Sekundäres Ertrinken bei Kindern: Noch Stunden nach einem Badeunfall möglich

Eltern sollten Kinder nach einem Badeunfall, bei dem ihre Schützlinge möglicherweise Wasser in die Lunge bekommen haben, beobachten. Denn so genanntes „sekundäres Ertrinken“ kann noch etwa 24 Stunden nach einem Wasserunfall zu lebensbedrohlichen Atemproblemen führen, obwohl sich das Kind anfangs gut zu erholen scheint.

Eltern überschätzen die Schwimmfähigkeit ihrer Vorschulkinder

„Dieses verzögerte Ertrinken definieren Experten ebenso als Ertrinken. Ursache dafür ist eine Lungen-Komplikation, ein spätes ARDS (acute respiratory distress syndrome) oder eine Aspirationspneumonie. Das Einatmen von Flüssigkeiten führt u.a. durch Entzündungsreaktionen und Ödeme in der Lunge zu Störungen des Gasaustausches, die ohne Behandlung in wenigen Stunden durch immer größeren Sauerstoffmangel zum Tod führen können“, erklärt Prof. Hans-Jürgen Nentwich, ehemaliges Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit langjähriger Klinikerfahrung (Leitung der Kinderklinik in Zwickau). Diese Fälle sind zwar sehr selten. Dennoch ist es wichtig, dass Eltern darüber Bescheid wissen, damit betroffene Kinder rasch ärztliche Hilfe erhalten.

Ein Kind kann bei einem Beinahe-Ertrinkungsunfall versehentlich Wasser einatmen oder wenn es von größerer Höhe ins Wasser springt. Aber auch wenn es von einer Wasserrutsche schnell ins Wasser katapultiert wird, kann versehentlich Wasser in die Lunge gelangen. Je kleiner die Kinder sind, desto geringere Mengen können bedrohlich werden. 2 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht gelten als bedenklich. Das heißt für einen fünfjährigen Jungen, der 18,5 Kilogramm wiegt, würden 37 Milliliter Wasser in der Lunge gefährlich sein. „Beginnt ein Kind nach einem Badeunfall – obwohl es eine Phase ohne Beschwerden hatte – erneut wieder zu husten, atmet ungewöhnlich schnell, wirkt teilnahmslos oder anders als sonst, oder es verfärben sich die Lippen, dann sollte es umgehend in eine kinderärztliche Notfallaufnahme“, so Prof. Nentwich.

Etwa 85% der Ertrinkungsfälle könnten durch Überwachung, ausreichendes Schwimmtraining, allgemeines Wissen um die Gefahren rund ums Wasser verhindert werden. In vielen Fällen, in denen Kinder ertrinken, haben Eltern das Kind nur kurz aus den Augen gelassen.

Quellen: N Engl J Med, CNN, TODAY.com

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.
Internet: http://www.kinderaerzte-im-netz.de

 

Bild: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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