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08.12.2014   |   Haus & Garten - Umwelt - Verbraucher

BUND fordert Verkaufsverbot: Mangelhafte Beratung zu Pestiziden in Garten- und Baumärkten

Berlin: Beim Kauf von Pestiziden in Garten- und Baumärkten werden Kunden oft schlecht beraten. Das ergaben Testkäufe durch Mitarbeiter des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in 14 Berliner und zwei Potsdamer Garten- und Baumärkten. Die Tester hatten geprüft, ob beim Verkauf der Produkte „Calypso Schädlingsfrei“ und „Lizetan Zierpflanzenspray“ von Bayer sowie bei Präparaten mit dem Wirkstoff Glyphosat (z.B. „Roundup“ von Monsanto) die Bestimmungen des Pflanzenschutzgesetzes eingehalten werden. Außerdem wurde die Beratungsleistung der Märkte in Bezug auf Gesundheitsschutz und „Bienenverträglichkeit“ bewertet.

BUND-Einkaufscheck "Pestizidverkauf in Bau- und Gartenmärkten" herunterladen (PDF)

BUND-Einkaufscheck „Pestizidverkauf in Bau- und Gartenmärkten“ herunterladen (PDF) – Bild: BUND

Nur ein einziger Markt bestand den Test mit „gut“. Die Beratung in den übrigen Märkten war in der Mehrzahl mittelmäßig, in fünf Fällen sogar schlecht. Der BUND fordert deshalb ein Verkaufsverbot für umwelt-, gesundheits- und bienengefährdende Pestizide in Bau- und Gartenmärkten.

„Das Testergebnis ist besorgniserregend. Sowohl Calypso als auch Lizetan stehen im Verdacht, Krebs auszulösen“, sagte der BUND-Pestizidexperte Tomas Brückmann. Deshalb empfehle der Hersteller Bayer in seinen Sicherheitsdatenblättern bei der Anwendung eine Schutzausrüstung zu tragen, beispielsweise Handschuhe, Körper- und Augenschutz. „Nur in wenigen Märkten wird auf Gesundheitsrisiken hingewiesen und in den meisten nicht auf erforderliche Schutzmaßnahmen“, sagte Brückmann.

Die Stichproben ließen vermuten, dass es in Bau- und Gartenmärkten bundesweit ähnlich aussehe. „Es besteht die Gefahr, dass durch schlechte Beratung und unsachgemäße Anwendung von Pestiziden viele Menschen gesundheitlich geschädigt werden können“, so Brückmann. Zu bemängeln seien auch die Beratungen zu Unkrautvernichtungsmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat. Das Totalherbizid darf nicht auf versiegelten Flächen eingesetzt werden, da es Gewässer und Wasserorganismen schädigt. „Unseren Testern wurden glyphosathaltige Präparate wie Roundup mehrfach für versiegelte Flächen empfohlen. Das ist ein ernster Gesetzesverstoß“, so Brückmann.

Der BUND-Experte kritisierte außerdem, dass einige Hersteller wichtige Angaben aus den Sicherheitsdatenblättern ihrer Produkte nicht auf den Beipackzetteln angeben. „Die Gefährlichkeit der Pestizid-Produkte wird so verschleiert“, sagte Brückmann. In einigen Fällen liege zudem der Verdacht auf bewusste Verbrauchertäuschung nahe. So enthielten Calypso und Lizetan das für Bienen gefährliche Neonikotinoid Thiacloprid. Auf der Verpackung von Calypso sei jedoch „nicht bienengefährlich“ aufgedruckt. Die Zulassungsbehörden listen den Stoff laut BUND zwar noch als „bienenverträglich“, jedoch sei die Gefahr von Thiacloprid für Bienen bereits Anfang 2014 in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen worden. „Dass die Hersteller sich jetzt noch herausreden können, wenn sie auf ihren Verpackungen irreführende Angaben machen, liegt auch an der Untätigkeit der Zulassungsbehörden“, kritisierte Brückmann. Diese müssten nun endlich reagieren und Thiacloprid die Einstufung als bienenverträglich entziehen.

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Pestizide haben einen erheblichen Anteil am Artensterben in der Agrarlandschaft und sind für das weltweite Bienensterben mitverantwortlich. Sie werden nicht nur in der konventionellen Landwirtschaft, sondern auch im Haus- und Kleingartenbereich eingesetzt und sind in vielen Bau- und Gartenmärkten erhältlich. Im Pflanzenschutzgesetz ist festgelegt, dass Pestizide nicht über Selbstbedienung an „nicht-berufliche Anwender“ verkauft werden dürfen. Wenn Verkäufer diese Produkte herausgeben, müssen sie umfassend über „Risiken der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für Mensch, Tier und Naturhaushalt“ aufklären.

„Wir sehen nicht in erster Linie die Verkäufer in der Verantwortung, sondern die Bundesregierung, die umwelt- und gesundheitsgefährdende Produkte verbieten muss“, stellte Brückmann klar. „Bis es soweit ist, sind die Bau- und Gartenmärkte in der Pflicht. Sie müssen den kommenden Winter dafür nutzen, um umwelt-, gesundheits- und bienengefährdende Pestizide aus ihren Regalen zu verbannen“, sagte Brückmann.


 

pdfMehr Informationen

Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Internet: www.bund.net

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