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06.1.2016   |   Gesundheit

Versorgungs-Report 2015: Große regionale Unterschiede bei der Gesundheitsversorgung von Kindern

(ams). Entscheidet der Wohnort darüber, welche Gesundheitschancen Kinder und Jugendliche in Deutschland haben? Zahlen des Versorgungs-Reports 2015 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) lassen einen solchen Schluss zu. Für Blinddarm- und für Mandeloperationen beispielsweise zeigt sich: Ob und wann operiert wird, ist regional sehr verschieden. „Die hohen Unterschiede zwischen den Regionen können nicht allein medizinische Gründe haben“, sagt Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Versorgungs-Reports. Er fordert daher dazu auf, „die Indikationsstellung stärker zu hinterfragen“.

mandeln_galDie Analysen des WIdO basieren auf Daten von AOK-Patienten bis 24 Jahren, bei denen im Krankenhaus entweder eine Mandelentfernung (Tonsillektomie) oder eine Teilentfernung der Mandeln (Tonsillotomie) durchgeführt wurde. Bei den Mandelentfernungen lag die standardisierte Operationsrate im Jahr 2012 bundesweit durchschnittlich bei 37 operierten Patienten pro 10.000 Einwohner: In der Region Ingolstadt waren es im selben Zeitraum lediglich 17 je 10.000. In der Region Magdeburg dagegen 66 OPs pro 10.000 Einwohner.“ Aufgrund der wissenschaftlichen Studienlage wissen wir“, so Klauber, „dass eine Mandeloperation nur bei strenger Indikationsstellung sinnvoll ist“. Laut Leitlinie der Fachgesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin von August 2015 sind Tonsillektomien und Tonsillotomien bei einer eitrigen Mandelentzündung dann eine therapeutische Option, wenn die Mandelentzündung in zwölf bis 18 Monaten mindestens sechsmal mit Antibiotika therapiert wurde.

Unnötige Operationen vermeiden

Die Möglichkeiten, konservativ – also ohne Operation – zu behandeln, wurden in einem beachtlichen Teil der Fälle nicht oder nur wenig genutzt, so Klauber und fügt hinzu: „Werden unnötige Operationen vermieden, unterbleiben auch die mit dem Eingriff verbundenen Risiken und Beeinträchtigungen, etwa Nachblutungen.“ Sein Rat daher: Vor einer Operation sollten Patienten oder deren Angehörige die Notwendigkeit sorgfältig mit dem Arzt abwägen. Ein ähnliches Bild wie bei den Mandelentfernungen bietet sich auch bei den Blinddarmoperationen: Im Jahr 2012 lag die bundesweite Operationsrate bei rund 27 Patienten je 10.000 Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Variationsbreite hier: 13 Patienten pro 10.000 Einwohner in der Region Schleswig-Holstein Ost und 51,8 je 10.000 Einwohner in der Region Ingolstadt.

 

Übrigens: Regionale Versorgungs- und Behandlungsunterschiede gibt es auch für Krankheitsbilder, die keine Operation erfordern, etwa bei Hyperkinetischen Störungen (HKS), auch als ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) bekannt. Rund eine halbe Million Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhielten im Jahr 2013 eine HKS-Diagnose. Die Krankheitshäufigkeit von HKS lag für diese Gruppe im Jahr 2013 bei 4,9 Prozent. Über dem Bundesdurchschnitt liegt Thüringen mit 6,8 Prozent und deutlich darunter Bremen mit 2,2 Prozent.

Weitere Informationen:

Wissenschaftliches Institut der AOK
AOK-Bundesverband
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Quelle: AOK-Medienservice – ams-Ratgeber 12/15
Internet: http://www.aok-bv.de

Grafiken: AOK-Medienservice

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