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04.8.2016   |   Gesundheit

Badewetter: Hochsaison für Warzen

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über eine meist harmlose, aber oft sehr lästige Infektionskrankheit der Haut.

Warzen sind hässlich und unberechenbar. Sie finden sich bei jedem zweiten Schulkind auf der Haut. Man rückt ihnen mit Medikamenten oder Messer auf die Pelle, sie werden verätzt, verkocht oder vereist. Dabei wäre auch Abwarten oft ebenfalls eine gute Alternative, sagt die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

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„Warzen werden durch über 100 Typen des menschlichen Papillomvirus (Humanes Papillomvirus (HPV)) hervorgerufen“, berichtet Professor Dr. Johannes G. Liese, Infektionsspezialist der Universitäts-Kinderklinik Würzburg, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und Kuratoriumsmitglied der Stiftung Kindergesundheit. „Sie sind bei direktem Kontakt ansteckend, wie andere Viruskrankheiten auch. Bis sich jedoch nach einer Ansteckung die ersten Warzen zeigen, können je nach HPV-Typ mehrere Wochen und sogar bis zu zwei Jahre vergehen“. Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Körperkontakt von Mensch zu Mensch, oft aber auch über Hautschuppen am Boden beim Barfußlaufen in Schwimmbädern, Umkleidekabinen oder in der Turnhalle. Durch Kratzen können Papillomviren auch bei einer betroffenen Person auf andere Körperstellen übertragen werden. verteilen Das Risiko einer Ansteckung ist höher, wenn auch andere Familienmitglieder oder mehrere Mitschüler in der Klasse Warzen haben. Warzenviren sind allerdings nicht wählerisch und besiedeln gern auch Tiere. Deshalb sei eine Übertragung von HP-Viren auch durch befallene Haustiere auf den Menschen möglich, sagt der Würzburger Infektions-Experte Professor Liese.

Für die Wissenschaft sind die meist gutartigen, knötchenförmigen Wucherungen der obersten Hautschicht nach wie vor ein ungelöstes Rätsel: Warum verschwindet manche Warze nach einiger Zeit ohne jegliche Behandlung? Warum reicht manchmal schon das Bepinseln mit Farbe, um Warzen zu vertreiben? Und warum weichen bestimmte Warzen jahrelang nicht von der Stelle, obwohl der Arzt sich alle Mühe gibt? Fragen, die sich zwar mit dem Hinweis auf das komplizierte Immunsystem erklären, aber nicht schlüssig beantworten lassen. Besonders häufig siedeln sich Warzen an Körperstellen an, die häufigen Verletzungen ausgesetzt sind, z. B. Finger, Ellenbogen, Knie oder Gesicht, wuchern aber durchaus auch anderswo: Sie verunstalten schöne Hände, weil sie um die Nagelplatte herum wachsen oder plagen die Füße durch ihren Druck auf die Fußsohle beim Laufen. Als besonders problematisch erweisen sich Warzen, die um die Fingernägel (seltener um die Fußnägel) herum wachsen, berichtet die Stiftung Kindergesundheit: Sie laden die betroffenen Kinder (und Erwachsene) geradezu dazu ein, an ihnen zu knibbeln, sie aufzukratzen oder beim Fingernägelkauen zu verletzen. Dadurch kann aber ansteckendes Virusmaterial zu anderen Körperstellen, insbesondere ins Gesicht weitergetragen werden, wo dann neue Warzen entstehen können. Da Kinder ihre Warzen häufig aufkratzen, wachsen die lästigen Hautgebilde oft an solchen Kratzlinien entlang.

