Kinderlebensmittel: Wurst, Zerealien und Käse für Kinder auf dem Prüfstand

Kinder sind auch für Lebensmittelproduzenten eine attraktive Zielgruppe. Im lukrativen Wettstreit um die kleinen Konsumenten investieren viele Hersteller massiv in Werbung und Marketingmaßnahmen. Doch was bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn sie „Kinderlebensmittel“ kaufen? Der VKI geht der Frage derzeit in einem eigenen Themenschwerpunkt nach und nimmt stichprobenartig verschiedene Produktgruppen unter die Lupe.

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung versorgt Kinder mit allen Nährstoffen, die sie benötigen

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung versorgt Kinder mit allen Nährstoffen, die sie benötigen

 

Für die Oktoberausgabe der Zeitschrift KONSUMENT (österreichisches Pendat zu Stiftung Warentest) wurden Wurst, Zerealien und Käse getestet. Das Ergebnis: Viele der geprüften Produkte sind mit Vitaminen und Mineralstoffen versetzt – auch solche mit hohem Fett- oder Zuckergehalt. So soll vor allem Eltern suggeriert werden, die angebotenen Waren seien besonders gesund. Gleichzeitig sind Kinderlebensmittel in der Regel hoch verarbeitet und teuer im Vergleich zu Produkten, die nicht speziell für Kinder gedacht sind.

Frühstückszerealien – bis zu einem Drittel aus Zucker

Die Werbung für Zerealien verspricht oft ein gesundes Frühstück dank vieler Vitamine und Mineralstoffe. Diese sind allerdings – wie z.B. in den Cookie Crisps „Schoko-Knusper-Kekse“ von Nestlé – künstlich zugesetzt und keineswegs natürlich in den Produkten enthalten. Solche speziell mit Nährstoffen angereicherten Lebensmittel werden zur Ernährung von Kindern aus gesundheitlicher Sicht nicht benötigt. Grundsätzlich kann und sollte der Bedarf über eine ausgewogene und abwechslungsreiche Mischkost abgedeckt werden.

Darüber hinaus bewirbt Nestlé sein Produkt auch mit einer „Vollkorngarantie“: „Deshalb sind alle Nestlé Cerealien nicht nur unwiderstehlich lecker, sondern enthalten immer auch mindestens 30 Prozent Vollkorngetreide“, heißt es dazu von Seiten des Unternehmens. Wirft man allerdings einen Blick auf die Zusammensetzung, so zeigt sich, dass das vermeintlich gesunde Vollkornprodukt zu 23,5 Prozent aus Zucker besteht. Noch höher ist der Zuckeranteil bei den Nugat Bits von Knusperone (33,9 Prozent) und den Kellog’s Smacks (41,6 Prozent). Als tägliche Frühstücksmahlzeit für Kinder ist damit keines der geprüften Produkte geeignet.

Wurstwaren als „Beitrag für die gesunde Ernährung“

Auch das Angebot an kinderspezifischen Fleisch- und Wurstwaren hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Insgesamt unterscheiden sich die Produkte dabei hauptsächlich durch einen erhöhten Preis, eine kindgerechte Aufmachung und die entsprechende Werbung von herkömmlichen Produkten. Zwei der geprüften Wurstwaren, die Mini Leberwurst und Mini Salami von Ferdi Fuchs, wurden dabei auch mit diversen Vitaminen und Mineralstoffen angereichert, die sie gesünder erscheinen lassen, als sie sind. Beide Produkte bestehen zu einem Großteil (33,1 Prozent bzw. 31,7 Prozent) aus Fett.

Trotz des ungünstigen Nährwertprofils wirbt Ferdi Fuchs intensiv mit gesundheitsbezogenen Aussagen: „Vitamin B 6 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“, heißt es etwa auf der Packung der kindgerechten Mini Leberwurst. Auch die Mini Salami verspricht eine gesundheitsfördernde Wirkung u.a. durch Folsäure: „Folsäure trägt zur Verringerung der Müdigkeit bei“ ist auf dem Produkt zu lesen.

Mit einer Mischung aus Werbung und Spiel wenden sich die Anbieter dabei auch direkt an die Kleinsten. So bietet etwa Kiri auf seiner Webseite eine breite Auswahl putziger Bilder, Spiele und Rezeptideen rund um Schmelzkäse. Problematisch ist das deshalb, weil Kinder bis zu einem Alter von 6-8 Jahren noch nicht zwischen Werbung und Inhalt unterscheiden. Auch Beigaben wie Comicfiguren und Sticker sind in vielen Produktgruppen verbreitet.

Fazit: Kinder brauchen keine Kinderlebensmittel

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung versorgt sie mit allen Nährstoffen, die sie benötigen. Dennoch werden in der Werbung auch ungesunde Produkte nach wie vor als „nahrhaft“ und „wertvoll“ darstellt. Selbstverpflichtungen der Hersteller, solche an Eltern und Kinder gerichtete Werbung zu beschränken, haben bisher kaum praktische Wirkung gezeigt.

Quelle: Verein für Konsumenteninformation (VKI)
Internet: http://www.konsument.at/

Bild: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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