schwer zu verzichten.“

Wie teuer ein Kita-Platz die Eltern zu stehen kommt, hängt derzeit vom Wohnort ab. Die Elternbeiträge legt die jeweilige Kommune fest – ihre Höhe schwankt zwischen 0 und mehr als 600 Euro pro Monat. Das trägt dazu bei, dass Eltern sich durch Kita-Beiträge unterschiedlich stark belastet fühlen. So sehen sich 51 Prozent der Familien mit höheren Einkommen in ihrer Lebensqualität nicht durch ihren Kita-Beitrag beeinträchtigt, zwei Drittel der Familien mit niedrigen oder mittleren Einkommen hingegen sehr wohl. „Bildungschancen sollten nicht von der Finanzlage der Kommune abhängen. Wir brauchen bundesweit einheitliche Kriterien für Elternbeiträge und deren soziale Staffelung“, sagt Dräger.

Zusatzinformationen

Infratest dimap befragte im Auftrag der Bertelsmann Stiftung deutschlandweit 4.437 Eltern von Kita-Kindern im Alter bis einschließlich 7 Jahre. Die repräsentative Befragung wurde online vom 26. September bis 14. Oktober 2016 durchgeführt. Alle wesentlichen Eckdaten zum Kita-System in Deutschland aktualisiert jährlich der „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“.

Quelle: Bertelsmann Stiftung
Internet: http://www.bertelsmann-stiftung.de

Bilder: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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