Viele Optionen, mäßige Erfolge

Warzen können in jedem Alter auftreten, mit Vorliebe befallen sie jedoch ältere Kinder. „Die Liste der bei Warzen eingesetzten Behandlungen ist lang, die Therapieerfolge sind mäßig und das Risiko eines erneuten Warzenbefalls ist hoch“, bedauert Professor Liese. Zur Behandlung der Warzen bieten sich zahlreiche Methoden an. Manche der Therapien sind schmerzhaft, andere nehmen viel Zeit in Anspruch, wiederum andere sind sehr teuer und trotzdem: Einen hundertprozentigen Erfolg garantiert keine von ihnen. Nach einer Metaanalyse der Cochrane Library ist die Wirksamkeit am besten belegt für das Auftragen von Salicylsäure oder die Abtragung der Warzen in Vollnarkose. Wenn der Leidensdruck des Warzenträgers nicht allzu hoch ist, rät Infektiologe Professor Johannes Liese zum Abwarten. Eine erst kürzlich publizierte Studie von Kinderärzten an der Johns Hopkins Universität in Baltimore hat erneut gezeigt, dass viele Kinder ihre Warzen auch ohne Behandlung nach einiger Zeit verlieren. Die Mehrzahl der in der Studie beobachteten 214 Kinder wurde mit Salizylsäure oder einer Vereisung (Kryotherapie) behandelt, einige Kinder blieben dagegen unbehandelt. Das Ergebnis: Bei 16 Prozent der behandelten Kinder waren die Warzen nach einem halben Jahr komplett abgeheilt, unter den unbehandelten war das sogar bei 36 Prozent der Fall. Nach zwölf Monaten betrug das Verhältnis 39 Prozent (behandelt) gegenüber 46 Prozent (unbehandelt). Und ganz gleich ob behandelt oder ohne Therapie: Nach spätestens zwei Jahren waren zwei von drei Kindern (65%), nach vier Jahren 80 Prozent komplett warzenfrei (Kuwabara A et al. Children with Warts: A Retrospective Study in an Outpatient Setting. Pediatr Dermatol 2015 Apr 15. doi: 10.1111/pde.12584). Warzen, die von allein verschwinden, hinterlassen auch keine Narben, im Gegensatz zu den aggressiveren chirurgischen Entfernung.

Manchmal hilft ein bisschen Magie

Auch bei einer Suggestivtherapie sind keine Narben zu erwarten. Bitte nicht wundern: Das so genannte „Besprechen“ oder die Warzenbeschwörung sind nachweislich wirksam! Vor allem Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren sind suggestiven Therapiemethoden besonders zugänglich, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. So hilft oft schon das Bestreichen der Warze mit farbigen Salben, Lösungen oder mit einfachem Zuckersirup. Hauptsache, der Patient glaubt die Behauptung des Arztes, es handele sich dabei zum Beispiel um eine hochwirksame „Schneckenspucke“. Die Suggestion kann dafür sorgen, dass auf dem Umweg über die Psyche die Abwehrkräfte angeregt werden. Ohne geheimnisvolles Brimborium wirken salicylsäurehaltige Warzenpflaster, die auf das Warzenareal aufgeklebt werden. Nach drei bis vier Tagen kann der Arzt die aufgeweichten Hornschichten mit einem Hornhauthobel, einem Skalpell oder einer Kürette („scharfer Löffel“) abtragen. Direkt gegen die Warzenviren wirken die antiviralen Substanzen Cignolin und Glutaraldehyd, sowie die nur durch den Arzt anwendbaren Zellgifte Podophyllin und 5-Fluoruracil.

Eine weitere Möglichkeit bietet die neuartige Substanz Imiquimod, ein auf der Haut wirksamer Immunmodulator, der gegen bestimmte Vorstufen von Hautkrebs entwickelt wurde. Der für Kinder nicht zugelassene Wirkstoff ist jedoch teuer, wirkt erst nach längerer Behandlung und hat starke Nebenwirkungen. Wenn alles nichts hilft, kann der Arzt hartnäckige Warzen auch mit Elektroinstrumenten „verkochen“, mit Kältetherapie vereisen, mit Laserstrahlen verdampfen oder bei einer Operation mit einem Skalpell oder einem scharfen Löffel entfernen. Ist die Warze endlich weg, sollte man allerdings nicht zu früh jubeln. Ganz gleich, mit welcher Methode der erfreuliche Erfolg erzielt wurde: Das Warzenvirus kann im Körper verbleiben und bei einem Schwächeanfall des Abwehrsystems durch Stress, als Folge einer immununterdrückenden Behandlung und auch während einer Schwangerschaft zu erneutem Befall führen. Zur Vorbeugung sollte man bei Schwimmbadbesuchen Badeschuhe tragen und die Füße vor dem Wiederankleiden immer gut abtrocknen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Jedes Familienmitglied sollte nur eigene Handtücher und Toilettenartikel benutzen. Statt Turnschuhen im Sommer besser Sandalen tragen: Schwitzende, feuchte Füße sind besonders anfällig für eine Infektion mit einem der lästigen Warzenviren. Für Menschen, die bereits Warzen unter den Fußsohlen haben, gibt es in Apotheken und Sanitätshäusern Schutzsocken und wasserfeste Pflaster. Sie bieten einen wirksamen Schutz gegen eine Übertragung der Viren und ermöglichen auch Kindern mit ausgeprägten Plantarwarzen die Teilnahme an Sportveranstaltungen.

Letztlich aber gilt: bei Warzen scheint das geduldige Abwarten in der Regel genauso effektiv wie aufwendige und z.T. belastende und schmerzhafte Therapieverfahren.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit
Internet: www.kindergesundheit.de

Bild: Pixabay - Lizenz: Public Domain CC0

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