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26.3.2014   |   Umwelt

Gib acht auf deine Umwelt: Mehrwegflaschen sind am umweltfreundlichsten


Einweglobby scheitert mit dem Versuch, Mehrwegflaschen durch Auftragsstudie schlechtrechnen zu lassen – „Mehrweg-Allianz“ fordert von Umweltministerin Hendricks Maßnahmen zum Mehrwegschutz

Der einwegorientierte Teil von Handel und Industrie diskreditiert noch immer das weltweit größte Mehrwegsystem im Getränkebereich. Das zeigt die vom Handelsverband Deutschland e. V. (HDE) und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e. V. (BVE) in Auftrag gegebene Studie zu Umlaufzahlen und Transportentfernungen von Mehrwegflaschen. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH), die Stiftung Initiative Mehrweg (SIM) und Verbände der mehrwegorientierten Getränkewirtschaft kritisieren die Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte als fehlerhaft und tendenziös.

Mehrwegflaschen sind am umweltfreundlichsten

Für die Glaubwürdigkeit einer Studie sind die Methodik und die zugrunde gelegten Annahmen entscheidend. Beide sind aus Sicht der „Mehrweg-Allianz“ jedoch höchst zweifelhaft. Die Kommunikation der Ergebnisse der „Deloitte-Studie“ suggeriert der Öffentlichkeit und Verbrauchern niedrige Umlaufzahlen und besonders weite Transportentfernungen von Mehrwegflaschen. „Erkennbares Ziel ist es, die ökologischen Vorteile des Mehrwegsystems zu diskreditieren. Hierzu wurden unrealistische Extremannahmen über den Flaschenaustausch in Handel und bei den Abfüllern getroffen, um als gewünschtes Ergebnis möglichst niedrige Wiederbefüllungszahlen zu erhalten. Da zudem nicht transparent ist, welche Betriebe untersucht wurden, kann diese Studie zusammenfassend als nicht aussagekräftig und tendenziös bewertet werden“, erklärt der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Zur Vielzahl methodischer Fehler gehört auch die angewandte Methodik zur Ermittlung der Umlaufzahlen. So werden beispielsweise leere Fächer in zurücklaufenden Mehrwegkisten als verloren gegangene Flaschen gewertet, deren Produktleben damit beendet ist. Die Möglichkeit, dass der Verbraucher eine Mehrwegflasche erst später abgibt oder die Flasche zu einem in der Studie nicht betrachteten Abfüller zurückläuft, berücksichtigt die Untersuchung nicht. Dies führt zu einer ungerechtfertigten Senkung der Umlaufzahl. In der „Deloitte-Studie“ werden außerdem wiederholt und an exponierten Stellen unrealistisch niedrige Extremwerte für Umlaufzahlen kommuniziert, wobei angenommen wird, dass Fremdflaschen untereinander nicht getauscht werden. Die Folge: Erneut sinken die so ermittelten Umlaufzahlen von Mehrwegflaschen in ungerechtfertigter Weise. Recherchen der „Mehrweg-Allianz“ sowie die Ergebnisse der PricewaterhouseCoopers-Studie zu Getränkeverpackungssystemen aus dem Jahr 2011 widerlegen diese Annahme jedoch.

Die „Deloitte-Studie“ widerspricht außerdem ihrem eigenen zentralen Ergebnis, wenn sie annimmt, dass ein Flaschentausch nicht stattfindet. „Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Mehrwegflaschen zwischen Abfüllern oder über externe Dienstleister getauscht werden. Die Ergebnisse weichen damit diametral von den Extremwertannahmen zu Umlaufzahlen ab. Dass von den Auftraggebern und -nehmern in der Öffentlichkeit trotzdem unrealistisch niedrige Umlaufzahlen kommuniziert werden, ist fachlich nicht gerechtfertigt und benachteiligt gezielt das Mehrwegsystem“, kritisiert der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels e. V. (GFGH) Günther Guder.

Der Versuch der Einwegindustrie, Mehrweg in gute Pool- und schlechte Individualflaschen aufzuteilen, scheitert. Die in der „Deloitte-Studie“ untersuchten Individualflaschen aus Glas liegen in der Regel bei 20 oder mehr Umläufen. Bereits nach zehn Umläufen werden 90 Prozent der eingesetzten Ressourcen eingespart, bei 20 Umläufen sind es 95 Prozent. „Für die Ökobilanz von Mehrwegflaschen sind die ersten zehn Umläufe die wichtigsten, alle weiteren Wiederbefüllungen haben kaum noch einen Einfluss. Die Debatte um Individual-Mehrwegflaschen, insbesondere im Biersegment, wird von der Einwegindustrie künstlich aufgeblasen, um Mehrweg zu diskreditieren“, erklärt der Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Deutschland, Roland Demleitner. Die Studie der Unternehmensberatung Deloitte kam selbst zu dem Ergebnis, dass Individualflaschen im Bierbereich lediglich einen Marktanteil von 15 Prozent und Mehrweg-Poolflaschen von 85 Prozent haben.

Die Untersuchung diskreditiert Mehrweg auch bei der Ermittlung von Transportentfernungen, indem sie für Mehrwegflaschen pauschal den doppelten Weg zwischen Abfüller und Verbraucher annimmt. Zusätzlich wird eine weitere Strecke für den Leergutaustausch berechnet. „Es ist absurd, dass die Studie einerseits nicht von einem Flaschentausch ausgeht, um die Umlaufzahlen klein zu rechnen, andererseits aber die verlängerten Wege des Flaschentausches Eingang in die Berechnung finden. Dabei ist es gängige Praxis, das Pool-Leergut auf kurzem Weg zum nächstgelegenen Abfüller zurück zu transportieren. Dieser Aspekt blieb völlig unberücksichtigt“, kritisiert der frühere Staatssekretär und Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg (SIM) Clemens Stroetmann. Dies betreffe besonders die Nutzung einheitlicher Flaschen- und Kastenpools, wie sie beispielsweise die Genossenschaft Deutscher Brunnen einsetzt. Zudem gebe es inzwischen auch einheitliche Kastensysteme zur Rückführung von Multipackflaschen, die den Rücktransport stark verkürzen.

Grundsätzlich kritisieren die DUH und die Vertreter der mehrwegorientierten Getränkeindustrie den Mangel an Hintergrunddaten in der Untersuchung. Die Ergebnisse der Studie seien ohne eine grundlegende Betrachtung der im Einzelnen erhobenen Daten und der teilnehmenden Unternehmen für Außenstehende nicht verifizierbar und damit wenig glaubwürdig. Paradoxerweise bestätigt die „Deloitte-Studie“ trotz aller tendenziösen Annahmen und methodischer Fehler die ökologischen Vorteile des deutschen Mehrwegsystems.

Die „Mehrweg-Allianz“ forderte Bundesumweltministerin Hendricks auf, das deutsche Mehrwegsystem zu stärken und dafür zu Sorge zu tragen dass die in der Verpackungsverordnung festgelegten Quoten für ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen eingehalten werden. Die Umsetzung einer Kennzeichnungsregelung für eine klare Unterscheidbarkeit von Mehrweg und Einweg könnte hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Eine ausführliche gemeinsame Stellungnahme zur Studie „Umlaufzahlen und Transportentfernungen in der Getränkeindustrie“ der Unternehmensberatung Deloitte finden gibts hier 

pdf-ico

Stellungnahme_Deloitte_Studie

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e. V. 
Internet: http://www.duh.de/

Bild: Pixabay – Lizenz: Public Domain CC0

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